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Ältere Menschen machen sich große Sorgen um Pflegeversorgung

Die Österreicher blicken nicht sehr optimistisch in die künftige Pflegesituation. Vier von zehn Menschen machen sich Sorgen, was den eigenen Pflegebedarf oder jenen der Angehörigen in der Zukunft betrifft. Ältere machen sich sogar noch mehr Sorgen, ab 50 Jahren zeigt sich schon jeder zweite besorgt, ab 65 Jahren sechs von zehn Menschen, geht aus dem SORA-Sozialbarometer für die Volkshilfe hervor.

red/Agenturen

Dieses wird jährlich durchgeführt. Für die aktuelle Studie zum Thema „Pflege“ wurden 1.019 Personen ab 15 Jahren befragt. Nur etwa ein Viertel von ihnen (28 Prozent) blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Signifikant besorgter sind Menschen in kleinen und mittelgroßen Städten sowie Frauen. Während sich 39 Prozent der Männer Sorgen um die Themen Pflege und Betreuung machen, sind bei es den Frauen 46 Prozent.

Mit 93 Prozent sprechen sich fast alle Menschen in Österreich für kürzere Arbeitszeiten und eine bessere Entlohnung von Pflegekräften aus, um dem Personalmangel in den kommenden Jahren entgegenzutreten. 79 Prozent treten zudem für die Einführung einer Vermögenssteuer ab einer Million Euro zur finanziellen Absicherung der Pflege in Österreich ein. Menschen mit geringer Kaufkraft unterstützen diese Forderung stärker als Menschen mit hoher Kaufkraft.

Ab 50 Jahren ist jeder zweite um Zukunft der Pflege besorgt

Die Volkshilfe fordert angesichts dieser Ergebnisse eine Harmonisierung und den Ausbau der Pflegeangebote sowie eine „solidarische Finanzierung“ mittels „Umverteilung von oben nach unten“. Es brauche konkrete Schritte zur Harmonisierung des Angebots der Bundesländer (vergleichbare Personalschlüssel für Pflegeheime, vergleichbare Leistungen für mobile Dienste) mit dem Ziel, bundesweit ein vergleichbares Angebot zu schaffen, sagte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Er forderte zudem den Ausbau von leistbaren mobilen, teilstationären (Tageszentren) und stationären Pflege- und Betreuungsangeboten vor allem in den ländlichen Regionen, den Ausbau von neuen Wohnformen (betreutes Wohnen, betreubares Wohnen und Mehrgenerationswohnhaus) sowie von stundenweisen Betreuungsangeboten zur Entlastung der pflegenden Angehörigen.

2019 bezogen durchschnittlich 463.662 Personen ein Bundespflegegeld (einschließlich Personen mit ruhendem Pflegegeldanspruch), rund eine Millionen Angehörige sind ebenfalls direkt von der Thematik betroffen. Bis 2050 werden 750.000 Menschen in Österreich pflegebedürftig sein. „Es wird angenommen, dass sich der Anteil der Menschen über 80 Jahren 2050 gegenüber 2015 auf 11,5 Prozent verdoppeln wird. Um den Pflege- und Betreuungsbedarf auch personell zu decken werden bis 2050 58.000 neue (Vollzeit-)Pflegekräfte gesucht“, mahnte Fenninger. „Das sind enorme Zahlen, das ist eine große gesellschaftliche Herausforderung.“

Wirtschaftskammer fordert mehr Geld für 24-Stunden-Betreuung

Die Wirtschaftskammern Wien und Niederösterreich fordern eine Verdreifachung der Förderung der 24-Stunden-Betreuung. Außerdem pochten die Vertreter der Fachgruppen für Personenbetreuung am Mittwoch darauf, in die Task Force Pflege einbezogen zu werden.

Die Regierung sei verpflichtet, „die systemrelevante und gesetzlich verankerte Interessensvertretung der Wirtschaftskammer in diese Task Force einzubinden“, befand Harald G. Janisch, Obmann der Fachgruppe Personenberatung und Personenbetreuung der Wirtschaftskammer Wien, laut einer Aussendung in einer Pressekonferenz.

Die Branchenvertreter forderten auch eine Erhöhung der Förderungen: „Es gibt noch immer viele Familien mit betreuungsbedürftigen Angehörigen, die gerne eine 24-Stunden-Betreuung als Betreuungsform wählen würden, es sich jedoch nicht leisten können und deshalb ihre Angehörigen selbst pflegen“, meinte sein niederösterreichischer Kollege Robert Pozdena. Die Förderung für eine Personenbetreuerin beträgt laut Wirtschaftskammer im Monat aktuell 275 Euro.

Zudem brauche es eine grundlegende Überarbeitung der Förderkriterien, damit die Förderrichtlinien transparenter werden, finden die Branchenvertreter.