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Thomas Szekeres in der ORF-„Pressestunde“

Erhöhung der Mittel für das Gesundheitssystem gefordert

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, hat sich für ein deutlich höher finanziertes Gesundheitssystem ausgesprochen. Es brauche mehr Kassenverträge und mittelfristig sollten die Ausgaben auf 12 Prozent des BIP erhöht werden, das wären rund acht Mrd. Euro mehr als derzeit, so Szekeres am Sonntag in der „ORF“-Pressestunde.

red/Agenturen
„Wir sind ähnlich wohlhabend wie Deutschland und die Schweiz und sollten uns ein entsprechend gut finanziertes Gesundheitssystem leisten“, forderte Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres in der ORF-„Pressestunde“.

„Wenn Sie die Gesundheitsausgaben in Österreich mit Deutschland oder der Schweiz vergleichen, so gibt man in Deutschland, bezogen auf das österreichische Bruttoinlandsprodukt, vier Milliarden Euro pro Jahr mehr für Gesundheit aus, in der Schweiz um acht Milliarden mehr. Und wir brauchen auch hier mehr Geld in Zukunft, denn die Menschen werden älter, werden damit auch chronisch kränker und sollen entsprechend versorgt werden“, sagte Szekeres in der ORF-„Pressestunde“. 

Mehr Geld für Prävention und Pflege gefordert

„Wir sind ähnlich wohlhabend wie Deutschland und die Schweiz und sollten uns ein entsprechend gut finanziertes Gesundheitssystem leisten“, fügte er hinzu. Skekeres forderte zudem mehr Geld für Prävention und für Pflege. Dabei könne er sich vorstellen, fehlendes Geld durch eine Besteuerung von Amazon, Google, Facebook oder anderen multinationalen Konzernen zu lukrieren.

Der Ärztekammerpräsident zeigte sich in der „ORF“-Pressestunde erfreut über das kürzlich beschlossene Rauchverbot in der Gastronomie. Eine Ausweitung des Verbots auf öffentliche Plätze findet er nicht notwendig. „Was ich mir schon vorstellen könnte, sind zum Beispiel Kinderspielplätze. Aber man soll nichts übertreiben“, sagte er.

Mehr Kassenverträge gefordert

Zur Fusion der Krankenkassen meinte Szekeres: „Wir sind am Anfang dieser Fusion und im Moment betrifft es Patienten noch nicht, zumindest haben sie noch keinen Vorteil.“ Um Verbesserungen für Patienten zu erreichen, brauche es mehr Kassenverträge.

Er bekräftigte außerdem seine Kritik am ÖVP-Vorschlag, die Pflegefinanzierung über die Unfallversicherung abzuwickeln. „Ich glaube, dass der Spielraum in der AUVA kein sehr großer ist“, sagte er. Man wisse aus Deutschland, dass sich eine Pflegeversicherung nicht wirklich bewähre. „Hier glaube ich, ist die Steuerfinanzierung besser.“

Auch die Forderung nach einer Impfpflicht erneuerte Szekeres. Er könne sich vorstellen, Impfungen an die Auszahlung von Sozialleistungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zu knüpfen, bekräftigte er.

 

Thomas Szekeres Präsident Ärztekammer
Ärztekammerpräsident Szekeres hat sich am Sonntag, dem 7. Juli 2019, um 11.05 Uhr den Fragen von Hubert Patterer („Kleine Zeitung“) und Claudia Dannhauser, ORF gestellt. 
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