Jährlich 55 Studienplätze

Ärztemangel: Burgenland will selbst mit Uni-Kooperation ausbilden

Um dem Ärztemangel zu begegnen, wird das Burgenland mit der Danube Private University Krems (DPU) bis 2027 jährlich 55 Medizin-Studienplätze für angehende Mediziner:innen aus dem Burgenland finanzieren. Die Absolvent:innen müssen sich verpflichten, nach dem Studium mindestens fünf Jahre im Burgenland zu arbeiten, gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Dienstag bekannt: „Damit wollen wir den Ärztemangel mittelfristig in den Griff bekommen.“

red/Agenturen

„Wenn der österreichische Steuerzahler das Medizinstudium mitfinanziert, dann hat der Steuerzahler auch ein Anrecht darauf, dass ausgebildete Mediziner auch in Österreich zur Verfügung stehen“, die Bundesregierung schaffe es aber nicht, dies zu regeln, kritisierte Doskozil. Aus burgenländischer Sicht wolle man nicht zuwarten, denn der Ärztemangel werde sich in den nächsten zehn Jahren noch verschärfen: „Wir müssen einen selbstständigen Weg einschlagen.“

Rund 360 Ärzt:innen bis 2027

Das Land werde daher gemeinsam mit der DPU Krems ab Herbst 2022 bis 2027 jährlich 55 Medizin-Studienplätze finanzieren. Mit bereits studierenden Stipendiaten und Burgenländern in Krems bedeute das rund 360 Ärzt:innen bis 2027. Im Vollausbau sind dafür laut Landeshauptmann rund fünf Mio. Euro jährlich vorgesehen. Die Absolventen müssen sich verpflichten, nach dem Studium mindestens fünf Jahre im Burgenland als niedergelassener Arzt auf einer Kassenvertragsstelle oder in einem burgenländischen Spital zu arbeiten.

In etwa drei Jahren soll es einen eigenen Standort der DPU im Burgenland - am FH-Standort in Pinkafeld und somit in der Nähe des neuen Krankenhauses in Oberwart - geben. Dieser werde im Rahmen des FH-Ausbaus errichtet. Jene Studierenden, die in Krems ihre Ausbildung begonnen haben, können dann ins Burgenland wechseln und hier ihr Studium finalisieren, so der Landeshauptmann.

Abfedern kommender Pensionswelle

Die Burgenländische Krankenanstalten GmbH (KRAGES) und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt begrüßten am Dienstag die Ausbildungsinitiative. „Die Maßnahme wird jetzt zum richtigen Zeitpunkt gesetzt, um auch die kommende Pensionswelle in der Ärzteschaft durch mehr Studierende abzufedern“, so Robert Maurer, Spitals-Direktor in der Landeshauptstadt. KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl meinte, es wäre wünschenswert, würden öffentliche Medizinuniversitäten die Zahl der Studienplätze erhöhen und er forderte Maßnahmen auf Bundesebene, damit weniger ausgebildete Ärzte ins Ausland abwandern.

Was die jüngst eingebrachte Verfassungsklage des Landes für verpflichtende Wochenend- und Feiertagsbereitschaften betrifft, bekräftigte Doskozil: „Die öffentliche Hand hat die Aufgabe, die Gesundheitsversorgung in Randzeiten sicherzustellen. Es kann nicht sein, dass die Kurie der Ärztekammer bestimmt, ob ein Wochenenddienst gemacht wird oder nicht.“ Der Landeshauptmann kündigte noch für dieses Halbjahr eine Lösung gemeinsam mit der Österreichischen Gesundheitskasse an, um diese Bereitschaftsdienste abzudecken.

WEITERLESEN: