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Coronavirus

Maske und Mindestabstand in Apotheken bleiben

Die rund 1.400 österreichischen Apotheken haben in den vergangenen Wochen rund um das neue Coronavirus durchgehend Dienst versehen. Plexiglas-Verschalungen und Masken sorgten für mehr Sicherheit. Mund- und Nasenschutz sowie Abstandsregelungen bleiben erhalten, erklärte die Österreichische Apothekerkammer am Dienstag in einer Aussendung. Dies gelte auch bei Ende der Ausgangsbeschränkungen.

red/Agenturen

„Zum Schutz der anderen Kundinnen und Kunden sowie des Apothekenpersonals bitten wir weiterhin um Einhaltung des Mindestabstands von einem Meter zu anderen Personen sowie um das Tragen eines Mund-Nasenschutzes. Nur so können wir gewährleisten, dass die Apotheke auch nach der Lockerung der Corona-Maßnahmen ein Ort der Sicherheit für die Bevölkerung bleibt", wurde Susanne Ergott-Badawi, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer, zitiert.

Die Krise sei noch nicht vorbei. Vorsicht sei weiterhin angesagt, erklärte Susanne Ergott-Badawi: „Das Aufatmen funktioniert auch mit Maske.“

Medikamente sollen mehrmals abgegeben werden

In Österreich sollen Apotheker in Zeiten der Coronakrise ein Medikament nach Vorlage eines Rezepts mehrmals an Patienten abgeben dürfen und damit dem Beispiel anderer Länder folgen. Wie Österreichs Apothekerkammer am Freitag anmerkte, empfehle dies die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem aktuellen Bericht.

Dieser hat Richtlinien zur Eindämmung der Corona-Pandemie in den 36 Mitgliedstaaten zum Gegenstand. Darin explizit angesprochen wird die Möglichkeit für Apotheken, Wiederholungsrezepte zu bedienen. Dabei wird die wiederholte Abgabe einer Dauermedikation nach erstmaliger Verschreibung durch den Arzt verstanden. Das heißt, der Patient kann das vom Arzt ausgestellte Rezept im Laufe eines definierten Zeitraums mehrmals in der Apotheke einlösen, wobei die Apotheke auf die korrekte Anwendung achtet.

Der Patient erspart sich dadurch unnötige Wege, hieß es in einer Aussendung der Apothekerkammer. Er muss den Arzt erst dann wieder aufsuchen, wenn eine ärztliche Kontrolle erforderlich ist oder die Apotheke zum Arztbesuch rät.

Apothekerverband warnt vor Arzneimittelengpässen

Der Österreichische Apothekerverband sieht anhaltend Gefahren für die Arzneimittelversorgung durch Monopolisierung der Wirkstoffproduktion für viele Medikamente in Asien. „Indien verhängte in Krisenzeiten Exportverbote für 26 Arzneistoffe, darunter Paracetamol. Die Gesundheitssysteme in Europa sind in einem alarmierenden Maß von Asien abhängig“, erklärte Verbandspräsident Jürgen Rehak am Mittwoch.

Die Ursachen für Lieferengpässe bei Arzneimitteln seien zwar mehrdimensional, einer der wichtigsten Gründe liege aber in der verlagerten Produktion. „In unserer globalisierten Welt wird der Großteil der Medikamente an wenigen Standorten in China und Indien produziert, die inzwischen schon eine Beinahe-Monopol-Stellung eingenommen haben. Treten daher in einem Land Produktionsprobleme oder gar Lieferstopps auf, wirken sie sich weltweit aus – das spürt man auch in Österreich“, hieß es in der Aussendung.

Hinzu komme, dass Österreich im Arzneimittelsektor ein Niedrigpreisland sei und ein dementsprechend wenig attraktiver Absatzmarkt. Großhandel und Apotheken seien daher mit anfälligen und sensiblen Lieferketten, einer Zentralisierung der Produktion und steigenden Verfügbarkeitsproblemen durch Preissenkungen bei den Medikamenten konfrontiert.

Gesamteuropäische Aufgabe

Rehak dazu: „Um Lieferengpässen entgegenzuwirken, müssen wir auf einen Wiederaufbau der Arzneimittel-Produktion in Europa setzen, um die Abhängigkeit mittel- und langfristig zu reduzieren. Das ist eine gesamteuropäische Aufgabe, und es ist unsere einzige Chance!“.

Der Apothekerverband appelliere deshalb an die Bundesregierung sowie an die großen Pharmafirmen, sich bewusst zu machen, dass man sich hier einer Gefahr aussetze. Auch Antibiotika kämen fast ausschließlich aus Asien und könnten im schlimmsten Fall - wie das Exportverbot von 26 Arzneistoffen aus Indien beweise - mit Ausfuhrverboten belegt werden. „Diese selbst verschuldete Verletzlichkeit der österreichischen und europäischen Gesundheitsversorgung muss strategisch und konsequent repariert werden“, forderte der Präsident des Verbandes der selbstständigen Apotheker.

Tabletten Arzneien Medikamente
40 Prozent der in Europa verkauften Arzneimittel werden nicht in der EU hergestellt.
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