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Coronavirus

Auch Italien startet mit Antikörpertests in großem Stil

Zunächst sollen 150. 000 Menschen getest werden und so die Dunkelziffer der Corona-Infizierten bestimmt werden. Die Studie soll ab dem 4. Mai stattfinden, ab dann wird auch der rigorose Lockdown des schwer betroffenene Landes gelockert. Das geht aus einem Beschluss hervor, den die Regierung in Rom am Wochenende verabschiedet hat. Die Entscheidung sei nach wissenschaftlichen Kriterien gefallen, außerdem bekomme man die Test-Kits kostenlos. Mehrere europäische Ländern, unter anderem Östereich, planen oder führen groß angelegte Antikörpertests durch.

red/Agenturen

Derartige Tests sind wichtig, um herauszufinden, ob jemand bereits mit Corona infiziert war und dagegen Antikörper im Blut gebildet hat. So lässt sich der Kontakt mit dem Virus auch bei Menschen nachweisen, die kaum oder keine Symptome der Covid-19-Krankheit hatten. Sie wissen oft gar nichts von ihrer Infektion.

Für die Untersuchung hätten die italienischen Behörden mit Hilfe statistischer Daten Menschen ausgewählt, die für eine Stichprobe geeignet seien, erläuterte Arcuri. Der italienische Zivilschutz registrierte bisher fast 200 000 Menschen im Land, die bei einem Abstrich positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden waren. Experten gehen allerdings von einer sehr hohen Dunkelziffer von Fällen aus. Die Antikörper-Studie soll nun helfen zu verstehen, wie weit das Virus wirklich in der Bevölkerung verbreitet ist.

Es sind verschiedene Antikörpertests auf dem internationalen Markt. Deren Zuverlässigkeit müsse aber weiter geprüft werden, hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO unlängst erläutert. Qualitativ mangelhafte Tests könnten bei Menschen, die infiziert waren, keine Antikörper anzeigen. Und bei Menschen, die nicht mit dem Virus in Kontakt waren, könnten fälschlicherweise Antikörper angezeigt werden. Grundsätzlich unterstütze die WHO jedoch Tests, die Aufschluss über den Prozentsatz der betroffenen Bevölkerung geben.

Lockdown-Lockerung ab 4. Mai

Der italienische Premier Giuseppe Conte hat am Sonntagabend eine Auflockerung der Vorbeugungsmaßnahmen angekündigt, die Italien gegen das Coronavirus ergriffen hat. So sollen ab dem 4. Mai Industrie und Bauwirtschaft wieder starten. Auch die Zulieferbranche für diese Sektoren soll neu starten.

Menschen werden sich wieder im Rahmen ihrer Heimatregion bewegen können. Sie werden die Region, in der sie leben jedoch nur aus dringenden beruflichen oder sanitären Gründen verlassen dürfen. Restaurants und Imbisse können „Take Away“-Speisen herstellen. Parks und Grünflächen werden wieder geöffnet, allerdings müssen dabei Sicherheitsabstände eingehalten werden. Profisportler können das Training wieder aufnehmen.

Ab 18. Mai soll der Kleinhandel, Museen und Bibliotheken wieder öffnen. Am 1. Juni sollen dann Bars, Restaurants, Friseure und Schönheitssalons ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Die Regierung denkt auch an einen strukturierten Neustart der Badesaison. Schulen sollen jedoch erst im September wieder öffnen.

„Jetzt beginnt die Phase des Zusammenlebens mit dem Virus. Die Epidemiekurve könnte in einigen Regionen wieder wachsen. Dieses Risiko besteht, wir müssen aber diese Gefahr abwenden. Daher ist der Einhalt des Abstands von entscheidender Bedeutung. Wer Italien liebt, muss verhindern, dass die Ansteckung wieder wächst“, sagte Conte. Der Premier stellte auch die Grundlinien eines dritten milliardenschweren Hilfspakets vor. Dieses sieht mehr Hilfen für Unternehmen und Wirtschaftssektoren, die von der Coronavirus-Krise besonders betroffen sind, vor.