Deutschland

Breiter Widerstand beim Thema Freie Arztwahl

Die Forderung von Kassenärzte-Präsident Andreas Gassen nach Einschränkungen bei der freien Arztwahl stößt auf heftige Kritik. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte den Vorstoß in der „Augsburger Allgemeinen“ vom Montag „unverschämt und dreist“. Auch Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen kritisierten die Idee, die Arztwahl durch Sanktionen bei den Tarifen zu begrenzen.

red/Agenturen

Der Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hatte sich am Wochenende für eine Versicherungsreform gegen „Ärzte-Hopping“ ausgesprochen. Wer sich verpflichte, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, sollte von einem günstigeren Kassentarif profitieren, sagte Gassen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Wer dagegen jederzeit zu jedem Arzt gehen möchte, „müsste mehr bezahlen“.

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach warf der Kassenärztlichen Vereinigung daraufhin eigene Versäumnisse vor. Sie versuche, „aus ihrem eigenen Versagen heraus Profit bei den Patienten herauszuschlagen“, sagte Lauterbach unter anderem mit Blick auf lange Wartezeiten bei Ärzten und überlastete Notfallambulanzen.

Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen stieß der Vorschlag Gassens auf Unverständnis. Er halte diesen für „vollkommen verfehlt“, sagte der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, der „Rheinischen Post“. Der freie Arztzugang sei ein „hohes Gut“. Steuerung müsse über Belohnung und nicht über Bestrafung erfolgen, der Vorschlag Gassens sei ein „Irrweg“.

Die Chefin der Techniker Krankenkasse in Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, zeigte sich überzeugt, dass die Idee „im Grunde die Wiedereinführung der Praxisgebühr“ bedeute. Diese sei aber 2013 aus gutem Grund wieder abgeschafft worden, sagte sie dem Blatt. Die Gebühr habe keine steuernde Wirkung entfaltet, „sie hat nur Ärger für Patienten und Ärzte bedeutet“.