Coronavirus

Briten weiter im Lockdown, Franzosen atmen auf

Frankreich, Spanien und Belgien haben ihre Corona-Beschränkungen gelockert. In Frankreich durften die Bürger am Montag erstmals seit acht Wochen ihre Häuser ohne Auflagen verlassen. Auch Geschäfte und viele Schulen öffneten wieder. In Paris gab es bereits in der Früh Andrang in Metro und Vorortzügen. Die Briten müssen auf nennenswerte Lockerungen noch warten.

red/Agenturen

In Spanien darf die Hälfte der 47 Millionen Einwohner in einer ersten Phase der Lockerung unter Abstandsvorkehrungen wieder auf die Straße. In der besonders betroffenen Hauptstadt Madrid sowie in Barcelona bleibt die Ausgangssperre dagegen bestehen. In Belgien öffnen am Montag die Geschäfte wieder. Restaurants, Bars und Cafes bleiben jedoch weiterhin geschlossen.

Die drei Länder hatten wegen der langsamer steigenden Infektions- und Todeszahlen beschlossen, nach fast zwei Monaten einen Schritt in Richtung Normalität zu machen. Spanien und Frankreich gehören zu den am stärksten betroffenen Ländern in Europa. Dort starben nach offiziellen Angaben jeweils mehr als 26.000 Menschen an den Folgen des neuartigen Coronavirus.

Israel lockerte unterdessen die Quarantänebestimmungen für Rückreisende. Nach der Einreise können Israelis statt eines zweiwöchigen Aufenthalts in „Corona-Hotels“ in Heimquarantäne gehen, wie das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in der Nacht auf Montag mitteilte. Wer nicht die Möglichkeit hat, sich zu isolieren, muss weiterhin in Hotel-Quarantäne, allerdings auf Staatskosten.

Die Regierung billigte am Sonntagabend ein Budget von sechs Millionen Schekel (1,5 Millionen Euro), um israelischen Staatsbürgern bei der Rückkehr aus dem Ausland zu helfen. Für Ausländer gilt weiterhin ein Einreiseverbot. Die israelische Regierung entschied am Sonntagabend ferner, Parks wieder für die Öffentlichkeit zu öffnen. Spielplätze bleiben dagegen geschlossen.

Briten bleiben im Lockdown

Das ebenfalls schwer getroffene Großbritannien hat am Sonntag zwar keine Ende, aber zumindest eine vorsichtige Lockerung der Kontaktbeschränkungen in der Coronavirus-Pandemie angekündigt. „Es ist einfach nicht die Zeit, den Lockdown diese Woche zu beenden“, sagte Premierminister Boris Johnson am Sonntagabend in einer Fernsehansprache. Die prinzipiellen Ausgangsbeschränkungen blieben daher noch bis mindestens zum 1. Juni in Kraft.

„Die Zahl der Todesfälle ist tragisch, das Leiden immens“, sagte Johnson. Trotzdem sei es gelungen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Daher könne nun in langsamen Schritten mit Lockerungen begonnen werden. Großbritannien ist von der Coronavirus-Pandemie besonders schwer getroffen, nur in den USA gibt es mehr Todesopfer. Im Vereinigten Königreich wurden bisher mehr als 219.183 Corona-Infektionen nachgewiesen, 31.855 Infizierte starben nach Behördenangaben. Auch Johnson selbst hatte sich mit dem neuartigen Erreger infiziert und musste deshalb mehrere Tage auf der Intensivstation behandelt werden.

Die Menschen werden nun nicht mehr dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben, sondern „wachsam“ zu sein. Wer nicht von zuhause arbeiten könne, solle unter Beachtung der Abstandsregeln wieder zur Arbeit gehen, so Johnson. Von kommendem Mittwoch an seien wieder uneingeschränkt körperliche Betätigungen im Freien erlaubt, solange sie im Kreis des eigenen Haushalts bleiben. Reisen innerhalb Englands, beispielsweise zu Nationalparks oder an die Küste, werden ebenfalls wieder zugelassen.

Frühestens Anfang Juni könnten auch wieder Läden und Schulen schrittweise geöffnet werden. Von Juli an sei womöglich an eine teilweise Öffnung von Restaurants und Betrieben mit Publikumsverkehr zu denken. Johnson stellte zudem ein System von fünf Warnstufen vor, mit denen in Zukunft die Situation in Großbritannien bewertet werden soll. Die Einstufung werde von der Höhe der Übertragungsrate des Virus abhängen, die nun etwas unter eins liege. Weitere Details seines Fahrplans werde er am Montag im Parlament vorstellen, so der konservative Politiker.

USA mit den weitaus meisten Todesopfern

Die Zahl der weltweiten Covid-19-Fälle ist nach Reuters-Berechnungen auf 4,03 Millionen gestiegen. Die Zahl der amtlich mit dem Virus in Verbindung gebrachten Todesfälle steigt auf 277.092. Die Weltbevölkerung beträgt rund 7,75 Milliarden Menschen. Die meisten Infizierten gibt es demnach in den USA (1,32 Millionen), Spanien (240.711), Italien (217.185), Großbritannien (2120), Russland (198.676), Frankreich (174.791) und Deutschland (168.049).

Die meisten Toten gibt es nach amtlichen Angaben in den USA (78.644), gefolgt von Großbritannien (31.855), Italien (30.560), Spanien (26.299) und Frankreich (25.987). In Deutschland gibt es demnach 7.327 Tote, in Österreich lag die Zahl am Sonntag bei 618.

Coronavirus_Daten
5,4 Mio. Infizierte gibt es laut Covid-Map der Johns-Hopkins-Universität derzeit weltweit. Österreich liegt aktuell bei 800 Erkrankten und 16.457 jemals Infizierten.
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