Britische Impfkampagne: Gesundheitsdienst warnt vor Überlastung

Nach der Ausweitung der britischen Covid-Impfkampagne warnt der Gesundheitsdienst NHS vor Überlastung. Der National Health Service (NHS) sei schon jetzt angespannt wie nie zuvor, sagte der Chef des NHS-Dachverbands, Chris Hopson, am Montag dem Sender Sky News. Zu erwarten sei, dass immer mehr mit der Corona-Variante Omikron Infizierte ins Spital müssten. Nun komme die Anforderung hinzu, allen Erwachsenen bis Jahresende eine Auffrischungsimpfung anzubieten, sagte Hopson.

red/Agenturen

Dieses Ziel hatte Premierminister Boris Johnson am Vorabend ausgerufen. Johnsons Aufruf zu „außerordentlichem Einsatz“ des Gesundheitsdiensts komme zu einem Zeitpunkt, da Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits „sehr, sehr erschöpft“ seien, sagte Hopson. „Die Beschäftigten sind besorgt, dass dieser Druck zur Normalität wird und nicht nachhaltig ist.“ Der NHS kündigte an, Termine abzusagen oder zu verschieben, um das Booster-Ziel bis Jahresende zu erreichen. Mehrere Dutzend Militärexperten sollen helfen, die notwendige Logistik bereitzustellen. Bisher haben nach offiziellen Angaben mehr als 40 Prozent der über Zwölfjährigen eine Booster-Impfung erhalten.

Am Sonntag wurden im Vereinigten Königreich 1.239 Omikron-Fälle bestätigt. Die Gesamtzahl sprang damit auf 3.137. Die Regierung geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl rund zehn Mal so hoch liegt. Etwa zehn Omikron-Patienten würden derzeit in Kliniken behandelt, sagte Gesundheitsminister Sajid Javid. Um das Virus einzudämmen, gilt seit Montag eine Pflicht zum Homeoffice, wo es möglich ist.

Omikron-Infektionen breiten sich rasant aus

Die Omikron-Variante des Virus „breitet sich mit phänomenaler Geschwindigkeit aus“, sagte der britische Gesundheitsminister am Montag. „So etwas haben wir noch nie beobachtet“. Die Infektionen verdoppelten sich alle zwei bis drei Tage. Allein in London seien bereits 40 Prozent aller neu positiv getesteter Corona-Fälle darauf zurückzuführen. Allerdings habe es bisher keine Todesfälle in Großbritannien wegen Omikron gegeben und nur zehn Menschen hätten in Kliniken behandelt werden müssen. Womöglich gebe es bei der Variante einen schwächeren Krankheitsverlauf, allerdings helfe dies wegen der schnelleren Verbreitung wenig. „Selbst wenn eine Viruserkrankung mild verläuft, kann ein kleiner Prozentsatz bei einer Vielzahl von Menschen immer noch zu einer hohen Anzahl von Krankenhauseinweisungen führen.“

Als Ende November die ersten Omikron-Infektionen in Großbritannien entdeckt wurden, hatte Premierminister Johnson strengere Maßnahmen eingeführt und seine Landsleute vor einer regelrechten Flutwelle gewarnt. Wenn die Regierung nicht noch strengere Corona-Maßnahmen ergreife, könnten bereits am Ende des Monats eine Million Menschen mit der Omikron-Variante infiziert sein, warnte der Gesundheitsminister. Nötig seien nun schnelle Auffrischungsimpfungen, da gegen Omikron auch die schon zweifach Geimpften nicht immun seien. „Wir sind wieder einmal im Rennen zwischen Impfungen und dem Virus.“ Mit drei Dosen hätten die Menschen nach aktuellem Stand einen guten Schutz gegen Omikron.

Die Omikron-Variante, die im November erstmals in Südafrika und Hongkong entdeckt wurde, tritt nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO inzwischen in fast 60 Ländern auf. Laut britischen Experten gibt es bei der neuen Variante gegenüber dem ursprünglichen Corona-Virus etwa 30 Veränderungen des sogenannten Spike-Proteins, mit dem die Viren in menschliche Zellen gelangen. Die Zahl ist ungewöhnlich hoch. Der Impfstoffhersteller BioNTech/Pfizer hat mitgeteilt, Studien hätten gezeigt, dass ihr Impfstoff nach einer dritten Impfung effektiv gegen Omikron wirkt.

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