Corona-App

Großbritanien und Frankreich setzen auf eigenes App-Modell

Die britische Regierung testet auf einer Insel im Ärmelkanal erstmals eine Corona-Warn-App im Kampf gegen die Pandemie. Gesundheitsminister Matt Hancock bat die Einwohner der Isle of Wight am Montag: „Bleibt zu Hause, installiert die App, schützt den (staatlichen Gesundheitsdienst) NHS und rettet Leben.“

red/Agenturen

Das Projekt startet am Dienstag und soll helfen, den Erreger besser zu verfolgen und einzudämmen. Bei der App geht es darum, mit Hilfe der Bluetooth-Technologie Kontaktpersonen von Infizierten zu warnen. Hancock nannte die App im Hinblick auf den Datenschutz sicher.

Isolierte Isle of Wight als Testgebiet

Die Isle of Wight vor der Südküste Englands hat etwa 140.000 Einwohner. Sie ist zurzeit isoliert, da der reguläre Fährverkehr eingestellt ist. Die Insel sei damit ein ideales Testgebiet, hieß es.

Nach dem Vorbild Südkoreas will Großbritannien mit umfangreichen Tests und der Nachverfolgung von Infektionsketten die Pandemie unter Kontrolle bringen. Das Motto zur Bekämpfung des Erregers lautet „test, track and trace“ - etwa: testen, verfolgen und aufspüren.

Bisher wird die Regierung in London stark kritisiert, viel zu spät auf den Corona-Ausbruch reagiert zu haben. Zudem mangelte es lange Zeit an Tests, Schutzausrüstungen, Beatmungsgeräten, Ärzten, Pflegern und Klinikbetten. Der staatliche Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) gilt als chronisch unterfinanziert und marode.

Landesweit sind nach den offiziellen Statistiken bisher 28.734 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Im europaweiten Vergleich hat nur Italien mehr Todesopfer (29.079) zu beklagen, wie aus den am Montag veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Die Corona-Statistiken der Länder sind aber oft nur schwer miteinander zu vergleichen. Es wird mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet.

Frankreich will eigene Corona-App Anfang Juni fertig haben

Frankreich will seine eigene Corona-Warn-App ab Anfang Juni zum Einsatz bringen. Die „StopCovid"-App, mit welcher der Kontakt von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen nachverfolgt werden soll, solle bis zum 2. Juni fertig sein, sagte der Staatssekretär für Digitales, Cedric O, am Dienstag dem Fernsehsender BFM Business.

Die App werde dabei nicht auf die Schnittstellen der IT-Riesen Google oder Apple zurückgreifen, erklärte O. Es gebe bei den Lösungen der US-Konzerne eine „Reihe von Problemen hinsichtlich des Schutz der Privatsphäre und der Verbindung mit dem Gesundheitssystem“, sagte er.

Ab kommender Woche werde eine Testphase der App unter realen Bedingungen beginnen, kündigte O an. Sie solle dann ab dem 2. Juni einsatzbereit sein, wenn in Frankreich ein zweiter Schritt der Lockerung der Corona-Beschränkungen geplant ist.

Die Corona-Warn-App soll mit Hilfe von Bluetooth-Signalen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind - und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufhielten.

Abseits von Google und Apple

Insbesondere bei den Apple-Smartphones sind die Entwickler einer Corona-App auf die Kooperation mit dem Hersteller angewiesen, da auf dem iPhone keine ständigen Bluetooth-Zugriffe möglich sind, wenn die App nur im Hintergrund läuft. Die Konzerne haben eine technische Lösung als Basis für Corona-Apps für ihre Betriebssysteme entwickelt, auf die Länder aufsetzen können. Mehrere andere Länder wollen diese Plattform nutzen, Frankreich und Großbritannien setzen dennoch bisher auf ein eigenes App-Modell, das auf technische Probleme stoßen könnte. Auch in Österreich ist die „Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes im Umlauf.

Google und Apple sind mit ihren dominierenden Betriebssystemen freilich die einzigen, die Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb der Corona-Apps direkt in die Betriebssysteme der Smartphones integrieren können. So musste Frankreich bereits von ihnen fordern, die aus Datenschutzgründen eingeführten Einschränkungen für den Bluetooth-Einsatz im Hintergrund aufzuheben. Experten warnen, dass ohne Hilfe der Konzerne das Bluetooth-Signal ausgehen oder schneller die Batterie leeren könnte.

Gleich bei den Konzepten ist, dass die Smartphones anonyme Schlüssel austauschen. Wenn ein Nutzer seine Infektion meldet, werden die Inhaber der Schlüssel benachrichtigt, die in seiner Nähe waren. Ein zentraler Unterschied zwischen den Lösungen der US-Konzerne und Frankreich ist, wo der Abgleich der Daten dafür stattfinden soll. Bei Apple und Google soll das nur auf den Smartphones geschehen, die dafür regelmäßig Listen der Schlüssel von infizierten herunterladen. Für dieses Modell sind auch Datenschützer. Beim Konzept der Franzosen dagegen werden die Daten auf einem zentralen Server abgeglichen.

Bildschirm mit Apps
Die EU-Kommission hatte es zunächst vermieden eine zentrale oder dezentrale Speicherung zu empfehlen. Aus technischer Sicht ist es jedoch deutlich einfacher, verschiedene Apps miteinander kompatibel zu machen, wenn sie denselben Ansatz verfolgen.
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