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Corona

Chef des britischen Gesundheitsdiensts: „Im Auge des Sturms"

Der Chef des britischen Gesundheitsdiensts NHS, Simon Stevens, sieht das Land angesichts einer Rekordzahl von Corona-Patienten in einer äußerst schwierigen Lage. „Viele von uns haben Verwandte, Freunde und Kollegen verloren. Und in einer Zeit, in der wir feiern würden, fühlen sich viele Menschen verständlicherweise ängstlich, frustriert und ausgelaugt“, sagte Stevens in einer am Dienstag veröffentlichten Videobotschaft.

red/Agenturen

„Und ausgerechnet jetzt sind wir wieder im Auge des Sturms, der mit einer zweiten Corona-Welle durch Europa und auch durch unser Land fegt“, ergänzte der Gesundheitsmanager. Am Montag hatten die britischen Behörden 41.385 Corona-Neuinfektionen gemeldet - Tagesrekord seit Beginn der Pandemie. Außerdem werden derzeit mehr Corona-Patienten in Krankenhäusern behandelt als zum bisherigen Höhepunkt im Frühling. Die Chefin der Ärztevereinigung Doctors' Association UK, Samantha Batt-Rawden, schrieb auf Twitter, das Pflegepersonal leiste seit Monaten Extra-Arbeit. „Viele haben ihr Weihnachtsfest abgesagt, um sich freiwillig für zusätzliche Schichten zu melden. Aber die Wahrheit ist, dass viele völlig am Ende sind."

NHS-Chef Stevens dankte Pflegern, Ärztinnen und dem gesamten Personal für den Einsatz. Alle hätten Unglaubliches geleistet. „Manchmal bringen die schlimmsten Umstände das Beste in den Menschen zum Vorschein“, sagte er. Stevens betonte, die Hoffnung liege nun auf der Impfung. Großbritannien hat vor drei Wochen mit einer Massenimpfung mit dem Mittel des Mainzer Pharmaunternehmens Biontech und des US-Konzerns Pfizer begonnen. Nun erhalten die ersten ihre zweite Dosis. Stevens sagte, er rechne damit, dass im späten Frühling alle gefährdeten Menschen im Land geimpft sein könnten. „Das ist vielleicht der größte Hoffnungsschimmer für das kommende Jahr."

Erste britische Patientin erhielt zweite Dosis

Vor drei Wochen wurde Margaret Keenan als erster Mensch in Großbritannien gegen das Coronavirus geimpft - nun hat die mittlerweile 91-Jährige die zweite Dosis des Mittels erhalten. Der Großmutter wurde die Spritze am Dienstag in der mittelenglischen Stadt Coventry gesetzt.

Für den vollen Impfschutz sind zwei Dosen pro Person nötig. „Es ist fantastisch zu sehen, dass Margaret Keenan ihre zweite Dosis der Pfizer-Biontech-Corona-Impfung bekommen hat“, twitterte Gesundheitsminister Matt Hancock. „Wir werden es gemeinsam durch diese Pandemie schaffen."

Der Chef des Klinikums, Andy Hardy, sagte, die Pflegekräfte hätten seit der ersten Impfung am 8. Dezember den Kontakt mit „Maggie" Keenan gehalten. „Wir freuen uns, dass Margaret sich zu Hause gut erholt hat“, sagte Hardy. „Es ist wichtig, dass jeder, der kann, sich impfen lässt." Premierminister Boris Johnson hatte zu Weihnachten verkündet, bisher hätten knapp 800.000 Menschen eine Dosis erhalten.

Keenan hatte nach der Impfung vor drei Wochen weltweit Schlagzeilen gemacht. Ihre Landsleute hatte „Maggie" dazu aufgerufen, sich ebenfalls die Impfung verabreichen zu lassen: „Wenn ich sie mit 90 bekommen kann, können Sie es auch." Sie hatte zwischen den beiden Impfungen Geburtstag gefeiert.