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Corona-Cluster in NÖ: Schlachtbetrieb und Freikirche betroffen

Im Fall des Corona-Clusters in einem Schlachtbetrieb in Eggenburg (Bezirk Horn) sind 34 Personen mit dem Coronavirus infiziert worden. Die Zahl der Coronavirus-Fälle im Umfeld der Wiener Neustädter „Pfingstkirche Gemeinde Gottes“ ist am Mittwoch derweil von vier auf neun gestiegen. Auch in Oberösterreich bleibt die Situation angespannt. Gesundheitsminister Rudi Anschober ist angesichts der neuen Entwicklungen „in Sorge“. 

red/Agenturen

„133 Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden sind eine Entwicklung, die mich mit Sorge erfüllt“, so Anschober. „Nach wie vor handelt es sich vorwiegend um regionale Ausbrüche, die regional eingegrenzt werden müssen. Auffallend ist der starke Anteil von Reiserückkehrenden aus dem Westbalkan. Es ist daher völlig richtig, dass Österreich durch verstärkte Grenzkontrollen, Landeverbote und Einreisebeschränkungen auf diese Situation reagiert hat“, bekräftigt der Gesundheitsminister.

„Es war zu erwarten – und Österreich ist dabei kein Einzelfall –, dass es nach den Öffnungsschritten zur Bildung regionaler Cluster kommt. Auch hier muss nun punktgenau differenziert und rasch sowie regional konsequent reagiert werden. Die Kontrolle von Reiserückkehrenden werden wir weiter verstärken“, so Anschober.
Zudem bewähre sich offensichtlich das vor zwei Wochen gestartete Screening-Programm. Durch dieses Screening wurden etwa beim aktuellen Cluster in einem Schlachtbetrieb in Niederösterreich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kurzer Zeit durchgetestet.

34 Infizierte in Eggenburg

Am Mittwoch hatte Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) am Rande einer Pressekonferenz mitgeteilt, dass in einem Schlachtbetrieb in Eggenburg 34 Personen mit dem Coronavirus infiziert und 244 Mitarbeiter des Unternehmens abgesondert worden sind. Dies sei „quasi eine Schließung“, eine behördliche Schließung des Unternehmens liege jedoch nicht vor. 

Eine Präzisierung gab es unterdessen auch zur Entdeckung des Clusters in dem Unternehmen. Ein Mitarbeiter des Schlachtbetriebes habe Symptome gezeigt, sich an die Hotline 1450 gewandt und sei im Anschluss positiv auf das Coronavirus getestet worden. Eine bereits für das Unternehmen geplante Screening-Maßnahme sei schließlich vorgezogen worden und habe die Infektionen bekannt gemacht.

Eigenen Angaben zufolge hat der nunmehr als Corona-Hotspot geltende Schlachtbetrieb in Eggenburg bereits seit März auf verstärkte Hygienemaßnahmen gesetzt. Am Eingang sei eine Schleuse installiert worden, zudem seien Fiebermessungen bei Mitarbeitern durchgeführt und auch dokumentiert worden, hieß es am Mittwoch seitens des Unternehmens. Zur Verwendung angeboten wurde dem Personal demnach unter anderem Desinfektionsmittel, zudem seien die Beschäftigten mit MNS-Masken ausgestattet worden. „Aktuell steht der Betrieb erstmals seit vielen Jahrzehnten still“, betonte das Unternehmen. Von der behördlichen Absonderung betroffen sei ein bunter Querschnitt der Firma, „von Büroangestellten bis hin zur Geschäftsleitung“.

Neun Fälle in Wr. Neustädter Freikirchen-Cluster

Die Zahl der Coronavirus-Fälle im Umfeld der Wiener Neustädter „Pfingstkirche Gemeinde Gottes“ ist derweil am Mittwoch von vier auf neun gestiegen. Der Landessanitätsstab spricht in Bezug auf die Freikirche nunmehr von einem Cluster. Die Testungen von insgesamt 270 abgesonderten Kontaktpersonen waren am Vormittag weiter im Gange, das Land Niederösterreich ist in engem Austausch mit den Bezirksverwaltungsbehörden. Sofort nach Bekanntwerden des ersten Falles sei getestet worden, anschließend seien das Contact-Tracing sowie die Absonderung von 270 Personen erfolgt, sagte die Gesundheitslandesrätin.

Die Betroffenen hätten nun den Auftrag, „Selbstbeobachtungen durchzuführen“. „Ohne Zweifel“ rechnete die Gesundheitslandesrätin „noch mit dem ein oder anderen Positiven unter den 270“. Der Cluster sei jedenfalls „im Moment gut eingefangen, weil die Menschen in Quarantäne gesetzt sind“, befand Königsberger-Ludwig. „Wir glauben, dass sich das Virus durch diese Maßnahmen nicht so weit verbreitet wie zuletzt in Oberösterreich.“

Freikirche schloss alle Gotteshäuser in Österreich

Nach dem Bekanntwerden der Fälle im Umfeld der Freikirche hat die Glaubensgemeinschaft alle Kirchen in Österreich geschlossen. Befristet sei dieser Schritt vorerst bis Monatsende, sagte Ion Paduretu, der Sprecher der Dachorganisation der Pfingstkirchen in Österreich, am Mittwoch zur APA.

Aktuell werden die Gottesdienste online übertragen. „Wir haben am Samstagvormittag von dem Fall in Wiener Neustadt erfahren und sofort die Entscheidung getroffen“, kommentierte der Sprecher die Kirchenschließungen.

Wie auch der ORF Niederösterreich berichtete, zählt die betroffene Freikirche in Wiener Neustadt hierzulande zu den größten Häusern der „Pfingstkirche Gemeinde Gottes“. Paduretu zufolge gibt es 650 erwachsene Mitglieder, zählt man Kinder und Jugendliche mit, gehören etwa 1.300 Menschen der Gemeinschaft an. In ganz Österreich gibt es dem Sprecher zufolge 37 Gemeinden, die bundesweite Gesamtmitgliederzahl bezifferte Paduretu mit 16.200.

Insgesamt gab es in Österreich laut Gesundheitsministerium am Mittwoch rund 1.270 bekannte aktive Coronavirus-Fälle. Rund 520 der Fälle betrafen Oberösterreich, mehr als 400 Fälle zählte die österreichische Hauptstadt Wien. 96 Patienten lagen im Krankenhaus, zehn von ihnen auf der Intensivstation. Seit Beginn der Pandemie starben 710 Menschen in Österreich im Zusammenhang mit Covid-19.

Oberösterreich: Infektionen steigen weiter

In Oberösterreich hat sich die Corona-Situation am Mittwoch nicht weiter entspannt. So registrierte der Krisenstab seit Dienstag 31 neue Infektionen und meldete insgesamt 532 Erkrankte. Der Cluster der Reiserückkehrer umfasst inzwischen 52 Fälle, jener der Freikirchen ist mit 238 Personen leicht gestiegen.

Der Krisenstab hat aktuell ein besonderes Augenmerk auf jene Fälle gelegt, die von Reisenden ausgehen. So sind seit Dienstag sieben neue positiv getestete Heimkehrer gemeldet worden. Vier waren in Kroatien, einer in Mazedonien, einer in Serbien und einer in Deutschland. Seit Mittwoch führt das Land Schwerpunktkontrollen von Bussen mit Arbeitern aus dem Westbalkan durch.

Auch der „Freikirchen“-Cluster ausgehend von Linz ist von 234 auf 238 Personen nach oben gegangen. Allgemein ist in Linz die Zahl der Corona-Kranken wieder angewachsen. Waren es am Dienstag noch 113 Personen, meldete Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) am Mittwoch 129 Erkrankungen, etwa 500 Personen befanden sich vorsorglich in Quarantäne. Zudem rief er Besucher des Freiluft-Lokals „Sandburg“ an der Linzer Donaulände auf, ihren Gesundheitszustand zu beobachten, nachdem am Samstag, 11. Juli, eine inzwischen erkrankte Frau aus dem Bezirk Wels-Land dort Gast war.
 

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Nach dem Bekanntwerden von Covid-19-Fällen im Umfeld der Wiener Neustädter Freikirche laufen die Testungen.
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