COVID-19: Jetzt für den Herbst vorsorgen

Die Zahl der Infizierten explodiere zwar nicht, aber es sei mit einem Anstieg der Zahlen zu rechnen, sobald es kälter werde, so Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Einmal mehr verwies er auf Rekonvaleszentenplasma als eine sichere und seit Jahren bewährte Therapie: „Diese klassische Art der Bekämpfung von Infektionskrankheiten kann entscheidend sein, wenn es zu einer zweiten Infektionswelle kommt.“

red/Agenturen

Schwer Erkrankte erhalten in diesem Fall Plasma von COVID-19-Genesenen. Dieses hilft, das Immunsystem zu stärken und so Komplikationen zu vermeiden und die Krankheit frühzeitig abzuwehren. „Mit einer Plasmaspende wird ein Teil der gebildeten Antikörper entnommen und einem kranken Menschen verabreicht“, erklärte Szekeres.

Die Plasmaabnahme ist vergleichbar mit einer Blutspende, dauert maximal eine Stunde, ist ungefährlich und beeinträchtigt die Immunität der Spender nicht. Das aufbereitete und gereinigte Plasma kann bis zu drei Jahre lang eingefroren werden. „Falls es zu einem Anstieg der Infizierten kommen sollte, gibt es damit eine valide Behandlung, die seit über 100 Jahren erfolgreich angewendet wird“, betonte der ÖÄK-Präsident. 

Studien bestätigen Erfolg

Die Studienlage zur Behandlung mit Rekonvaleszentenplasma ist gut, laufend werden neue Ergebnisse veröffentlicht. So hat eine Studie in Wuhan beispielsweise ergeben, dass auch COVID-19-Patienten mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung von einer Plasmaspende profitieren. Ebenso hat der Transfusionsmediziner Cesare Perotti vom San Matteo Krankenhaus in Pavia erfolgreich auf Plasmaspenden gesetzt: in das größte Krankenhaus der Region seien schwere COVID-19-Fälle aufgenommen werden. Laut seiner aktuellen Studie konnte dort durch Rekonvaleszentenplasma die Sterblichkeit bei COVID-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf um 80 Prozent reduziert werden.

Eine in Kooperation mit dem ORF und dem Roten Kreuz durchgeführte Kampagne der Österreichischen Ärztekammer habe dazu geführt, dass die Zahl der Spender in Österreich gestiegen sei, betonte Szekeres, die Möglichkeiten seien aber nicht ausgeschöpft: „Ursprünglich gab es einige Dutzend Plasmen, nunmehr einige Hundert – aber potentiell könnten einige Tausend Rekonvaleszente spenden“, sagte er und schlägt vor, Plasmaspender mit 100 Euro für den Aufwand abzugelten: „Das ist eine überschaubare Summe in Anbetracht des Nutzens.“

 Von COVID-19-Genesene haben an folgenden Standorten die Möglichkeit, ihr Plasma zu spenden:

  • transfusionsmedizinische Institute der medizinischen Universitäten Wien, Graz, Innsbruck und Salzburg
  • Österreichisches Rotes Kreuz/Blutspendedienst
  • Plasmapherese-Institute
Thomas Szekeres Ärztekammerpräsident
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres ist gegen den Zwang zum Testen in hausärztlichen Ordinationen.
Ärztekammer für Wien/Stefan Seelig