Coronavirus

Das Geschäft mit den Coronatests

Österreich gibt Milliarden für Coronatests aus. Mit zuletzt über einer halben Million PCR-Tests täglich ist Österreich „Test-Weltmeister“. Das Testen kommt die Steuerzahler jedoch mittlerweile deutlich teurer zu stehen als das Impfen. Nutznießer der vielen Tests sind Großlabore wie Lifebrain und Novogenia. Nun steht ein Ende der Gratistests im Raum.

red/Agenturen

Eine Anfrage der NEOS ergab, dass allein das Gesundheitsministerium für 2021 mit 1,6 Mrd. Euro für das Testen rechnete. Für heuer sind 1,3 Mrd. Euro kalkuliert. Nicht enthalten sind da etwa die Schultests. Fürs Impfen beliefen sich die Kosten 2021 auf 0,47 Mrd. Euro, für heuer sind 0,75 Mrd. Euro veranschlagt.

Das Gesundheitsministerium erklärte am Dienstag auf APA-Anfrage, dass seit Pandemiebeginn bis Ende Dezember 2021 rund 1,8 Mrd. Euro an Testkosten ausbezahlt wurden. Die Kosten der betrieblichen Testungen und der Tests an den Schulen seien hier nicht inkludiert, so ein Sprecher. Diese werden von Wirtschafts- und Bildungsministerium abgewickelt.

Das Finanzministerium erklärte am Dienstag auf APA-Anfrage, dass für die Jahre 2020 und 2021 aus dem Bundeshaushalt bisher 2,6 Mrd. Euro für Tests bedeckt wurden. Zum Vergleich: Die Impfstoff-Beschaffung machte im selben Zeitraum rund 340 Mio. Euro aus; nicht enthalten in der Rechnung des Finanzressorts sind allerdings die Kosten für den Betrieb der Impfstraßen.

Seit Beginn der Pandemie wurden rund 97 Millionen PCR- und rund 189 Millionen Antigentests durchführt. In Summe sind das gut 286 Millionen Tests oder 32 Tests pro Einwohner. Die Zahlen umfassen die behördlichen Testungen aus den täglichen Bundesländermeldungen ebenso wie die Tests in Apotheken, Schulen und Betrieben sowie jene im Tourismus. Den 286 Millionen Tests stehen rund 17,9 Millionen verabreichte Impfdosen gegenüber.

Tauernklinikum in Zell am See großer Player

Aktuell wird täglich rund eine halbe Million PCR-Tests ausgewertet, vier von fünf PCR-Tests werden in Wien durchgeführt. Die Bundeshauptstadt hat sein „Alles gurgelt"-Programm groß aufgezogen und seither über 40 Millionen PCR-Tests durchgeführt. Laborpartner ist Lifebrain, die Selbst-Test-Kits und Webseite stammen von Lead Horizon, hinter dem der Innovationsberater Michael Putz und der Virologe Christoph Steininger stehen.

Laut Lifebrain-Chef Michael Havel verrechnet das Labor der Stadt Wien knapp 6 Euro pro Test. Bei täglich 400.000 Gurgeltests macht das einen Tagesumsatz von 2,4 Mio. Euro. Auch in den anderen Bundesländern werden die Kosten pro Test in ähnlicher Höhe veranschlagt. In Salzburg etwa fallen laut einer Landtagsanfrage der SPÖ je nach Poolgröße zwischen 5,45 und 7,53 Euro pro Test an. Die Kosten für einen Antigen-Test bewegen sich in ähnlicher Größenordnung. Unternehmen etwa erhalten für betriebliche Tests einen pauschalen Kostenbeitrag des Bundes von 10 Euro für jeden durchgeführten und gemeldeten Antigen- oder PCR-Test. Ausbezahlt wird das Geld quartalsweise über die Förderstelle aws. Apotheken wiederum bekommen 25 Euro pro Test.

Zweiter großer Player am Markt für PCR-Labortests neben Lifebrain ist das Salzburger Labor Novogenia. Gründer Daniel Wallerstorfer hat das Labor Ende 2021 in München mittels eines stillen Listings an die Börse gebracht und will die Mehrheit abgeben. Lifebrain, von Havel gegründet, gehörte bis vor Kurzem einem Finanzinvestor, der die Laborgruppe 2021 laut „trend“ um 1,2 Mrd. Euro an den französischen Gesundheitskonzern Cerba HealthCare verkaufte. Groß im Geschäft mit Coronatests ist laut „trend“ auch das Tauernklinikum in Zell am See. Der Krankenhausbetreiber, der der Stadtgemeinde Zell am See gehört, gründete gemeinsam mit dem Großlabor Procomcure in Thalgau ein Joint Venture mit drei Laborstandorten in Bergheim, Graz und Innsbruck. In Niederösterreich wiederum stieg die IT-Firma Artichoke Computing GmbH unter dem Namen Covid Fighters in das Geschäft ein.

Die vielen Coronatests werden hinter vorgehaltener Hand auch in der Branche hinterfragt. „Es ist gut gemeint, an jeder Ecke gratis PCR-Tests anzubieten. Aber es wird übertrieben und hat zur niedrigen Impfquote beigetragen“, sagte einer der Großlabor-Betreiber im „trend“.