Corona-Impfung

Deutsche Krebsorganisationen fordern allgemeine Impfpflicht

Die deutschsprachigen Länder gehören zu den wenigen reichen Industriestaaten mit trotzdem geringen Durchimpfungsraten gegen Covid-19. Das beunruhigt Menschen mit dem höchsten Risiko durch eine SARS-CoV-2-Infektion, zum Beispiel Krebspatienten, die oft ein geschwächtes Immunsystem durch die Erkrankung und/oder eine Therapie haben. In Deutschland haben jetzt die Krebsorganisationen mobil gemacht. Ihre Forderung: eine Impfpflicht für die breite Bevölkerung.

red/Agenturen

„Die Notlage in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen wird immer dramatischer. Nicht nur für an Covid-19 erkrankte Personen, sondern für alle Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen wie etwa Krebs“, schrieben die Organisationen jetzt in einer Aussendung.

Die Forderung: „Die Corona Task Force des Deutschen Krebsforschungszentrums, der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft sieht eine allgemeine Impfpflicht zusätzlich zu Kontakteinschränkungen als einzige Möglichkeit, den Kollaps des Gesundheitssystems über den Winter zu verhindern. Die Organisationen appellieren an die Politik, unverzüglich entsprechende Maßnahmen in die Wege zu leiten.“

Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist man einer Impfpflicht lange Zeit besonders skeptisch gegenüber gestanden. In Italien und in Frankreich wurde eine solche beispielsweise vor einigen Jahren bei den Kinderimpfungen eingeführt.

Schnelles Handeln gefordert

Die Informationen aus den deutschen Spitzeneinrichtungen für die medizinische Versorgung von Patienten mit onkologischen Erkrankungen würden den Ernst der Lage dokumentieren, stellten die Experten fest. „In Anbetracht der immer weiter steigenden Corona-Neuinfektionen und der sich stetig füllenden Intensivstationen sehen wir keinen anderen Ausweg aus der Krise: Deutschland muss neben Kontakteinschränkungen eine Corona-Impfpflicht einführen“, so Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Die Politik muss jetzt schnell handeln, um eine weitere Verschärfung der Lage in den kommenden Wochen und Monaten zu verhindern.“

Auch wenn sie noch nicht zu einer Impfung verpflichtet sind, sollten alle, die sich aus nicht-medizinischen Gründen gegen eine Corona-Impfung entschlossen haben, ihre Entscheidung noch einmal dringend überdenken, appellierten die Experten an Skeptiker. „Sie bringen nicht nur sich selbst in große Gefahr, sondern alle Menschen, die dringend medizinisch behandelt werden müssen, unter anderem Krebspatientinnen und -patienten“, warnte Professor Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

 

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