Impfpflicht in Deutschland

Deutscher Gesundheitsexperte fordert Impfpflicht bei Masern

Nach der Kritik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an Impfgegnern kommt von dem deutschen Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ein neuer Vorstoß für eine Impfpflicht in Deutschland. Kinder- und Jugendärzte berichten von durch Impfgegnern verunsicherten Eltern. 

red/Agenturen

„Ich selbst befürworte bei einer so gefährlichen Krankheit wie den Masern eine Impflicht“, sagte Lauterbach der deutschen Zeitung „Die Welt“ vom Montag. Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützte den SPD-Politiker. Lauterbach kündigte an, bei dem deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn für eine neue Diskussion über die Notwendigkeit einer Impfpflicht zu werben. Die bisherigen Kampagnen für eine freiwillige Impfung hätten sich „als nicht hinreichend erwiesen“.

Unterstützung vom deutschen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte

Die WHO hatte Impfgegner zu einer der zehn größten globalen Bedrohungen erklärt, weil vor allem die medizinisch mögliche Ausrottung der Masern durch die in den Industrieländern verbreitete Verweigerung von Impfungen verhindert werde. Impfgegner würden „auf unverantwortliche Art und Weise die Gesundheit sehr vieler Menschen“ aufs Spiel setzen, kritisierte Lauterbach. Die Masern seien eine gefährliche Krankheit und könnten sich weiter ausbreiten, wenn die Impfquoten nicht erhöht würden.

Der deutsche Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte stellte sich hinter Lauterbachs Forderung nach einer Impfpflicht. „Wir Kinder- und Jugendärzte erleben tatsächlich tagtäglich von den Desinformationen der Impfgegner stark verunsicherte Eltern“, berichtete Verbandspräsident Thomas Fischbach. „Dies muss endlich aufhören.“ Nur mit einer gesetzlichen Impfpflicht sei das im Nationalen Aktionsplan ausgegebene Ziel zu erreichen, die Masern bis 2020 in Deutschland dauerhaft auszurotten.

Über eine Impfpflicht wurde in Deutschland bereits wiederholt diskutiert, vor allem nach regionalen schweren Masernausbrüchen. Während Kinderärzte schon länger eine Impfpflicht fordern, steht die deutsche Regierung dem bislang skeptisch gegenüber. Spahn selbst hatte vor einigen Jahren, damals noch als CDU-Gesundheitsexperte, eine Impfpflicht nicht generell abgelehnt.