Sars-CoV-2

Deutschlands Coronakrise laut Spahn „beherschbar" geworden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf einem guten Weg. Es sei gelungen, von einem dynamischen Anstieg der Infektionszahlen zu einem linearen zu kommen. Die Ansteckungsrate mit dem neuartigen Coronavirus ist in Deutschland nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) deutlich gesunken, die sogenannte Reproduktionsrate (R) liegt bei 0,7. Bis Freitagvormittag wurden mehr als 134.400 Infektionen registriert.

red/Agenturen

Mindestens 3.827 mit dem Erreger Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Die Uhrzeit, wann ein neuer Tagesstand gemeldet wird, variiert von Bundesland zu Bundesland. Zudem melden einige der Bundesländer ihre Zahlen jeweils nicht immer zur gleichen Uhrzeit. Mehrere Deutsche starben im Ausland im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts haben in Deutschland rund 81.800 Menschen die Infektion überstanden. Wie für andere Länder rechnen Experten auch in Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Deutschland bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie jedenfalls auf einem guten Weg. Es sei gelungen, von einem dynamischen Anstieg der Infektionszahlen zu einem linearen zu kommen, sagte der Minister am Freitag in Berlin. „Die Infektionszahlen sind deutlich gesunken“. betonte er.

Zu den eingeleiteten Maßnahmen sagte er: „Das war erfolgreich.“ Spahn fügte hinzu: „Der Ausbruch ist Stand heute beherrschbar und beherrschbarer geworden.“

App braucht noch Zeit

Bis die geplante Handy-App als Tool zur Eindämmung des Coronavirus in Deutschland eingesetzt werden kann, dürfte es nach Spahns Angaben aber noch mehrere Wochen dauern. „Das wird entwickelt, mit Hochdruck“, sagte der CDU-Politiker am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. „Aber die Wahrheit ist auch: Damit's wirklich gut ist, braucht es halt eher noch drei bis vier Wochen als noch zwei Wochen.“

Spahn betonte: „Es geht ja darum, dass wir bei der Datensicherheit, beim Datenschutz und auch bei dem dahinterliegenden Konzept natürlich so perfekt wie möglich sein müssen. Das muss den Anforderungen genügen, die wir auch ansonsten an eine solche Technologie stellen.“

Eine solche App ist seit Wochen im Gespräch. Es geht darum, Menschen schnell zu informieren, wenn sie Kontakt zu Infizierten hatten. Die Nutzung soll freiwillig sein. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums hatte am Mittwoch gesagt, die App werde derzeit vom Robert Koch-Institut getestet.

„Es ist ganz ganz wichtig, dass wir wenn jemand positiv getestet ist auf Corona, ganz schnell Kontakte nachverfolgen können der letzten Tage, informieren können und auch bitten können, auffordern können, zu Hause zu bleiben“, sagte Spahn. „Das muss im Moment händisch gemacht werden, per Telefon, durch Aufsuchen durch die Gesundheitsämter. Und eine solche App könnte das natürlich deutlich erleichtern.“

Gute Reproduktionsrate darf nicht einziger Faktor sein

Laut der am Donnerstagabend veröffentlichten Statistik steckt derzeit jeder Infizierte weit weniger als einen weiteren Menschen an, die sogenannte Reproduktionsrate (R) liegt bei 0,7. Zehn Infizierte stecken damit nur sieben weitere Menschen an - was bedeutet, dass die Zahl der täglichen Neuansteckungen zurückgeht.

„Die R-Schätzung ergibt für Anfang März Werte im Bereich von R gleich 3, die danach absinken, und sich etwa seit dem 22. März um R gleich 1 stabilisieren“, hieß es vom RKI. Zum Hintergrund: Steckt ein Mensch mehr als einen weiteren an, liegt der Wert also über 1, nimmt die Zahl der Infektionen zu. Bei einem Wert unter 1 flaut eine Epidemie nach und nach ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Zuge der Ankündigung erster Lockerungen bei Corona-Maßnahmen am Mittwoch deutlich gemacht, dass schon vermeintlich kleine Änderungen der Reproduktionszahl erhebliche Folgen haben können. Zudem rechnen Experten wie für andere Länder auch für Deutschland mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

RKI-Präsident Lothar Wieler hatte zudem gesagt, dass für eine Lockerung der Maßnahmen nicht nur die Reproduktionszahl relevant sei, sondern etwa auch der Anteil immuner Menschen in der Bevölkerung sowie die Kapazitäten des Gesundheitssystems.

Gesundheitspersonal immer stärker betroffen

Eine Betrachtung der Entwicklung nach Altersgruppen zeige, dass die prognostizierte Anzahl von Fällen pro 100 000 Einwohner in der Altersgruppe ab 80 Jahren besonders stark ansteige, hieß es nun vom RKI. „Dies wird sich vermutlich auch in einem stärkeren Anstieg der Anzahl von hospitalisierten Fällen und intensivpflichtigen Fällen zeigen.“

Dass sich das Virus nach dem 18. März stärker auch unter älteren Menschen ausbreitete und zunehmend Ausbrüche in Pflegeheimen und Krankenhäusern zu beobachten sind, ist dem RKI zufolge ein Grund dafür, dass der Rückgang der Neuerkrankungen trotz der gravierenden Maßnahmen nur relativ langsam passiert.

„Ein weiterer Aspekt ist aber auch, dass in Deutschland die Testkapazitäten deutlich erhöht worden sind und durch stärkeres Testen ein insgesamt größerer Teil der Infektionen sichtbar wird.“ Dieser strukturelle Effekt und der dadurch bedingte Anstieg der Meldezahlen könnten dazu führen, dass der aktuelle R-Wert das reale Geschehen etwas überschätze. In den letzten Wochen habe es 1,73 Millionen Tests gegeben. Die Labore in Deutschland könnten mittlerweile 730 000 Tests pro Woche durchführen. 9 Prozent lieferten positive Ergebnisse. Wieler folgerte daraus, dass die Tests gezielter eingesetzt werden könnten.

Die Zahl meim Gesundheitspersonal sei zudem um sechs Prozent gegenüber der Vorwoche gestiegen. Betroffenes Personal in medizinischen Einrichtungen mache inzwischen einen Anteil von fünf Prozent aller gemeldeten Fälle aus. In dieser Woche habe es auch den bislang größten Anstieg bei den Todesfällen gegeben, sagte Wieler. Am Donnerstag seien 315 Tote an das RKI gemeldet worden. Die Todesfälle machten 2,9 Prozent aller bekannten Fälle aus.

WEITERLESEN:
Deutscher Bundesgesundheitsminister
Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits Mitte April betont, es gelte, ab Mai schrittweise in eine „neue Normalität im Klinikbetrieb“ zu kommen.
BMG