Coronavirus 

ECDC arbeitet Länder-Selbstklassifizierungssystem aus

Die EU-Seuchenkontrollbehörde ECDC arbeitet derzeit gemeinsam mit der Weltgesundheitsbehörde (WHO) an einem Selbstklassifizierungssystem, mit dem die Länder der Europäischen Union und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) die Verbreitung des Coronavirus innerhalb der eigenen Grenzen einschätzen können. Dies teilte die Behörde der APA am Dienstag auf Anfrage mit.

red/Agenturen

Die Daten sollen, sobald verfügbar, auf der Webseite der EU-Seuchenkontrollbehörde zugänglich gemacht werden, hieß es. Ein Zeitpunkt für die Veröffentlichung wurde nicht genannt. Aufgabe der ECDC sei es, das Risiko einzuschätzen, so die Behörde. Die EU-Länder entscheiden alleine über unter anderem Reisewarnungen, Maßnahmen zur Erhaltung der öffentlichen Gesundheit und Grenzkontrollen.

Die Datenbank der EU-Seuchenkontrollbehörde kann zu den Überlegungen zur Beendigung der derzeit geltenden Reisebeschränkungen herangezogen werden. Die EU-Kommission drängt dabei auf ein koordiniertes Vorgehen und will zudem Vorschläge machen, wie die Verkehrsverbindungen innerhalb Europas „auch mit Blick auf die Planung des Sommerurlaubsverkehrs“ wieder aufgenommen werden können.

Vor kurzem hat sich eine Diskussion über eine mögliche Grenzöffnung für Urlauber entwickelt. „Die Reisebeschränkungen sollten als erstes zwischen Gebieten gelockert werden, in denen das Virus vergleichsweise wenig in Umlauf ist“, wie die EU-Kommission am Dienstag der APA mitteilte. Diese sollen beendet werden, „sobald die epidemiologische Situation der angrenzenden Regionen ausreichend konvergiert und die Regeln zur sozialen Distanzierung verbreitet und verantwortungsvoll angewandt werden“.

EU-Seuchenkontrollbehörde sieht Höhepunkt der Pandemie in Europa nicht erreicht

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) strebt eine „schrittweise“ Öffnung „mit ständigem Blick auf die Infektionszahlen“ an. Man sei insbesondere in Kontakt mit Ländern, die ähnlich erfolgreich bei der Bekämpfung des Coronavirus seien, wie zum Beispiel Deutschland und Tschechien, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Für kommende Woche ist laut EU-Kommission eine Videokonferenz von Binnenmarktkommissar Thierry Breton mit den EU-Tourismusministern geplant, „um die Bedürfnisse im Hinblick auf die Sommersaison zu bewerten“. Auch die österreichische Tourismusindustrie drängt auf baldige „Klarheit“, was die Grenzöffnungen betrifft.

Aus Sicht der EU-Seuchenkontrollbehörde gibt es trotz der geringeren Infektions- und Todeszahlen in Italien und Österreich keine Anzeichen dafür, dass auf EU- bzw. EWR-Ebene der Höhepunkt der Pandemie erreicht ist. In Belgien, Frankreich, Italien, Malta, Spanien, der Schweiz und Großbritannien liege die Sterberate über dem erwarteten Wert.