Corona

Ein Jahr nach Ausbruch: Zunehmende Infektionen in Bergamo

Ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Epidemie in Italien melden die lombardischen Provinzen Bergamo und Brescia erneut zunehmende Infektionszahlen. So wurden mehrere Kommunen der Provinz Bergamo sowie die ganze Provinz Brescia zur orangen Zone mit strengen Anti-Covid-Vorkehrungen erklärt, teilten die lombardischen Gesundheitsbehörden am Dienstag mit. Bergamo und Brescia waren bei der ersten Epidemie-Welle im März und April die am stärksten betroffenen Provinzen Italiens.

red/Agenturen

Aus Angst vor einer Ausbreitung der Corona-Mutationen soll das öffentliche Leben in Brescia und Bergamo stark eingeschränkt werden. Schulen und Kindergärten werden geschlossen. Bars, Restaurants und die meisten Geschäfte bleiben zu. Die Menschen dürfen nicht mehr im öffentlichen Raum essen oder trinken und sollen ihre Häuser nur noch für notwendige Dinge, wie etwa einkaufen oder Arztbesuche, verlassen. Verboten ist, zu Ferienwohnungen zu fahren. "In Brescia stehen wir vor der dritten Infektionswelle", warnten die Gesundheitsbehörden.

Italien verschärft indes die Anti-Covid-Vorkehrungen in den Grenzgebieten zu Frankreich. In einigen Grenzgemeinden zwischen den ligurischen Badeortschaften Ventimiglia und Sanremo werden von Mittwoch bis zum 5. März strengere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie eingeführt. So will Italien vermeiden, dass die Infektionswelle, die Südfrankreich schwer belastet, sich auf Ligurien ausbreitet.

In den Grenzgemeinden sollen die Schulen geschlossen bleiben. Verboten ist Take-away sowie der Verkauf von alkoholischen Getränken. Außerdem dürfen die Bürger ihre Gemeinden nicht verlassen. "Wir sind der Ansicht, dass zehn Tage mit restriktiven Maßnahmen zur Reduzierung der epidemiologischen Kurve beitragen können", betonte der ligurische Präsident Giovanni Toti laut Medienangaben. Die Regierung plane Stützungsmaßnahmen für die von den Anti-Covid-Vorkehrungen belasteten Betriebe.

Mehr als 95.000 Menschen starben seit Pandemiebeginn mit SARS-CoV-2 in Italien. Die italienische Regierung beschloss am Montag ein Reiseverbot zwischen den Regionen im Inland bis 27. März.

Italien will verstärkt Corona-Impfstoff in eigenen Land produzieren

Italiens neue Regierung will das Impftempo gegen Corona beschleunigen und prüft deshalb die Produktion der Impfstoffe im eigenen Land. Der Präsident des Pharmaverbandes Farmindustria, Massimo Scaccabarozzi, sagte der Zeitung "La Stampa" vom Dienstag, potenziell seien Italiens Firmen in der Lage, die zugelassenen Stoffe ebenfalls herzustellen. Allerdings gebe es dabei vieles zu beachten, und es brauche Monate der Vorbereitung.

Der neue Regierungschef in Rom, Mario Draghi, hatte die Impfkampagne in seiner ersten Regierungserklärung vergangene Woche zu einem Schwerpunkt erklärt. Der Pharma-Präsident ist für Donnerstag zu Gesprächen zum Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Giancarlo Giorgetti, über eine nationale Impfstoff-Produktion eingeladen.

"Selbst wenn wir die notwendigen Bioreaktoren finden würden, würde es 4 bis 6 Monate ab dem Zeitpunkt ihrer Aktivierung dauern, um die Impfstoffe zu erhalten", sagte Scaccabarozzi. Außerdem sei er nicht sicher, ob der Druck auf mehr Dosen dann noch so hoch sein werde wie aktuell. Ein nationaler Plan sei trotzdem sinnvoll, auch "im Hinblick auf andere Epidemien". Die Zeitung "La Repubblica" gab zu bedenken, dass in Italien produzierte Dosen nicht automatisch an die Menschen im Land gespritzt würden, sondern womöglich in Europa weiter verteilt werden müssten.

In Italien mit seinen 60 Millionen Einwohnern wurden bisher rund 3,6 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus gespritzt.