Kommentar

Ein Lob dem neuen Komplementärmedizin-Gesetz

Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer und der Ärztekammer für Wien, über die geplante Änderung im Ärztegesetz.

red/Agenturen

Das neue Gesetz zur Komplementärmedizin, die in ausschließlich ärztliche Hände gehört, halte ich für begrüßenswert. Warum? Dieses Gesetz schließt eine wichtige Lücke, mit der der Kurpfuscherei Einhalt geboten werden kann. Vor dem aktuellen Hintergrund des kürzlich in Tirol freigesprochen „Wunderheilers“, der durch Hände auflegen Krebs heilen will, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Dessen ursprünglich geplante Verwaltungsstrafe wurde kürzlich vom Höchstgericht aufgehoben. Die Begründung: Für den „Arztvorbehalt“ ist maßgeblich, „ob die angewendete Methode ein gewisses Mindestmaß an Rationalität aufweist“. Im Klartext heißt das, je unwissenschaftlicher eine Behandlung ist, desto weniger gesetzliche Handhabe gibt es. Solche Fälle sollen mit dem neuen Gesetz künftig nicht mehr möglich sein.

Der Scharlatanerie Einhalt gebieten

Mit dem Begriff Komplementärmedizin wurde in den vergangenen Jahren viel Schindluder getrieben: Von Wunderheilern bis Esoterikern spannt sich der Bogen. Das hat der Scharlatanerie Tür und Tor geöffnet, ohne dass es vernünftige Sanktionsmöglichkeiten gab.

Nun hat das Gesetz Klartext gesprochen. Im Entwurf, der sich momentan in der Begutachtungsphase befindet, steht als Ergänzung zur Ausübung des Arztberufes: „…einschließlich komplementär- und alternativmedizinischer Heilverfahren…“. Diese Heilmethoden haben eine lange Tradition und basieren auf jahrhundertelang tradiertem Wissen. Ich glaube jedenfalls an ein funktionierendes Nebeneinander von evidenzbasierter Medizin und introspektivem, empathischem Vorgehen.

Beide Felder im Auge behalten

Die „Legitimierung“ der Komplementärmedizin wird dazu führen, dass Kurpfuscherei eingeschränkt wird und dass Patienten ein besseres Sicherheitsgefühl haben werden. Ohnehin wird diese kein Arzt und keine Ärztin aus Jux und Tollerei oder Ablehnung klassischer Diagnostik. Dazu sind wir alle zu wissenschaftlich geprägt. Und das ist auch gut so.

Medizin lebt davon, dass sich Forschungsfelder und Anwendungsgebiete stetig ausweiten. Ohne Erkenntnisse aus der Biologie, der Physik und der Epigenetik wäre moderne Medizin nicht mehr vorstellbar. Allerdings sind Menschen natürlich keine Maschinen, sondern komplexe Wesen, die nicht ausschließlich vernunftgesteuert existieren. 

Deshalb gilt es ganz grundsätzlich, beide Felder im Auge zu behalten und auch die Komplementärmedizin in versierte und kompetente Hände zu legen, nämlich in ärztliche.

 

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Thomas Szekeres Präsident Ärztekammer
Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres verwies darauf, dass nicht nur in den USA, Deutschland oder der Schweiz private Investoren Interesse an Ärztezentren haben, sondern auch in Österreich eine solche Entwicklung zu beobachten sei.
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