EU fürchtet verschärfte Medikamentenknappheit wegen Coronavirus

Die EU-Gesundheitsminister befürchten, dass sich das Problem von Lieferengpässen bei Medikamenten wegen des Coronavirus' verschärfen könnten. Daher fordern sie die EU-Kommission dazu auf, die Situation zu analysieren und mögliche Massnahmen vorzuschlagen. 

red/Agenturen

Aus Kostengründen werden heutzutage viele Medikamentenwirkstoffe ausserhalb Europas hergestellt – vor allem in Indien und China. Dadurch werden jedoch die Lieferketten länger, komplexer, fragmentierter und somit auch störungsanfälliger. Das haben bereits viele Patientinnen und Patienten in Europa zu spüren bekommen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt auf seiner Internetseite: „Versorgungsengpässe mit Medikamenten nehmen weltweit zu, auch in der Schweiz.“

Nun könnte sich das Engpass-Problem nochmals verschärfen. Denn wegen des Coronavirus' wurden Produktionsstätten für Medikamentenwirkstoffe in China geschlossen.

Klarheit in ein paar Wochen

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn warnte daher, Europa müsse darauf gefasst sein, dass es zeitverzögert zusätzliche Probleme bei Medikamentenlieferungen geben werde.

Denn zurzeit seien die Container aus China auf dem Weg nach Europa. „Das heisst, es kommt jetzt noch etwas an“, sagte er am Donnerstag an einem Sondertreffen der EU-Gesundheitsminister in Brüssel. Doch in einigen Wochen dürfte sich der Produktionsstopp in China in Europa bemerkbar machen.

Nun gehe es in erster Linie darum, „die Lage zu analysieren, wie gross das Problem werden kann“, forderte Spahn. Und dann müsse sich die EU überlegen, was es für Lösungsmöglichkeiten gebe.

Europäische Strategie

Gesundheitsminister Rudolf Anschober forderte seinerseits eine klare EU-Strategie: „Wir brauchen so etwas wie eine europäische Strategie für eine eigenständige europäische Medikamentenproduktion.“ Diese müsse wieder gestärkt werden, um Verknappungen für die Zukunft zu „hundert Prozent“ ausschliessen zu können, sagte Anschober weiter.

Unterstützung erhielt Österreich von mehreren anderen Staaten. Die EU müsse es schaffen, die Medikamentenproduktion wieder zurück nach Europa zu bringen, sagte etwa Litauens Gesundheitsminister Aurelijus Veryga.

Doch nicht nur Medikamentenknappheit beschäftigte die Minister. Auch über Engpässe bei Schutzkleidung und Masken zeigten sie sich beunruhigt. Der französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn sagte dazu: „Der Grossteil der Hersteller dieser Ausrüstung sitzt in China und hat nun selbst keine Vorräte mehr.“

Keine Meldungen in der Schweiz

In der Schweiz gibt es aktuell noch keine Meldungen über Medikamentenknappheit. „Bislang gibt es im Rahmen der meldepflichtigen Medikamente keine Hinweise auf Störungen, die mit dem Coronavirus in Zusammenhang gebracht werden können“, schreibt das zuständige Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL).