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EU-Gesundheitsminister wollen Impfskepsis entgegenwirken

Die EU will die Impfstoffversorgung sichern und in Forschung investieren. „Im Vordergrund stehen Maßnahmen, die das Ziel der Erhöhung der Durchimpfungsraten haben", sagte Hartinger-Klein

red/Agenturen

Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hat am Freitag nach dem Rat für Gesundheit erklärt, das Motto der Ratspräsidentschaft, „ein Europa das schützt", sei gerade im Gesundheitsbereich sehr wichtig. Leider gebe es immer noch viele Impfgegner, dabei wären Impfungen ein wichtiges Instrument, um Krankheiten zu vermeiden, betonte sie. Die Kommission präsentierte entsprechende Empfehlungen.

So gebe es derzeit „einen beispiellosen Masernausbruch, 2017 erkrankten europaweit ca. 14.000 Personen. Im Zeitraum Oktober 2017 bis September 2018 verstarben mindestens 37 Personen an Masern - Todesfälle, die durch Impfung vermeidbar gewesen wären", sagte Hartinger-Klein. In Österreich seien heuer bis Ende November bereits 75 Fälle von Masern registriert worden und in den ersten drei Quartalen des Jahres 2018 seien sogar 1.427 Fälle von Keuchhusten gemeldet worden.

Kampf gegen Desinformation

Daher habe sich der Rat angesehen, wie in der Praxis der digitalen Welt die Impfskepsis bekämpft werden könne, sagte die Gesundheitsministerin. „Im Vordergrund stehen Maßnahmen, die das Ziel der Erhöhung der Durchimpfungsraten haben", sagte Hartinger-Klein. Das Ziel seien 95 Prozent. Zudem soll die Impfversorgung optimiert, elektronische Impfregister ausgebaut und die Forschung stärker gefördert werden, so die Ressortchefin.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis erklärte, „es ist in unserer Verantwortung, dass alle Kinder Zugang zu lebensrettenden Impfungen haben, egal wo sie leben“. „Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Kinder in Gefahr geraten." Daher sei es absolut nicht zulässig, dass Kinder in der EU heute noch an Masern sterben. Eine große Herausforderung sei hier der Kampf gegen Desinformation, betonte der EU-Kommissar. Vertrauen zu zerstören ginge schnell, allerdings "braucht es lange Zeit, um Vertrauen wieder aufzubauen".

Dazu solle ein Impfstoffregister installiert werden, wo die entsprechenden Impfstoffe registriert seien, so Hartinger-Klein. Das Ziel sei es, „die Impfstoffe gemeinsam auszuschreiben und der Bevölkerung entsprechend zur Verfügung zu stellen“. Für die Durchimpfungsrate sei es wichtig, dass wie in Österreich, wo dies ab 2020 geschehe, ein E-Impfpass installiert werde.

Mehr Aufklärung, keine Impfverpflichtungen

Es gelte aber auch die „Gesundheitsberufe zu motivieren, den Menschen mehr Informationen und Aufmerksamkeit zu geben“, betonte die Gesundheitsministerin. In Österreich würden auf freiwilliger Basis im Gesundheitsbereich tätige Personen schon flächendeckend geimpft werden. Hierzulande gebe es „etwa vier Prozent Impfgegner, Impfskeptiker 13 Prozent. Hier gilt es wirklich Aufklärung zu betreiben“.

Polio und Kinderlähmung seien durch entsprechende Impfungen schon ausgerottet worden, sagte Hartinger-Klein. Jetzt gelte es dies bei anderen Krankheiten, wie etwa Masern, auch zu erreichen. „Aufgrund der Mobilität, die wir haben auf der Welt und natürlich auch in Europa, ist die Gefahr, dass Krankheiten wieder auftauchen, sehr sehr groß“, so die Gesundheitsministerin. Deshalb sei es wichtig der „leider vorhandenen Impfskepsis“ entgegenzuwirken.

Impfverpflichtungen, wie in einigen Ländern, solle es aber keine geben. Hier seien vor allem die Gesundheitsdienstleister gefragt, so Hartinger-Klein. Einen Engpass an Impfstoffen aufgrund des Brexits schloss Hartinger-Klein aus. „Hier sind wir entsprechend vorbereitet.“

Impfung
Bisher wurden heuer hierzulande 58 Masern-Fälle gemeldet.
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