Coronavirus

EU-Krisentreffen zu Virus-Mutation ohne konkrete Ergebnisse

Ein Krisentreffen der EU-Staaten zu der in Großbritannien entdeckten Variante des Coronavirus ist ohne konkrete Ergebnisse geblieben. Nach der mehrstündigen Sitzung hieß es am Montag aus EU-Kreisen, die Teilnehmer hätten Informationen über die bislang verhängten nationalen Maßnahmen ausgetauscht. Dabei sei es vor allem um den Transport etwa von Passagieren und Fracht aus Großbritannien gegangen. Über Wirksamkeit des Impfstoffes bei der Mutation erwartet der Chef der Impfkommission des RKI im Jänner Klarheit.

red/Agenturen

Mit Blick auf Verbindungen mit Großbritannien hätten Teilnehmer Unterstützung für ein schnelles und koordiniertes Handeln auf EU-Ebene ausgedrückt. Man habe die EU-Kommission dazu aufgefordert, Leitlinien dazu vorzulegen. Zudem hätten EU-Staaten betont, wie wichtig es sei, die Grenzen im Schengenraum offenzuhalten. Auch die Rückführung von Menschen, die aus Großbritannien in andere EU-Staaten zurückkehren wollten, sei Thema gewesen.

Grund für das Krisentreffen war eine kürzlich entdeckte Mutation des Coronavirus in Großbritannien, die womöglich deutlich ansteckender sein könnte als die bisher bekannte Form. Etliche EU-Staaten - unter ihnen auch Deutschland – haben den Flugverkehr nach Großbritannien bereits einstellt oder Grenzschließungen verhängt.

Deutschland, das derzeit turnusgemäß den Vorsitz der EU-Staaten innehat, hatte das Krisentreffen am Montag angesetzt. Bereits am Sonntag hatten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel die Lage in einem Telefonat erörtert.

Zu Beginn der Corona-Krise hatten etliche Länder ohne Absprache mit den anderen Staaten Grenzkontrollen eingeführt oder die Grenzen geschlossen. Dies führte teils zu Megastaus und zu Verzögerungen im Warenverkehr. Daraufhin gelobten die EU-Staaten engere Koordination.

Chef der Impfkommission erwartet baldige Klarheit über Wirksamkeit bei Mutation

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (Deutschland) erwartet frühestens für Januar Aufschluss über die Frage, ob der Biontech-Impfstoff auch gegen die in Großbritannien verbreitete Mutation des Coronavirus wirksam ist. „Mit den vorliegenden Daten lässt sich noch nicht abschließend beurteilen, ob der Biontech-Impfstoff genauso gut gegen die mutierte Virusvariante wirkt wie bei den bisher bekannten Varianten“, sagte der Virologe Thomas Mertens am Montag den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Bisherige Analysen des Genoms der neuen Virusmutante ließen allerdings vermuten, dass der Impfstoff weiter wirksam bleibe, sagte Mertens. Eine erste Prüfung der Antikörper-Wirksamkeit im Labor werde „voraussichtlich drei bis vier Wochen dauern“. Bei dieser Prüfung gehe es darum zu schauen, ob der vorliegende Impfstoff Antikörper hervorrufe, die gegen die neue Variante genauso wirksam sind.

Sollte sich zeigen, dass der Impfstoff bei der neuen Mutante weniger wirksam sei, wäre es technisch nicht allzu schwer, den Impfstoff anzupassen, erläuterte Mertens. „Da es sich um einen mRNA-Impfstoff handelt, sind solche Veränderungen im Prinzip kein Problem.“ Schwieriger sei es aber, dann kurzfristig genügend Impfdosen herzustellen: „Möglicherweise müsste ein veränderter Impfstoff noch einmal neu in kleineren Studien getestet werden.“

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson hatte am Wochenende erklärt, die in Südostengland aufgetretene Mutation sei „bis zu 70 Prozent ansteckender“ als die Ursprungsvariante des Coronavirus. Inzwischen wurde die Mutation in weiteren Ländern nachgewiesen.

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery meldete Zweifel an Johnsons Aussage an, wonach die neue Corona-Variante bis zu 70 Prozent ansteckender sei. „Man sollte alle Angaben von Herr Johnson mit außerordentlicher Vorsicht behandeln“, sagte Montgomery dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Dienstagsausgaben). „Wenn die Aussage dennoch stimmen sollte, bedeutet sie auch nur, dass unsere Schutzmaßnahmen um 70 Prozent wichtiger werden.“