Europäisches Parlament

Europäisches Parlament schlägt Leitlinien zur Krebsbekämpfung vor

Jedes Jahr erkranken im Schnitt 2,7 Millionen Menschen in Europa an Krebs, ungefähr 1,3 Millionen sterben daran. Das Europäische Parlament will daher am Mittwoch Leitlinien zur Bekämpfung von Krebs in der EU vorschlagen und den Abschlussbericht des Sonderausschusses zur Bekämpfung von Krebs verabschieden. Österreichs EU-Abgeordnete begrüßen die Maßnahmen im Großen und Ganzen.

red/Agenturen

So fordert der ÖVP-EU-Mandatar Christian Sagartz „mehr Ressourcen für den Kampf gegen den Krebs, mehr Aufklärung der Bevölkerung und mehr Eigenverantwortung". Dabei müsse man aber mit Maß und Ziel vorgehen, sagt Sagartz, der wie er im Journalistengespräch erzählte, vor 18 Jahren selbst an Krebs erkrankt war. „Ich bin daher klar gegen einschneidende Verbote oder überschießende Auflagen, wie zum Beispiel Krebswarnbilder auf Weinflaschen. So etwas hat auf einer Weinflasche nichts zu suchen“, betonte Sagartz, der für die ÖVP im entsprechenden Ausschuss saß. Zudem könne Vorsorge einen wesentlichen Beitrag leisten. „Im Idealfall können 40 Prozent aller Krebserkrankungen vermieden werden, wenn wir sie rechtzeitig abfangen."

Der SPÖ-EU-Abgeordnete Günther Sidl erinnerte daran, dass es allein in Österreich über 40.000 Krebsfälle pro Jahr gebe. „Wir müssen einen umfassenden Ansatz entwickeln und dabei alle Maßnahmen, die zu einer Verbesserung der Situation beitragen könnten, berücksichtigen“, fordert Sidl, der für die SPÖ im Sonderausschuss saß. „Die Chance, eine Krebskrankheit erfolgreich zu bekämpfen, darf nie, und schon gar nicht in der EU, davon abhängen, in welchem Land man lebt und behandelt wird. Tatsächlich variieren die Überlebenschancen bei einer Krebserkrankung zwischen den einzelnen EU-Mitgliedstaaten um mehr als 25 Prozent. Chancengleichheit gilt besonders im Gesundheitsbereich“, so der SPÖ-Politiker.

Kriitk an Alkohol-Lobby

FPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament Harald Vilimsky findet den „Kampf gegen Krebs“ prinzipiell „nicht falsch". Kritik äußerte er an den Überlegungen, „nach dem Muster von Zigarettenpackungen nun auch Warnhinweise auf Wein- oder Bierflaschen anbringen zu lassen". Dies offenbare den schier grenzenlos gewordenen Erziehungs-Autoritarismus Brüssels“, so Vilimsky. Zum einen sei dies „eine zentralistische Kompetenzanmaßung“ der EU, da Gesundheitsfragen bei den Mitgliedsstaaten liegen, zum anderen spiele „die Eigenverantwortung keine Rolle mehr“, so Vilimsky. „Wir brauchen weder das eine noch das andere."

Die Grüne-EU-Abgeordnete Sarah Wiener kritisierte, „dass es eine Alkohol-Lobby gibt, die jetzt sagt, obwohl es eine Korrelation von Krebs und Alkohol gibt, wir müssen den maßvollen Konsum von Alkohol verstärken und die Qualitätsprodukte fördern". Es sei unfassbar, dass Alkohol nur als wirtschaftliches Instrument gesehen werde und die Krankheiten beiseitegeschoben würden, so Wiener.

Die NEOS-EU-Abgeordnete Claudia Gamon sprach sich im Kampf gegen Krebs für mehr Mittel in der Forschung aus. Die vergangenen zwei Jahre der Corona-Pandemie hätten gezeigt, „was möglich ist, wenn man Geld in die Forschung“ steckt und „weltweit noch stärker zusammenarbeitet". So habe man bei der mRNA-Forschung mehrere Jahre überspringen können. „Europa hinkt bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung aber weit hinterher“, so Gamon. So würden die USA 600 Mrd. Dollar in Forschung und Entwicklung investieren, China 500 Mrd., die EU hingegen nur 400 Milliarden. „Wir haben eigentlich das Ziel, drei Prozent des BIP auszugeben für Forschung und Entwicklung, sind aber mit 2,1 Prozent ziemlich weit entfernt davon."