Coronavirus

Experten: „Vorbeugungsmaßnahmen in Italien greifen“

Der Präsident von Italiens Oberstem Gesundheitsinstitut ISS, Silvio Brusaferro, ist der Ansicht, dass die ergriffenen Maßnahmen zur Eingrenzung des Coronavirus im Land positive Resultate zeigen. Sowohl die Zahl der Neuinfizierten, als auch jene der Todesopfer sei in ganz Italien rückgängig, sagte der Experte bei einer Pressekonferenz am Montag in Rom.

red/Agenturen

Jetzt heiße es, weiterhin umsichtig zu handeln, um einen neuen Zuwachs bei den Infizierten zu verhindern, denn das Virus sei weiterhin im Land präsent. „Solange die Epidemiephase nicht zu Ende ist, können wir nur schrittweise Maßnahmen ergreifen, die uns die Rückkehr zu einem normalen Leben ermöglichen. Wir müssen jedoch weiterhin Abstand halten, Masken tragen und stark auf Hygiene setzen“, sagte Brusaferro.

Italiens Premier besuchte die Lombardei

Indes hat Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte am Montagabend erstmals seit Beginn der Coronavirus-Epidemie die Lombardei besucht, die am stärksten betroffene italienische Region. So führte er Gespräche in der Mailänder Präfektur, danach reiste er nach Bergamo und Brescia, wo besonders viele infizierte Menschen starben.

Conte hatte seit dem Ausbruch der Epidemie in Italien am 20. Februar noch nie die Lombardei besucht. „Meine Anwesenheit hier wäre nur ein Hindernis in der akutesten Phase des sanitären Notstands gewesen“, erklärte der parteilose Regierungschef. Er rief die Italiener auf, sich auch in der am 4. Mai beginnenden „Phase 2“ mit einer leichten Lockerung der Ausgangssperre an die Vorsichtsmaßnahmen zu halten. „Wir dürfen nicht die Opfer dieser Monate zunichtemachen“, mahnte der Premier.

Regierung feilt an Plan für Kinder

Conte traf in Mailand den lombardischen Regionalpräsidenten Attilio Fontana. Dieser rief die Regierung auf, nicht zu lang mit dem Neustart wirtschaftlicher Aktivitäten zu warten. Die Gefahr sei ansonsten, dass ganze Wirtschaftsbereiche nicht wieder starten können. Mehrere Wirtschaftssektoren hatten zuletzt Unmut wegen des schleppenden Neubeginns der Produktion geäußert.

Die Regierung Conte feilt an einem groß angelegten Plan für Kinder, die bis zum September nicht mehr die Schulen besuchen können. So sollen berufstätigen Eltern Voucher für Babysitter und zusätzliche Urlaubstage gewährt werden. Schulen, Kindergärten und Universitäten sind seit dem 5. März geschlossen.

Italien hebt ab dem 4. Mai eine Reihe von Beschränkungen auf, allerdings in geringerem Ausmaß, als es sich die Italiener erhofft hatten. So erlaubt die Regierung etwa wieder mehr Sport im Freien und mehr Bewegungsmöglichkeiten in der eigenen Region. Auch die Wirtschaft soll in mehreren Etappen starten. Italiens Schulen bleiben aber bis zu den Sommerferien geschlossen, sie öffnen erst im September mit dem neuen Schuljahr wieder.

Keine Messen in Italien, Premier sucht nach Lösungen

Utl.: Religiöse Gemeinschaften protestieren wegen Gottesdiensten unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Nach dem Protest des italienischen Episkopats gegen den Beschluss der Regierung in der Coronakrise, auch in der am 4. Mai beginnenden „Phase 2“ der Lockerungen keine öffentlichen Gottesdienste zu erlauben, hat Conte Dialogbereitschaft signalisiert: „Wir werden ein System erarbeiten, um Gläubigen die Beteiligung an Gottesdiensten in voller Sicherheit zu erlauben.“

Der Premier erklärte weiter, er sei in Kontakt mit dem Leiter der Italienischen Bischofskonferenz, Gualtiero Bassetti. „Es gibt keine materialistische Einstellung seitens der Regierung und keinen Mangel an Sensibilität“, versicherte Conte. Er nahm Bezug auf Hinweise des wissenschaftlichen Komitees, das die Regierung in Sachen Coronavirus berät und das zu Vorsicht in Sachen Gottesdienste aufgerufen habe, denn es sollten Menschenansammlungen vermieden werden.

Nicht nur das italienische Episkopat, auch die evangelische Kirche und die muslimische Gemeinschaft in Italien hatten der Regierung „Mangel an Sensibilität“ vorgeworfen, da religiöse Zeremonien mit Gläubigen auch in „Phase 2“ verboten seien. Die jüdische Gemeinschaft in Italien rief die Regierung auf, die „spirituellen Bedürfnisse der religiösen Gruppen im Land“ nicht zu vernachlässigen.

Auch Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi forderte die Wiederaufnahme gemeinschaftlicher Gottesdienste. Wenn aus Sicht der Regierung die Coronavirus-Lage jetzt die Wiederaufnahme vieler beruflicher Tätigkeiten erlaube, sei es „unvernünftig und geradezu unnötig diskriminierend“, religiöse Zeremonien weiterhin zu untersagen, erklärte der Parteichef der oppositionellen Forza Italia. Religionsfreiheit gehöre fundamental zu einem liberalen Staat, betonte Berlusconi.

Zur „Phase 2“ äußerte sich am Dienstag auch der Papst bei seiner gestreamten Frühmesse. Während die Ausgangssperre gelockert werde, sei „Umsicht und Gehorsam“ notwendig. Man müsse sich streng an die Vorschriften halten, um ein Wiederaufflammen der Pandemie zu vermeiden, sagte der Heilige Vater bei der Messe im Gästehaus Santa Marta im Vatikan.

Berlusconis Mediaset zahlt Journalisten Bonus

Die Mailänder TV-Gruppe Mediaset im Besitz von Berlusconi hat die Zahlung einer Prämie an die rund tausend Journalisten, Kameraleute und Techniker angekündigt, die in den vergangenen Monaten eine kontinuierliche Berichterstattung zum Thema Coronavirus-Epidemie gewährleistet haben.

Personal, das wegen Reduzierungen der TV-Programme kürzer arbeitet, wird dennoch das normale Gehalt beziehen. Die Gehälter der Manager werden gekürzt, teilte die börsennotierte Gesellschaft mit. Das Unternehmen sei bemüht, die gesundheitliche Sicherheit der Mitarbeiter und die Gehälter zu garantieren, obwohl der Konzern schwere Rückgänge bei den Werbeeinnahmen erlitten hat.

Mediaset hat vergangene Woche seine Beteiligung am deutschen Medienunternehmen ProSiebenSat.1 aufgestockt. Der Medienkonzern erhöhe seinen Anteil um 4,1 Prozent auf 24,9 Prozent. Mediaset schwebt ein europäischer Fernsehkonzern mit ProSiebenSat.1 vor - eine Idee, gegen die sich der vor kurzem geschasste Vorstandschef Conze immer gesträubt hatte.

Italien registrierte seit Februar fast 27.000 Corona-Tote. Insgesamt zählte der Zivilschutz rund 200.000 Menschen, die sich mit dem SARS-CoV-2-Erreger infiziert haben - es gibt aber eine hohe Dunkelziffer. Nach Wochen des steilen Anstiegs der Zahlen gab es dennoch zuletzt positive Signale. So entspannte sich die Lage in den lange überfüllt gewesenen Krankenhäusern.

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