Coronavirus-Impfpflicht

Fachärztekritik an Ausnahmen für bestimmte Patient:innen

Mehrere Fachärzte-Gesellschaften kritisieren bestimmte Ausnahmen von der Corona-Impfpflicht. „Die neue Impfpflicht-Verordnung widerspricht gängigen Empfehlungen für unsere Patient:innen", kritisieren Experten der Nephrologie, Rheumatologie, Gastroenterologie und Transplantationsmedizin in einem offenen Brief an Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Die Ausnahmegründe seien „aus ärztlicher und wissenschaftlicher Sicht in keinster Weise nachvollziehbar".

red/Agenturen

„Aus verlässlichen Studien wissen wir, dass das Risiko für einen schweren Verlauf bzw. an einer Covid-Infektionen zu versterben für unsere Patient:innen, wenn sie ungeimpft sind, deutlich höher ist als für andere Personen", warnten die Mediziner. Nun seien in der Verordnung zum Impfpflichtgesetz aber genau diese Patienten von der Impfpflicht ausgenommen. „Diese Verordnung steht in krassem Gegensatz zu den Impfempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, das die Impfung in diesen Patientengruppen empfiehlt und hoch priorisiert", wird betont. Patienten seien nun verunsichert.

„Wir appellieren deswegen an die gesundheitspolitisch Verantwortlichen, diese Verunsicherung auszuräumen", fordern die Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN), die Gesellschaft für Rheumatologie und Rehabilitation (ÖGR), die Rheumaliga, Austrotransplant und die Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH). Patienten mit einer entzündlich rheumatischen, gastrointestinalen oder nephrologischen Erkrankung bzw. vor oder nach einer Transplantation sollten sich „impfen und auch boostern lassen", so die Empfehlung.

Auch die Leiter der drei Abteilungen für Rheumatologie an den Medizinischen Universitäten Graz, Innsbruck und Wien regierten in einer eigenen Stellungnahme „mit Befremden“ auf die Ausnahmen von der Covid-19-Impfpflicht. Die Mediziner:innen boten ihre Mithilfe bei einer Überarbeitung der Passage an.

Ausnahmen aus medizinischen Gründen

Grundsätzlich gilt die Impfpflicht für Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Österreich. Doch es gibt zahlreiche Ausnahmen, viele davon aufgrund von Vorerkrankungen. Menschen, die mit der Impfung ihre Gesundheit gefährden würden, sind ausgenommen - das ist bei Allergien oder Überempfindlichkeiten gegen einzelne Inhaltsstoffe der Impfstoffe oder bei einem akuten Schub einer schweren inflammatorischen Erkrankung oder Autoimmunerkrankung der Fall. Auch Personen, bei denen eine Corona-Infektion oder eine akute, schwere, fieberhafte Erkrankung bzw. Infektion vorliegt, multimorbide Personen und jene, die an vermuteten schwerwiegenden Impfnebenwirkungen leiden, unterliegen nicht der Impfpflicht.

Kann man bei Menschen aus medizinischen Gründen keine ausreichende Immunantwort auf die Impfung erwarten, sind sie ebenfalls von der Impfpflicht ausgenommen. Solche medizinischen Gründe sind eine Knochenmark- oder Stammzelltransplantation, eine Organtransplantation, eine dauernde Kortisontherapie, eine Immunsuppression oder Therapie mit bestimmten Medikamenten, eine aktive Krebserkrankung, die innerhalb der letzten sechs Monate mit einer Chemo-, Biologika- oder Strahlentherapie behandelt wurde - bei einer metastasierenden Krebserkrankung auch ohne laufende Therapie - und sonstige Zustände, die zu einer vergleichbaren immunologischen Lage führen.

Schwangere bleiben von der Impfpflicht ausgenommen. Für 180 Tage nach der Probenahme entfällt sie außerdem für Personen, die eine bestätigte Covid-Infektion überstanden haben. Die Dauer des Vorliegens eines Ausnahmegrundes wird nicht in die Impfintervalle eingerechnet.

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Personen können aus den unterschiedlichsten medizinischen Gründen von der Impfpflicht ausgenommen sein.
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