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Spitalsärzte

Gewalt gegen Ärzte und Pflegepersonal steigt

Als „außerordentlichen Einzelfall“ und einen „gezielten Gewaltakt“ gegen den betroffenen Arzt hat die Wiener Ärztekammer die Bluttat im Wiener SMZ Süd bezeichnet. Grundsätzlich ist aber die Gewalt in Spitälern, der Ärzte und Pflegepersonal ausgesetzt sind, weiter im Steigen begriffen, gab die Ärztekammer am Mittwoch zu bedenken. Sie forderte aufgrund dessen 300 zusätzliche Spitalsärzte.

red/Agenturen

Wolfgang Weismüller, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, appellierte an den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV), nun „raschest“ zu reagieren. „Es ist absolut essenziell, dass die Sicherheit von Ärztinnen und Ärzten sowie Patienten gleichermaßen sichergestellt wird“, betonte Weismüller in einer Presseaussendung.

Wie Alexandros Stavrou, Sprecher der Wiener Ärztekammer, im Gespräch mit der APA erklärte, liegen der Ärztekammer zahlreiche Berichte über Gewalttätigkeiten in Spitälern, Ambulanzen oder Arztpraxen vor. Zu diesem Thema läuft derzeit auch eine Umfrage unter der Ärzteschaft. Die Ergebnisse und ein Forderungspaket will die Ärztekammer spätestens im August präsentieren. Die Kombination aus einem Mehr an Patienten und immer weniger Ärzten stelle jedenfalls ein beträchtliches Konfliktpotenzial dar, meinte Stavrou. Die damit einhergehenden längeren Wartezeiten würden zu Aggressionen führen, die mitunter „in Schlägereien, Reibereien“ münden.

Um die langen Wartezeiten in den Ambulanzen abzukürzen, forderte Ärztekammer-Vize Weismüller 300 zusätzliche Spitalsfachärzte. Nur damit wäre die Situation zu entschärfen und mehr Zeit für die Behandlung der Patienten möglich. Außerdem regte Weismüller eine Strafverschärfung in Fällen von Gewalt gegen Ärzte und Pflegepersonal an. Diese sollten in dieser Hinsicht Polizeibeamten gleichgestellt werden: „Aus Sicht der Standesvertretung sollte strafgesetzlich eine Gewalthandlung gegen einen Arzt jedenfalls immer eine schwere Körperverletzung sein.“

300 zusätzliche Spitalsfachärzte gefordert

Unterdessen zeigte sich der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) von der Gewalttat im Wiener SMZ Süd erschüttert. „Das Allerwichtigste ist, dass die Operation des verletzten Arztes gut verlaufen ist und die Genesung rasch und vollständig erfolgt“, bekräftigte Hacker in einer Aussendung. Er danke den Mitarbeitern des Krankenhauses, „die dem Opfer der Attacke rasch Hilfe leisteten und sofort lebensrettende Maßnahmen setzten“, so Hacker.

Kritik am KAV kam von der Wiener ÖVP und der Wiener FPÖ. Der geschäftsführende Wiener FPÖ-Landesparteiobmann und Vizebürgermeister Dominik Nepp sowie ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec bemängelten das Fehlen eines Sicherheitskonzepts beim KAV, das der Wiener Stadtrechnungshof bereits 2015 empfohlen habe. „Auf dieses warten wir bis heute vergeblich“, meinte Korosec in einer Presseaussendung. Ärzte und Pfleger würden seit längerem über untragbare Zustände in Wiens Krankenhäusern klagen. Gesundheitsstadtrat Hacker habe die Beobachtungen von Ärzte- und Pflegepersonal bisher zu wenig ernst genommen und „die Problematik heruntergespielt“, erklärte Korosec weiter.

Nepp verwies in einer Aussendung auf „über 200 dokumentierte Übergriffe alleine im Wilhelminenspital seit 2017". Passiert sei „natürlich nichts“, Stadtrat Hacker habe das Gewaltproblem in Spitälern „auf die lange Bank geschoben“.Nepp bekräftigte in diesem Zusammenhang die Forderungen der FPÖ nach Videoüberwachung, Aufstockung von Security-Personal und Schulungen für Spitals-Mitarbeiter in Wiener Spitälern.

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