Coronakrise

Handel mit illegalen Arzneimitteln wachsendes Problem

Der Handel mit gefälschten Arzneimitteln ist speziell in Zeiten der Coronakrise ein wachsendes Problem. Zollämter berichten von gefälschten Produkten im Schutz vor Covid-19. Laut einer aktuellen Studie von OECD und dem Amt der EU für geistiges Eigentum (EUIPO) gefährdet der Handel mit illegalen medizinischen Produkten Gesundheit und Leben der Nutzer, verursacht jährlich Schäden in Milliardenhöhe.

red/Agenturen

Die Studie wird von einer Kurzanalyse zu den Zusammenhängen des illegalen Arzneimittelhandels mit der Coronakrise begleitet. Sie untersucht u.a., wie sich kriminelle Gruppen am Handel mit gefälschten oder fehlerhaften Arzneimitteln bereichern und viel Steuergelder kosten. Allein 2016 hätten Beschlagnahmungen durch den Zoll ergeben, dass illegale Arzneimittel im Wert von vier Milliarden Euro gehandelt wurden. Diese Zahl umfasse nicht die im Inland hergestellten und verwendeten gefälschten Arzneimittel.

„Der Verkauf gefälschter und fehlerhafter Arzneimittel ist ein ernstes Verbrechen“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria am Dienstag via Aussendung. „Wir hoffen, dass die Erkenntnisse, die wir über Wert, Ausmaß und Tendenzen dieses illegalen Handels sammeln konnten, zu schnellen Erfolgen im Kampf gegen dieses Verbrechen führen.“ Interpol berichtete von einem Anstieg gefälschter medizinischer Produkte im Zusammenhang mit Covid-19. Die US-amerikanische Zoll- und Grenzschutzbehörde und die Weltzollorganisation meldeten falsche Covid-19-Tests, Gesichtsmasken und Handdesinfektionsmittel.

Gemäß der OECD- und EUIPO-Studie handelte es sich bei den meisten zwischen 2014 und 2016 sichergestellten Arzneimittelfälschungen um gefälschte Antibiotika, Potenzpillen für Männer, Schmerzmittel und Medikamente gegen Malaria, Diabetes, Epilepsie, Herzkrankheiten, HIV/Aids, Krebs, Bluthochdruck und Allergien. Die meisten von ihnen enthielten falsche Wirkstoffanteile. Viele enthielten demnach nicht deklarierte Substanzen, die ernste gesundheitliche Probleme verursachen können.

96 Prozent der Websites mit Arzneimitteln illegal

Bei Arzneimitteln sei das Risiko von Fälschungen besonders hoch. Bei weltweit hoher Nachfrage hätten sie hohe Gewinnmargen und das Risiko, entdeckt zu werden, sei vergleichsweise gering. Einige kriminelle Gruppen würden mit Arzneimitteln, die aus minderwertigen Inhaltsstoffen bestehen, handeln, andere echte, für Krankenhäuser bestimmte Arzneimittel stehlen, um sie zu Billigpreisen auf der Straße zu verkaufen. Gelagert seien sie oft unter schlechten Bedingungen, was ihre Wirksamkeit vermindere.

Der Umlauf gefälschter und fehlerhafter Arzneimittel habe laut Aussendung auch deshalb sprunghaft zugenommen, weil es immer mehr unseriöse Online-Apotheken gebe. Demnach operieren 96 Prozent der Websites, die Arzneimittel anbieten, illegal. Auch die verstärkte Nutzung von Postdiensten, bei denen die Ware unzureichend gekennzeichnet ist, habe zu dem Anstieg beigetragen.

Mehr als die Hälfte der in den vergangenen Jahren beschlagnahmten Arzneimittelfälschungen stamme aus Indien, fast ein Drittel aus China. Als Hauptziele sind Afrika, Europa und die USA angeführt. Singapur und Hongkong seien in diesen Handelsketten wichtige Transitpunkte. Weitere Routen würden durch die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten, Kamerun und die Türkei führen. Pharma-Unternehmen aus den USA, der EU und der Schweiz würden besonders unter dem Geschäft mit den Fälschungen leiden. Die OECD arbeitet nach eigenen Angaben seit Jahren mit Regierungen zusammen, um Gesetzeslücken zu schließen und mangelnder Strafverfolgung entgegenzuwirken, die den florierenden Handel mit Fälschungen erst möglich machen.

 

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