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Coronavirus

Höchste Zahl an Neuinfektionen seit Pandemie-Beginn in NÖ

In Niederösterreich sind am Donnerstag 1.518 neue Corona-Fälle bekanntgegeben worden. Nach Angaben aus dem Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) war dies die höchste Anzahl an Neuinfektionen binnen 24 Stunden seit Beginn der Pandemie. Der bisherige Rekordwert datierte laut einem Sprecher der Landesrätin vom 7. November 2020. An diesem Tag gab es 1.370 Neuinfektionen. Unterdessen übte die SPÖ NÖ am Donnerstag Kritik an aus ihrer Sicht „nicht in ausreichender Menge“ angebotenen PCR-Tests.

red/Agenturen

Weiter erhöht hat sich am Donnerstag die Zahl der im Zusammenhang mit einem Heurigenlokal im Bezirk Bruck a. d. Leitha stehenden Corona-Fälle. Verzeichnet wurden 104 Infektionen und damit um sieben mehr als am Vortag. 21 positive Tests gab es im Bezirk Neunkirchen im Konnex mit dem Waldbrand-Einsatz im Rax-Schneeberg-Gebiet. Leicht geschrumpft ist der Cluster in der Asylbetreuungsstelle Traiskirchen (Bezirk Baden). Hier wurden 49 Erkrankte (minus zwei) gezählt. Um einen Fall auf 24 erhöht hat sich der Hotspot in Bezug auf eine Veranstaltung in Waidhofen a. d. Ybbs. Bei einem im Bezirk Scheibbs ansässigen Automobilzulieferer gab es am Donnerstag in Summe 28 Infektionen (plus eins).

Fünf Regionen mit Ausreisekontrollen

Hoch war die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100.000 Einwohner laut dem Dashboard der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) in den fünf mit Ausreisekontrollen belegten Regionen im Bundesland. Waidhofen a. d. Ybbs kam auf 1.446,0, es folgten die Bezirke Melk (1.060,3), Lilienfeld (1.032,4) und Amstetten (935,7). Dem Bezirk Scheibbs wurde ein Wert von 704,9 bescheinigt.

Etwas wahrscheinlicher sind Ausreisekontrollen erneut in den Bezirken Waidhofen a. d. Thaya und Neunkirchen geworden. Tagesaktuell hielten die Regionen bei Inzidenzwerten von 802,9 bzw. 651,0. Die jeweiligen Schwellenwerte hinsichtlich der gemittelten Inzidenz wurden in den beiden Gebieten am Donnerstag aber noch nicht überschritten.

SPÖ Niederösterreich bemängelt fehlende PCR-Tests

Die SPÖ NÖ hat am Donnerstag Kritik an aus ihrer Sicht „nicht in ausreichender Menge“ angebotenen PCR-Tests geübt. In die Pflicht nahm Landesgeschäftsführer Wolfgang Kocevar vor allem die Bundesregierung, die „mit der Sicherheit und der Gesundheit der Menschen“ spiele. Forderungen nach einem Maßnahmenplan, „der auch umgesetzt werden kann“, und nach PCR-Testungen in Gemeinden wurden angehängt. FPÖ-Kritik an SP-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig wies Kocevar zurück.

„In der dritten Stufe der Covid-Maßnahmen werden Antigentests nicht mehr akzeptiert, ungeimpften Bürgerinnen und Bürgern werden PCR-Tests allerdings vom Bund aufgezwungen. Aber diese sind nicht in ausreichender Menge vorhanden“, konstatierte Kocevar in einer Aussendung. Hinsichtlich der Analyselabore bestehe zudem eine Überlastungssituation, so dass „nicht sichergestellt ist, das Ergebnis im erforderlichen Zeitraum zu erhalten“.

Kritik kam auch an der Situation rund um PCR-Gurgeltests in Niederösterreich. Während zunächst betont worden sei, dass entsprechende Tests „flächendeckend in ganz Niederösterreich bei Spar erhältlich sind“, kristallisiere sich nun heraus, dass sie nur in Bezirkshauptstädten zur Verfügung stünden - „und das nicht zum angekündigten Zeitpunkt“. Bei den Apotheken herrsche bereits Überlastung. Aushelfen könnten, so Kocevar, die Kommunen. „Die Gemeinden würden in den vorhandenen Teststraßen PCR-Testungen anbieten. Aber das ist offenbar von der Bundesregierung nicht gewünscht, weil klar ist, dass zu wenige Testkits bereitstehen“, befand der Parteimanager, der gleichzeitig auch als Bürgermeister von Ebreichsdorf (Bezirk Baden) fungiert.

FPÖ: Vorwürfe bei Test-Management

Die niederösterreichischen Freiheitlichen warfen hingegen Königsberger-Ludwig „Versagen“ beim Test-Management vor. Die Kritik an der eigenen Gesundheitslandesrätin sei daher "durchaus nachvollziehbar und völlig richtig“, sagte FPÖ-Landesparteiobmann Udo Landbauer mit Blick auf die SPÖ. Königsberger-Ludwig habe beim Covid-19-Management "außer einem gigantischen Tohuwabohu, bei dem niemand mehr durchblickt, nichts erreicht“. „Wenn jetzt schon die eigene Partei Kritik an der Amtsführung der Gesundheitslandesrätin übt, solle Königsberger-Ludwig ihre Corona-Linie dringend überdenken“, teilte Landbauer in einer Aussendung mit.

Kocevar verteidigte wiederum als Reaktion auf die FPÖ-Kritik seine Parteikollegin: „Landesrätin Königsberger-Ludwig streckt sich seit Beginn der Pandemie nach der Decke, versucht für Sicherheit für die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher zu sorgen.“ Das schaffe die „Chaos-Truppe von Bundesregierung“ seit Ausbruch der Corona-Krise nicht. „Die Bundesregierung hat auch die Vorbereitung auf eine mögliche vierte Welle versemmelt und trägt die alleinige Verantwortung für die fehlende Umsetzbarkeit der von ihr auferlegten Regeln“, meinte Rupert Dworak, Präsident des sozialdemokratischen NÖ Gemeindevertreterverbandes (GVV). Die Freiheitlichen bezeichnete Dworak als „Spalter“, damit seien die Blauen "die intensivsten Förderer dieser Gesundheitskrise".