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Deutschland

Impflücken: Spahn bekräftigt Impfpflicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht sich nach neuen Daten der Barmer Krankenkasse zu Impflücken in Deutschland bei der geplanten Masern-Impfpflicht bestätigt. „Egal, wie man es rechnet, es bleibt dabei: Zu viele Kinder in Deutschland sind unnötig gefährdet, denn zu wenige Kinder sind gegen Masern geimpft“, sagte der CDU-Politiker.

red/Agenturen

Nach einer Analyse der Barmer gibt es größere Impflücken als bisher angenommen. Die Kasse hat unter anderem für rund 45 700 Schulanfänger, die 2017 bei ihr versichert waren, Abrechnungsdaten geprüft. Danach waren bei keiner wichtigen Infektionskrankheit wie Masern, Mumps oder Röteln ausreichend Kinder immunisiert. Die Impfquoten lagen demnach durchweg unter 90 Prozent. Nach offiziellen Daten der Schuleingangsuntersuchungen beim Robert-Koch-Institut lag die Impfquote bei der ersten Masernimpfung 2017 bei rund 97 Prozent. Bei der zweiten Masernimpfung waren es fast 93 Prozent. Allerdings hatten rund neun Prozent der Schulanfänger keinen Impfausweis. Ein Wert von 95 Prozent gilt als Minimum, ab der in der Gesamtbevölkerung ein permanenter Schutz auch für ungeimpfte Menschen angenommen wird.

Das Bundeskabinett hat kürzlich ein Gesetz für eine Masern-Impfpflicht auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind. Die Impfpflicht gilt auch für bestimmte Erwachsene, wie Tagesmütter, Kita-Personal, Lehrer un Beschäftigte im Medizinbereich. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 2500 Euro.

166.000 Zweijährige 2017 ohne Masernschutz

Barmer eruierte weiters, dass mehr als jedes fünfte 2015 geborene Kleinkind in seinen beiden ersten Lebensjahren nicht oder unvollständig gegen Masern geimpft worden war. Die Untersuchung beruhte auf der Auswertung von Daten von Barmer-Versicherten (Barmer ist eine deutsche gesetzliche Krankenkasse mit rund 9 Mio. Versicherten, Anm. d. Red.) Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergab die Studie eine Zahl von knapp 166.000 Zweijährigen, die im Jahr 2017 ohne vollständigen Masernschutz waren. Demnach gilt ein Wert von 95 Prozent als Minimum, ab der in der Gesamtbevölkerung ein permanenter Schutz auch für ungeimpfte Menschen angenommen wird.

Laut Autoren ermittelt der Barmer-Arzneimittelreport in diesem Punkt realistischere Zahlen als die Schuleingangsuntersuchungen, die bei Debatten über Impfquoten oft als Datenbasis dienen. Bei diesen werde lediglich der Grad des Impfschutzes jener Kinder ermittelt, die einen Impfpass hätten. Da nicht geimpfte Kinder keinen Impfpass hätten, führe diese zu irreführenden Zahlen.

Die Erhebung dokumentierte auch regional sehr unterschiedliche Impfquoten bei Kindern. In Bayern waren demnach 5,3 Prozent aller Zweijährigen überhaupt nicht geimpft, in Brandenburg dagegen nur 2,2 Prozent. Insgesamt waren die Impfquoten laut Barmer auch in Baden-Württemberg, Thüringen und Bremen eher niedrig. Dagegen waren sie auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vergleichsweise hoch.