Gerichtssache

Inder klagt Impf-Inszenierung des Premierministers – selbst verurteilt

Weil er sich über die Inszenierung des indischen Premierministers Narendra Modi als Gesicht der nationalen Corona-Impfkampagne ärgerte, ist ein Mann im südindischen Bundesstaat Kerala vor Gericht gezogen - und nun selbst zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Peter Myaliparampil habe die Zeit der Richter verschwendet, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil des Hohen Gerichts von Kerala. Er müsse deshalb 100.000 Rupien (rund 1.170 Euro) Strafe zahlen.

red/Agenturen

Myaliparampil hatte sich insbesondere an einem Bild Modis auf seinem Corona-Impfnachweis gestört. Vor Gericht argumentierte er, dass er seine Impfung selbst bezahlt habe und das Antlitz Modis auf seinem Impfnachweis „keinem Zweck“ diene. Vielmehr habe er den Eindruck, dass Modi die Corona-Impfungen für eine „Medienkampagne“ zu seinen eigenen Gunsten nutze.

Das Gericht sah nun Myaliparampils Klage selbst als politisch motiviert an. Wenn es dem Kläger schwerfalle, das Bild des Premierministers zu betrachten, „kann er seine Augen zum unteren Ende des Impfnachweises bewegen“, hieß es in dem Urteil.

Modi ist in Indien buchstäblich das Gesicht der Corona-Impfkampagne: Im ganzen Land ist sein Porträt auf Plakaten abgedruckt. Selbst auf Passagierflugzeugen wirbt Modi für die Impfungen. Politische Gegner des hindu-nationalistischen Premiers kritisieren diese Personalisierung der Impfkampagne scharf. Einige Kritiker forderten, Modis Gesicht konsequenterweise auch auf den Sterbeurkunden von Covid-19-Toten abzudrucken.

Indien hat seit Beginn der Corona-Pandemie fast eine halbe Million Todesfälle durch Covid-19 verzeichnet. Es steht damit weltweit an dritter Stelle hinter den USA und Brasilien. Insgesamt wurden in Indien bereits mehr als eine Milliarde Corona-Impfstoffdosen verabreicht.