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Corona-Impfung

Israel verzeichnet Rekorde bei Impfungen und -Neuinfektionen

In Israel sind in der Corona-Krise Höchststände sowohl bei den Neuinfektionen als auch bei den Impfungen registriert worden. Der Corona-Beauftragte des Landes, Nahman Ash, sagte am Dienstag dem Armeesender, am Vortag seien erstmals mehr als 10.000 neue Fälle gemeldet worden. Seit Beginn der Pandemie überstieg die Zahl der Neuinfektionen pro Tag erst fünf Mal den Wert von 9.000, vier Mal davon in der vergangenen Woche.

red/Agenturen

Israel steckt inmitten einer dritten Corona-Welle. Das Gesundheitssystem hat die Belastungsgrenze erreicht. Das Land hat nur unwesentlich mehr Einwohner als Österreich, wo laut dem AGES-Dashboard zuletzt 913 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert wurden. Seit knapp zwei Wochen gilt in Israel ein Lockdown mit strikten Einschränkungen. Man darf das eigene Haus oder die eigene Wohnung nur in einem Umkreis von 1000 Metern verlassen. Am Dienstag wollte die Regierung über eine Verlängerung beraten.

Nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wurde am Montag zugleich ein Impfrekord erreicht. Wie der Regierungschef via Twitter mitteilte, wurden an dem Tag 186.000 Menschen geimpft. Insgesamt bekamen demnach bisher 2,2 Millionen Menschen eine erste Spritze. Nach Angaben von Gesundheitsminister Yuli Edelstein erhielten 422.000 Menschen bereits eine zweite Dosis. Bis Ende März sollen in Israel im Zuge einer massiven Impfkampagne alle Impfwilligen über 16 Jahren geimpft werden. In Österreich wurde bisher nach Schätzungen erst gut ein Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft.

Israels Gynäkologenverband empfiehlt Impfung für Schwangere

Indes hat der Verband israelischer Frauenärzte eine Empfehlung zur Impfung schwangerer und stillender Frauen gegen Covid-19 veröffentlicht. Zuletzt hatte es in Israel eine Reihe schwerer Covid-19-Erkrankungen bei Schwangeren gegeben. Der Corona-Beauftragte Nachman Asch sagte dem Armeesender am Dienstag, man prüfe noch, ob es sich um einen neuen Trend oder Einzelfälle handle. Israel hat die höchste Geburtenrate der westlichen Welt - mit durchschnittlich drei Kindern pro Frau.

Der israelische Gynäkologenverband schrieb am Dienstag: "Die Covid-19-Erkrankung kann während der Schwangerschaft Schaden anrichten, bei Schwangeren einen schwereren Krankheitsverlauf auslösen und Frühgeburten verursachen - deshalb ist es wichtig, sich impfen zu lassen." Man empfehle eine Impfung aller Schwangeren, die dies wünschten, "besonders wenn sie gefährdet sind, mit dem Virus in Kontakt zu kommen oder Vorerkankungen haben, die das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen".

Auch Gili Regev-Jochai, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten im Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv, sprach eine solche Empfehlung aus. Es sei "ganz klar, dass man sich impfen lassen sollte", vor oder während der Schwangerschaft. Der Corona-Impfstoff sei nicht gefährlicher "als andere Impfstoffe, die wir bereits während der Schwangerschaft geben, zum Beispiel die Grippeimpfung oder die Impfung gegen Keuchhusten".

Österreich setzt auf individuelle Evaluierung

In Österreich gibt es keine Empfehlung zur Impfung Schwangerer, weil bisher nur begrenzt Erfahrungen zur Impfung dieser Gruppe vorliegen, heißt es auf der Homepage des Gesundheitsministeriums. Die Verabreichung in der Schwangerschaft sollte individuell geprüft werden, so auch der Nutzen und das Risiko, rät das Ministerium.

Israel gilt mit seiner rasanten Impfkampagne als Vorreiter. Fast 2,2 Millionen Menschen haben bereits die erste und mehr als 423.000 die zweite Impfdosis erhalten. Inzwischen können sich alle über 40-Jährigen sowie Menschen aus Risikogruppen impfen lassen. Gleichzeitig erlebt das Land gegenwärtig ein Allzeithoch von Neuinfektionen.

 

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