Corona-Impfstoff

Kampf um steirisches Kontingent entbrannt

In der Steiermark ist ein Kampf um die verfügbaren steirischen Impfdosen gegen das Coronavirus entbrannt. Nach den ersten Immunisierungen vergangene Woche melden sich immer mehr Berufs- und Bevölkerungsgruppen und erheben bei Impfkoordinator Michael Koren Anspruch auf eine möglichst frühe Impfung. Koren pocht allerdings auf Seriosität: Man könne nur anbieten, was absehbar vorhanden sei. Über 80-Jährige außerhalb von Heimen dürften daher frühestens im Februar geimpft werden.

red/Agenturen

Es sei eine Frage der Seriosität, ob man jetzt eine Impfung beispielsweise für die über 80-Jährigen anbietet, obwohl man nur einen kleinen Bruchteil der nötigen Impfungen für die gesamte Zielgruppe zur Verfügung hat. Es dürfe nicht sein, dass jene, die dann als erstes anrufen und durchkommen, die Impfung bekommen und andere wochenlang auf Wartelisten stehen. Zudem sei in der Steiermark auch noch unklar, wann die über 80-Jährigen geimpft werden können, weil das hänge davon ab, wie viele Impfdosen und von welchen Herstellern in den kommenden Wochen noch zu Verfügung stehen, schilderte Koren.

Er sei derzeit mit Forderungen von vielen Seiten konfrontiert. Zahnärzte wollen rasch geimpft werden, niedergelassen Ärzte auch, und erst am Dienstag meldete sich die steirische Ärztekammer und forderte in einer Aussendung eine Anpassung der Corona-Impfstrategie: So sollen Ärzte und Ärztinnen sowie Pflegepersonal und andere Mitarbeiter von sensiblen Bereichen in den Landeskrankenhäusern „raschest geimpft“ werden. Sie hätten „tagtäglich und unmittelbar mit besonders gefährdeten Patientinnen und Patienten zu tun“, begründete Kammer-Vizepräsident Eiko Meister. Es dürfe dabei „keinen Verdrängungswettbewerb geben, bei dem die zum Zug kommen, die am lautesten schreien oder die spitzesten Ellbogen haben“.

Nachfrage momentan höher als Angebot

Doch genau solch ein Wettbewerb hat offenbar eingesetzt. Die Nachfrage sei laut Koren momentan einfach höher als die Menge der zur Verfügung stehenden Impfdosen. Speziell für die über 80-Jährigen außerhalb von Pflegeheimen dürfte der Impfstoff des Pharmakonzerns Astrazeneca entscheidend sein, denn er sei leichter zu handhaben. Für diesen wurde aber erst am Dienstag eine bedingte Zulassung in der Europäischen Union beantragt. Der in Auslieferung befindliche Impfstoff von Moderna sei für Koren zwar begrüßenswert, aber die Menge sei zunächst nicht allzu groß.

Eine Hotline, bei der sich über 80-Jährige beispielsweise für eine Impfung anmelden können, hält er aktuell für sinnlos, „weil wir nicht einmal wissen, ob wir die Impfdosen für diese Menschen Anfang Februar oder Ende Februar oder noch später“ zur Verfügung haben. Er will mit den vorhandenen Dosen jene Zielgruppen impfen lassen, bei denen auch theoretisch alle versorgt werden können - wie etwa Mitarbeiter auf Covid-Stationen.

12.000 Pflegeheimbewohner

Klar sei aber auch, dass die Steiermark vergleichsweise viele Pflegeheime hat und daher dort auch jetzt schon über 80-Jährige geimpft werden. Insgesamt leben etwa 12.000 Steirerinnen und Steirer in Pflegeheimen und werden von etwa 10.000 Heim-Mitarbeitern betreut. Insgesamt sind etwa 75.000 Menschen in der Grünen Mark 80 Jahre oder älter.

Gemeindebundpräsident Erwin Dirnberger sagte, dass sich Gemeinden und Städte bei der Organisation der Impfung für über 80-Jährige außerhalb von Heimen beteiligen werden. Eine Arbeitsgruppe, die die Vorgehensweise abklären soll, trifft sich am Mittwoch. Angedacht sind offenbar schriftliche Verständigungen. Da die Impfungen für die Zielgruppe in der Steiermark frühestens im Februar starten dürften, sei eine rechtzeitige, aber auch nicht zu frühe Information für die Betroffenen entscheidend.