Impfstoffe

Kinder-Pneumokokkenimpfung wirkt immer schlechter

Die Umstellung auf eine breiter wirksame Vakzine im kostenlosen Kinderimpfprogramm wird gefordert.Das Erregerspektrum hätte sich zu stark verändert.

red/Agenturen

Österreich hat 2012 die Pneumokokken-Immunisierung in das kostenlose Kinder-Impfprogramm aufgenommen. Verwendet wird eine Vakzine, die gegen zehn Typen der Erreger schützt. Doch laut der Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze reicht das nicht mehr aus. Ein vorhandener breiter wirkender Impfstoff sollte eingesetzt werden, sagte sie vergangene Woche bei einem Hintergrundgespräc, das vom Verein für Impfstoffaufklärung organsiert wurde. „Bei Streptokokkus pneumoniae (Pneumokokken; Anm.) werden mehr als 90 verschiedene Serotypen unterschieden. 23 davon sind für mehr als 90 Prozent der Erkrankungen verantwortlich“, so Kunze.

2017 gab es 545 Fälle über alle Altersgruppen hinweg

In Österreich wurden im Zeitraum 2005 bis 2015 bei den Ein- bis Zweijährigen rund zehn invasive Pneumokokkenerkrankungen pro 100.000 registriert, bei den über 75-Jährigen lag die Häufigkeit ähnlich hoch. Insgesamt wurden in Österreich 2005 noch 125 schwerste Pneumokokken-Infektionen registriert. 2017 waren es über alle Altersgruppen hinweg 545.

Das Problem hätte durch vermehrte Impfungen verringert werden sollen, dabei ist allerdings das Gegenteil passiert: Das Erregerspektrum hat sich nämlich offenbar geändert. Die Vakzine schützt gegen die Pneumokokken-Serotypen 1, 4, 5, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19F und 23F. Mittlerweile gibt es eine 13-fach-Vakzine, die auch noch zusätzlich gegen die Serotypen 3, 6A und 19A schützt. „Der zehn-valente Impfstoff hat seine sehr gute Arbeit getan. Es ist an der Zeit, auf den 13-valenten überzugehen“, sagt Kunze.

Serotypen 3 und 19A kommen am Häufigsten vor

„2017 sind in Österreich insgesamt 28 Kinder unter fünf Jahren an einer invasiven Pneumokokken-Infektion erkrankt. Von 15 der Kinder sind die Pneumokokken-Serotypen bekannt. In zehn Fällen wurden Serotypen nachgewiesen, die ausschließlich im 13-valenten Impfstoff enthalten sind. Mit je fünf dokumentierten Fällen kamen die Serotypen 3 und 19A am häufigsten vor“, so Kunze.

Weltweit verwenden laut den Informationen der Sozialmedizinerin derzeit 113 Staaten in ihren staatlichen Kinderimpfprogrammen ausschließlich die breiter wirkende Vakzine, 39 Staaten den Impfstoff, der auch in Österreich benutzt wird.

 

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