Coronavirus

Kritik an Vertrag für PCR-Tests zwischen Land Tirol und Labor

in Vertrag des Landes Tirol mit der Wiener Firma HG Pharma über die Abwicklung von PCR-Tests sorgt im Bundesland für Aufregung. Das Labor verdiente knapp acht Millionen Euro und erhielt im September den Auftrag direkt und ohne Ausschreibung, berichtete der ORF Tirol. Die Oppositionspartei Liste Fritz ortet Freunderlwirtschaft und ist der Ansicht, dass eine Ausschreibung nötig gewesen wäre. Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes, wies die Vorwürfe entschieden zurück.

red/Agenturen

Zu Beginn der zweiten Corona-Welle, als man noch "drei, vier Tage auf positive Testergebnisse warten" musste, sei die Firma an das Land herangetreten, sagte Rizzoli. „Diese Firma und die Personen sind uns unbekannt gewesen“, wehrt er sich gegen den Vorwurf der Freunderlwirtschaft. Die Vergabe sei "bei diesem Volumen und dieser Dienstleistung, die hier angeboten worden ist, im behördlichen Bereich zu diesem Zeitpunkt so auch möglich" und damit auch "rechtens" gewesen.

Die HG Lab Truck GmbH - eine Tochterfirma der HG Pharma mit Sitz in Kirchberg in Tirol - sei im September mit einem „All-Inclusive“-Paket an das Land herangetreten. Unter anderem in mobilen Labors wurden PCR-Tests für 38,50 Euro gemacht, die Eingabe in die Datenbank brachte dem Unternehmen jeweils 1,50 Euro ein, pro Mutationsscreening wurden 60 Euro verrechnet. Ralf Herwig, Chef der HG Pharma, versicherte dem ORF, dass die Qualität bei einem Preis von 38,50 Euro stimme.

Herwig selbst konnte mit dem „Vitamin-B“-Vorwurf wenig anfangen: „Dass es hier Freunderlwirtschaft gibt, halte ich eher für unwahrscheinlich, weil ich als nicht gebürtiger Tiroler immer so ein kleines Problem habe“. Er habe einen deutschen Pass und dürfe nicht wählen, „deswegen bin ich auch keiner politischen Partei besonders zugeneigt“, meinte er.

Der Urologe ist kein Unbekannter. Vor drei Jahren kam er wegen eines von ihm propagierten Wundermittels u.a. gegen Krebs und Autismus in die Schlagzeilen - ohne wissenschaftliche Belegung, wie die „ZiB2“ berichtete. Eine Verwaltungsstrafe war die Folge, der Mediziner hat dagegen Einspruch erhoben. Eine letztgültige Entscheidung steht noch aus. Zudem muss er sich demnächst in einem Verfahren vor dem Wiener Straflandesgericht verantworten. Der Vorwurf: Schwere Körperverletzung und schwerer Betrug. Er soll mehrere Männer wegen Potenzproblemen operiert haben, die daraufhin dauerhaft impotent wurden.

Die Liste Fritz jedenfalls bekrittelte, dass statt einem „heimischen Labor“ ein „Urologe aus dem Osten“ den Auftrag erhalten habe. „Platter, Tilg (Landeshauptmann und Gesundheitslandesrat, beide ÖVP, Anm.) und Co. haben sich von einer Hochglanzbroschüre, von gutem Marketing und einem grenzwertig niedrigem Einzelpreis pro PCR-Test blenden lassen“, sagte Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider.

Der Vertrag mit dem Unternehmen endete am 31. März, das Land schreibt die Laborleistungen nun aus. Die Liste Fritz forderte, dass die Zusammenarbeit nicht verlängert werden soll und Einsicht in den Vertrag.