Coronavirus

Medizinische Fragen zur Risiko-Beurteilung

Zur Abschätzung des „individuellen Risikos“ für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung durch niedergelassene Ärzte hat das Gesundheitsministerium eine Art Fragebogen erstellt. Den können die Ärzte für das Attest benützen, wenn sich bei ihnen Patienten melden. Der Fragebogen wurde den Wiener Ärzten von der Ärztekammer zugemailt. Die wichtigsten Inhalte im Detail.

red/Agenturen

„Die folgenden Fragestellungen unterstützen die Beurteilung des individuellen Risikos von Patientinnen und Patienten, die im Arbeitsprozess stehen. Zu bedenken gilt es, dass Männer generell ein höheres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken. Die untenstehenden Erkrankungen sind nicht vollzählig und abschließend, eine Einzelfallentscheidung ist jedenfalls notwendig. Bitte kreuzen Sie die für ihre Patientin/ihren Patienten zutreffenden Erkrankungen an“, heißt es zu Beginn des Fragebogens. Erfahrungen in Österreich zeigten, „dass auch unter 65-Jährige ohne bekannte Vorerkrankung einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben können“.

An erster Stelle: Lungenerkrankungen. „Besteht eine fortgeschrittene funktionelle oder strukturelle chronische Lungenkrankheit, welche eine dauerhafte, tägliche, duale Medikation benötigt?“, heißt es in dem Fragebogen. Darunter fällt Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie), zystische Fibrose oder eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD ab sogenanntem Stadium III (schwer; Anm.) nach der GOLD-Einteilung ab Patientengruppe C; letzteres bedeutet deutliches Risiko für akute Verschlechterungen bzw. Spitalsaufenthalte).

Auch das Bestehen einer chronischen Herzerkrankung mit „Endorganschaden“ bei notwendiger dauerhafter Therapie kann ein erhöhtes Risiko ausmachen. Darunter verstanden werden ischämische Herzerkrankungen (Koronargefäßerkrankungen mit Minderdurchblutung des Herzens) oder eine chronische Herzinsuffizienz.

Schließlich geht es um Krebserkrankungen. „Besteht eine aktive Krebserkrankung?“, lautet die dritte Frage. Zur Präzisierung wird auf eine onkologische medikamentöse Therapie (Chemotherapie oder Biologika) innerhalb der vorangegangenen sechs Monate oder eine Strahlentherapie in diesem Zeitraum angeführt. Ebenso zählt dazu eine metastasierende Krebserkrankung auch ohne laufende Therapie.

Danach geht es um die Frage nach einer „Erkrankung, die mit einer dauerhaften und relevanten Immunsuppression behandelt werden muss“. Das ist zum Beispiel eine Knochenmarktransplantation innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre. Patienten unter Immunsuppression oder mit der Komplikation einer sogenannten Graft-versus-Host-Immunreaktion (GvHD) können ebenfalls Risikopatienten darstellen. Auch eine Organtransplantation im vorangegangenen Jahr unter laufender immunsuppressiver Therapie (gegen Abstoßungsreaktion; Anm.) oder mit GvHD kann natürlich eine Gefährdungspotenzial darstellen. Das gilt auch für eine dauernde Therapie mit Kortison unter entsprechender hoher Dosierung über einen längeren Zeitraum.

Eine immunsupprimierende Therapie mit Cyclosporin, Tacrolimus, Mycophenolat, (alle z.B. nach Organtransplantationen eingesetzt; Anm.), Azathioprin oder Methotrexat wird ebenfalls aufgelistet. Hinzu kommen noch Therapien mit sogenannten Tyrosinkinasehemmern (Enzymblocker) bei nicht-onkologischen Erkrankungen. Das können zum Beispiel rheumatische Erkrankungen sein. An letzter Stelle wird hier in der Präzisierung eine HIV/Aids-Erkrankung mit bestehender hoher Viruslast angeführt.

Menschen mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung ab einem bestimmten Grad, mit Nierenersatztherapie (Dialyse) oder nach Nierentransplantation können ebenfalls als Risikopersonen erhoben werden. Ähnlich ist das bei Menschen mit „chronischer Lebererkrankung mit Organumbau und dekompensierter Leberzirrhose“ ab einem gewissen Stadium (Childs-Stadium B).

„Besteht eine ausgeprägte Adipositas (Adipositas Grad III; BMI größer 40)?“, lautet die nächste Frage des Kataloges. Bei Diabetes wird die Einteilung nach Typ-I und Typ-II und nach der mittelfristigen Blutzuckereinstellung (Typ-I-Diabetes: HbA1c-Wert über 7,5 Prozent, Typ-II-Diabetes: HbA1c-Wert über 8,5 Prozent) getroffen. Ein erhöhtes Risiko haben jedenfalls alle Zuckerkranken mit „Endorganschäden“ (z.B. Nierenfunktionsstörung, periphere Durchblutungsstörungen, koronare Herzkrankheit, etc.)

Schließlich werden Menschen mit Bluthochdruck genannt: „Besteht eine arterielle Hypertonie mit bestehenden Endorganschäden (insbesondere chronische Herzinsuffizienz, chronische Niereninsuffizienz) oder nicht kontrollierbarer RR-Einstellung (Blutdruckeinstellung; Anm.)?“

Am Ende wird nach sonstigen schweren Erkrankungen mit „funktionellen oder körperlichen Einschränkungen“ gefragt, die einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 „annehmen lassen“. Die vermerkte Einschränkung zu diesen Fragen und Sachverhalten: „Es wird darauf hingewiesen, dass die anhand der vorliegenden Empfehlung im Covid-19-Risiko-Attest vorgenommene ärztliche Feststellung zur Einschätzung der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe keine Aussage über ein individuelles Infektionsrisiko sowie über die tatsächliche Schwere einer möglichen künftigen Erkrankung an Covid-19 trifft.“

 

Checkliste des Ministeriums

 

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Niedergelassenene Ärztinnen und Ärzte sollen anhand des Fragebogens das individuelle Risko für einen schweren Covid-19-Verlauf besser einschätzen können.
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