Apothekertagung

„Mehr Aufgaben für Apotheker sinnvoll!“

Die öffentlichen Apotheken könnten laut dem Ökonomen Gottfried Haber in Zukunft mehr Aufgaben in Beratung und Triage von Patienten, in Screening, im Management von Folgerezepten und eventuell sogar bei Krankschreibungen übernehmen.

 

red/Agenturen

Dies erklärte der Präsident des Fiskalrates am Montag in einem Hintergrundgespräch bei der Apothekerkammer-Fortbildungstagung in Schladming gegenüber der APA.

Insgesamt seien viele Ansätze in der Gesundheitsökonomie und im Health Technology Assessment (HTA) bisher zu eng, betonte Haber: „Es fehlen uns noch wichtige Informationen im Gesundheitssystem. (...) Wir haben eines der besten Systeme der Welt. Aber die Behandlungs-und Patientenströme werden nicht gesteuert." Kostenanalysen beträfen zumeist nur die Arzneimittel, weil dort die Daten transparent und die Waren- und Verteilungswege vorgegeben seien.

„Die Medizin agiert zunehmend Evidenz-basiert auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse", sagte Haber. Genau dieses Prinzip müsse auch in der Gesundheitsökonomie Platz greifen. „Was erspart sich das System, wenn jemand (von der Apotheke; Anm.) früher zum Arzt geschickt wird? Wir brauchen ein Gesundheitssystem insgesamt, in dem sowohl ökonomisch als auch für die Patienten Evidenz-basiert die Dinge (Leistungen; Anm.) dort passieren, wo sie am besten aufgehoben sind." Genau diese Analysen aber fehlten bisher. „Wir sprechen eigentlich immer nur über die Kosten. Das greift aber zu kurz. Es greift vor allem dann zu kurz, wenn wir optimieren wollen."

Die Bedeutung der öffentlichen Apotheken in Österreich schätzt der Ökonom durchaus ausbaufähig ein. Das Bild von der Apotheke als bloßes „Geschäft" für den Verkauf von Arzneimitteln sollte gegenüber anderen Aufgaben im Gesundheitswesen an Gewicht verlieren. „Ich sehe das inhaltlich zum Beispiel in der Beratung und in der Prävention." Die Apotheke könne auch wichtige Triage-Leistungen erbringen. Selbstmedikation belaste das Gesundheitssystem nicht, die schnelle Weiterleitung von Patienten zum Arzt im echten Bedarfsfall komme allen Beteiligten zugute. Könnten Auswüchse an Multimedikation durch die Expertise der Apotheker reduziert werden, ließen sich Probleme und Kosten verringern.

Haber könnte sich auch eine Rolle der Apotheker bei Krankschreibungen vorstellen, wenn in Apotheken bestimmte Normparameter (z.B. Fiebermessung) erhoben werden könnten. „Ich gehe ja auch einen Tag oder zwei Tage später zum Arzt und sage, ich war gestern krank."

„Niederschwelliger Zugang“

Zusätzlich dazu könnten mit Screeningtests in den Apotheken Krankheitsprävention und potenzielle Früherkennung (eigentliche Diagnose später via Arzt; Anm.) auf ein höheres Niveau gestellt werden. „Wie viele Menschen gehen in Österreich derzeit nicht zur Gesundenuntersuchung!" Hier könnten in den Apotheken „zentrale Parameter" wie BMI, Blutzuckerwerte etc. erhoben werden. „Der Zugang zur Apotheke ist einfach und niederschwellig", meinte Haber. Schließlich könnten die Apotheker auch eine größere Rolle beim Management von Folgerezepten (nach Erstverschreibung durch den Arzt) spielen.

In der gesundheitspolitischen Diskussion sollte in Zukunft zunächst einmal geklärt werden, welchen Kosten-Nutzen-Level man in Österreich haben wolle. „Die Diskussion über die Verteilung der Aufgaben und Leistungen führen wir schon, entschieden haben wir aber noch nichts", sagte Haber. Schließlich sei endlich zu klären, wo und innerhalb welcher Abläufe die Leistungen im Gesundheitssystem am besten für die Patienten und am besten in Hinsicht auf die Kosten erbracht werden können.

Apotheker
Ein weiterer geplanter Punkt: Apotheken sollen in einem etwas weiteren lokalen Umkreis Arzneimittel zustellen können als bisher.
Österr. Apothekerkammer