Coronakrise

Neuer Bildungsminister will Weg der offenen Schulen fortsetzen

Der neue Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) will den unter Vorgänger Heinz Faßmann eingeschlagenen Weg der offenen Schulen fortsetzen. „Ich halte es für ganz wichtig, dass Kinder so viel wie möglich vor Ort an den Schulen sind“, so Polaschek im APA-Gespräch. Anders als in den beiden vergangenen Schuljahren soll es außer der Einrechnung der Note der Abschlussklasse aus derzeitiger Sicht keine Matura-Erleichterungen geben. Wie geplant kommen soll die TU Oberösterreich.

red/Agenturen

„Es war mir immer wichtig, so viel Präsenz wie möglich zu haben - das war an der Uni Graz so (bis zu seiner Bestellung zum Minister war Polaschek dort Rektor, Anm.) und das gilt auch für den Schulbereich“, meinte der neue Minister. Derzeit arbeite man daran, die PCR-Testkapazitäten auszubauen, um in allen Bundesländern zweimal wöchentlich PCR-Tests an den Schulen durchzuführen. Derzeit ist das nur in Wien, Nieder- und Oberösterreich der Fall. „Bitte nageln Sie mich aber bitte nicht auf einen bestimmten Termin fest.“ Man werde die Kapazitäten Schritt für Schritt in den nächsten Wochen erhöhen.

Anders als in den beiden letzten Jahren soll neben der schriftlichen heuer auch die mündliche Matura wieder verpflichtend sein, kündigte Polaschek an. Die Noten der Abschlussklasse würden wieder in die Maturanote eingerechnet. „Weitere Erleichterungen sind aber aus heutiger Sicht nicht notwendig. Die Schülerinnen und Schüler haben einen guten Unterricht bekommen, die Lehrerinnen und Lehrer sind sehr engagiert. Ich denke, wir werden eine gute und ordentliche Matura über die Bühne bringen.“

Omikron mischt Karten neu

Die schärferen Quarantäneregeln an Schulen bei Omikron-Verdachtsfällen etwa in Wien verteidigte Polaschek. „Das ist eine Entscheidung der Gesundheitsbehörden in den Ländern. Es wird gute Gründe gegeben haben, warum man in einem Ballungsraum wie Wien so eine Maßnahme gesetzt hat - das heißt nicht, dass es in einem ländlichen Raum genau so sein muss.“ Die Entscheidung darüber müsse vor Ort getroffen werden. „Das fällt nicht in meinen Verantwortungsbereich.“

Bei der derzeit laufenden Reform der Lehrpläne will er nicht im großen Stil am System und den Stundentafeln rütteln. „Ich halte nichts davon, hier die Formen massiv zu verändern. Es kommt auf die Inhalte an.“ Zuletzt war öfter in der Diskussion, Fächer wie Biologie, Chemie oder Physik in einem Flächenfach „Science“ aufgehen zu lassen. Wenn man nach Corona den Schulbetrieb wieder hochfahre, sei Ruhe im System wichtig. „Wir sollten darauf fokussieren, welche Kompetenzen erworben werden und nicht in welchen Strukturen.“

Augenmerk auf Förderbedarf

Nach der Pandemie will der Minister auch darauf schauen, ob Kinder noch erhöhten Förderbedarf haben. „Wir müssen darauf achten, dass niemand deshalb Bildungslücken aufweist. Falls es da zusätzlichen Stützbedarf gibt, müssen wir den gewährleisten.“

Weiterhin keine bindenden Vorgaben soll es für die Hochschulen in Sachen Pandemie-Management geben. Diese hätten ein „hervorragendes Corona-Management“ gemacht, so Polaschek. „Da sehe ich es als meine Aufgabe, ihnen den Rücken zu stärken und sie dort zu unterstützen, wo Bedarf geortet wird, aber mich nicht weiter einzumischen.“

Keinen Bedarf sieht er derzeit für weitere Novellen des Universitätsgesetzes (UG). Davon habe es zuletzt mehrere gegeben, die nun implementiert werden müssten - von der Kettenvertragsregelung bis zum Weiterbildungsbereich. „Damit haben die Universitäten genug zu tun.“

Wissenschaftsskepis problematisch

Definitiv festhalten will Polaschek trotz der Ablehnung der Universitätenkonferenz an der Einrichtung einer Technischen Universität (TU) in Oberösterreich. „Die Sache ist beschlossen, da gibt es eine klare Vereinbarung zwischen Bund und Land Oberösterreich. In der Rechtssprache heißt es: Pacta sunt servanda, Verpflichtungen sind durchzuführen, Verträge sind einzuhalten.“

Überlegen müsse man sich etwas bezüglich der Wissenschaftsskepsis der Österreicher, meinte Polaschek. „Ich glaube, dass bis zu den vergangenen Monaten niemand gedacht hat, dass sie so groß ist. Es ist zwar bekannt, dass die Skepsis ausgeprägter als in anderen Ländern ist, und es hat auch immer wieder Versuche gegeben, das zu ändern.“ Gerade die Demos der vergangenen Wochen hätten nun gezeigt, dass es mehr Aufklärungsarbeit brauche. „Dass wir hier deutlich mehr tun müssen, ist mir klar. Wir werden ein Gesamtpaket finden müssen, das an den Schulen beginnt und bis ins Erwachsenenleben hineinreicht.“

Vermutlich im Jänner soll eine vom Ministerium beauftragte neue Seroprävalenzstudie fertiggestellt werden. Mit dieser soll erneut festgestellt werden, wie viele Österreicher bereits Antikörper gegen das Coronavirus ausgebildet haben.