Coronakrise

Nicht alle Spitäler profitierten vom Lockdown

Der am Sonntag zu Ende gegangene österreichweit vierte harte Lockdown, der vor allem die Spitäler entlasten sollte, hat das nicht in allen Bundesländern bewirkt. In den vergangenen drei Wochen hat es zwar in Oberösterreich und Salzburg, wo zu Beginn des Lockdowns die höchsten Sieben-Tage-Inzidenzen verzeichnet wurden, einen deutlichen Rückgang bei den stationär aufgenommenen Covid-Patientinnen und -Patienten gegeben. In Tirol und in Vorarlberg war das Gegenteil der Fall.

red/Agenturen

Wirft man einen Blick auf das vom Gesundheits- und Innenministerium veröffentlichte Datenmaterial, zeigt sich, dass in den beiden westlichsten Bundesländern derzeit mehr Covid-19-Fälle in den Krankenhäusern behandelt werden müssen als zu Beginn des Lockdowns. Tirol hatte am 22. November 220 behandlungsbedürftige Covid-19-Fälle in den Krankenhäusern, heute, Montag waren es um 14 Personen mehr. Die 234 Patientinnen und Patienten entsprechen einem Zuwachs um mehr als sechs Prozent. In Vorarlberg bedurften vor drei Wochen 115 an Covid-19 Erkrankte eines Spitalsbetts - nunmehr sind es 146, was einem Anstieg um fast 27 Prozent gleichkommt.

Schränkt man den Blick auf die Intensivstationen (ICU) ein, sticht besonders Tirol heraus, wo im Moment 67 Covid-Patientinnen und -Patienten um ihr Leben kämpfen. Vor drei Wochen waren es 41. Die Intensivstationen in Tirol müssen somit um fast zwei Drittel - exakt sind es 63,41 Prozent - mehr schwere Covid-19-Fälle versorgen als zu Lockdown-Beginn. In Vorarlberg gibt es mit 27 ICU-Patientinnen und -Patienten um vier bzw. 17,39 Prozent mehr Schwerkranke, die sich mit dem Coronavirus infiziert und einen lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf haben.

Insofern stößt es nicht allerorts auf Verständnis, dass neben dem Burgenland ausgerechnet Tirol und Vorarlberg mit Montag die Gastronomie und Hotellerie für Geimpfte geöffnet haben, während alle anderen Bundesländer damit noch zuwarten. Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) - in der Bundeshauptstadt bleiben die Hotels und Wirtshäuser bis 20. Dezember geschlossen - bekräftigte am Montag, dass die Bundeshauptstadt über die Weihnachtsfeiertage keine Covid-Patientinnen und -Patienten aus den Bundesländern aufnehmen wird. „Es war gemeinsam immer vereinbart, dass sich jedes Bundesland um seine eigenen Covid-PatientInnen kümmert. Dass Wien anderen Bundesländern in einer Notsituation aushilft, indem wir temporär Covid-PatientInnen aus diesen Bundesländern aufnehmen und Geräte verborgen, ist für Wien selbstverständlich“, sagte Hacker. Klar sei aber, „dass wir jetzt wieder daran erinnern müssen“.

„Wieder Luft holen können“

Wien verfolge einen vorsichtigen Weg und habe „die einschränkenden Maßnahmen genau deshalb verlängert, um eine Entspannung in den Wiener Spitälern herbeizuführen“, betonte Hacker. Und weiter: „Das bedeutet: Ich möchte, dass die MitarbeiterInnen in den Wiener Spitälern wieder Luft holen können und nicht einer permanenten Dauerbelastung auf hohem Niveau ausgesetzt sind.“

Derzeit werden in der Bundeshauptstadt 448 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 behandelt, um neun weniger als vor drei Wochen. Im intensivmedizinischen Bereich sind es 110, um drei weniger als zu Lockdown-Beginn. Allerdings versorgt Wien im Moment 30 an Covid-19 Erkrankte aus anderen Bundesländern, davon neun auf Intensivstationen - je vier kommen aus Niederösterreich und Salzburg, einer aus dem Burgenland.

Wie ein Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats präzisierte, bezieht sich die von Hacker beschlossene Maßnahme, über Weihnachten keine Gastpatientinnen und -patienten aus den Ländern aufzunehmen, ausschließlich auf Covid-19. Im Non-Covid-Bereich gebe es keine Einschränkungen, hier sei die Versorgung wie bisher gewährleistet. 20 bis 30 Prozent der Patienten in den Wiener Spitälern haben ihren Wohnsitz in einem anderen Bundesland, großteils liegen ihre Meldeadressen in Niederösterreich und dem Burgenland.

 

 

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