Coronakrise

Österreich steckt Öffnungen „ausgezeichnet" weg, zweite Welle für Experten fix

Die erste Lockerung der Corona-Beschränkungen seit Ostern habe Österreich gut überstanden, urteilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag. Um die zweite Öffnungsphase zu beurteilen, müsse man zehn bis zwölf Tage warten. Global gesehen ist momentan etwa Russland ein Neuinfektionshotspot. Ganz allgemein gesehen rechnen Experten, etwa RKI-Chef Lothar Wieler, „mit großer Sicherheit“ mit einer zweiten Welle.

red/Agenturen

Anfangs habe es Tagessteigerungen bei den Infektionszahlen zwischen 40 und 50 Prozent gegeben, derzeit liegen sie laut Anschober bei 0,2 Prozent. Bisher gab es 15.650 bestätigte Infektionen. 606 Menschen sind verstorben, 418 Infizierte liegen im Spital, 104 Patienten werden auf Intensivstationen betreut, so der Stand von Dienstagvormittag. „Wir sind noch lange nicht durch. Das schlimmste wäre eine zweite Welle“, betonte Anschober. Der Mai sei der „Entscheidungsmonat“. Die App zur Verfolgung von Corona-Infektionen bleibe unterdessen freiwillig, stellten Anschober und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) klar.

Auch international ist die Covid-19-Pandemie noch lange nicht überwunden. In Großbritannien starben bisher mehr als 32.000 Menschen mutmaßlich an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 - so viele wie sonst nirgends in Europa. Das nationale Statistikamt ONS teilte mit, dass in England und Wales 29.648 Verstorbene gezählt wurden, bei denen Covid-19 im Totenschein genannt ist. Nimmt man die im Zusammenhang mit dem Virus in Schottland und Nordirland verstorbenen Patienten hinzu, ergeben sich 32.313 Tote. Das sind mehr als in Italien, das bisher die meisten Todesfälle in der Pandemie verzeichnet hat.

In Russland wurden unterdessen binnen 24 Stunden 10.102 Neuinfektionen registriert, tags zuvor seien noch 10.581 neue Ansteckungen bestätigt worden. Damit sei bei insgesamt 155.370 Menschen im ganzen Land das Virus nachgewiesen worden. 95 weitere Menschen seien im Zusammenhang mit einer Infektion gestorben, die Gesamtzahl der Todesopfer liege damit bei 1.451.

Zweite Welle „mit großer Sicherheit“

In Deutschland plädierte nach dem Vorpreschen einzelner Bundesländer bei der Lockerung der Schutzmaßnahmen Gesundheitsminister Jens Spahn für ein gemeinsames Vorgehen. Bei einem Treffen der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel und der Bundesregierung am Mittwoch soll es um weitere Schritte gehen. Die Zahl der Covid-19-Todesfälle stieg am Dienstag um 139 auf 6.831.

Das deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) rechnet mit weiteren Ansteckungswellen. „Das ist eine Pandemie. Und bei einer Pandemie wird dieses Virus so lange Krankheiten hervorrufen, bis 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infiziert sind“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin. Es werde „mit großer Sicherheit“ eine zweite Welle geben, da sei sich die Mehrheit der Wissenschafter einig. Viele gingen auch von einer dritten Welle aus.

Im Iran gibt es inzwischen fast 100.000 Infektionen. Die Zahl der Ansteckungen sei auf 99.970 gestiegen, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums im staatlichen Fernsehen mit. Die Zahl der Todesopfer habe binnen 24 Stunden um 63 auf 6.340 zugenommen. Der Iran gehört zu den Ländern im Nahen Osten, die von der Pandemie am stärksten betroffen sind.