Personalknappheit bei mobilen Diensten in Niederösterreich

In der Pflege werden dringend Mitarbeiter gesucht: „Wir könnten derzeit 150 Stellen in Niederösterreich besetzen", sagte Gabriela Goll, Geschäftsbereichsleiterin „Hilfe und Pflege daheim" beim Hilfswerk Niederösterreich, in einer Pressekonferenz am Dienstag.

red/Agenturen

Bis 2050 wird der Personalbedarf bei mobilen Diensten laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo) deutlich steigen. Der Wifo-Berechnung zufolge wird sich die Zahl der Betreuungs-bzw. Pflegemitarbeiter bei mobilen Diensten in Niederösterreich von rund 4.400 im Jahr 2016 auf mehr als 10.300 im Jahr 2050 erhöhen. In Vollzeitäquivalenten wird ein Anstieg von rund 2.850 auf knapp 6.650 erwartet. Personalknappheit herrsche aufgrund von geburtenschwachen Jahrgängen, zudem stehe eine Welle von Pensionierungen an, sagte Goll in St. Pölten.

Das Hilfswerk - mit 2.000 Beschäftigten und 8.500 betreuten Kunden der größte mobile Pflegeanbieter des Landes - setze auf neue Arbeitszeitmodelle, berufsbegleitende Ausbildung und Umschulungsmodelle für Quer- und Wiedereinsteiger. Hier hofft man u.a. auf vor kurzem vorgestellte Maßnahmen von AMS und Land. Weiters müsse das Image der Pflege verbessert werden, meinte Goll. Um dem drohenden Personalmangel entgegenzuwirken, seien höhere Lohnabschlüsse und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen notwendig, sagte Studienautorin Ulrike Famira-Mühlberger vom Wifo.

Babyboomer werden pflegebedürftig

Derzeit werden 47.000 pflegebedürftige Menschen in Niederösterreich betreut, 2050 werden es mehr als doppelt so viele sein. In den nächsten Jahren kommt die Babyboomer-Generation ins pflegebedürftige Alter. Der Anteil der Ab-80-Jährigen an der Bevölkerung im Bundesland wird sich laut Wifo von 5,3 Prozent 2017 auf zwölf Prozent 2050 mehr als verdoppeln. Kamen 2017 noch zwölf Personen ab 85 Jahren auf 100 Niederösterreicher in der Altersgruppe von 50 bis 64 Jahren, die sich oft um die Pflege von Angehörigen kümmert, so werden es 2050 bereits 34 sein.

„Mobile Pflege ist die kostengünstigste Form der Betreuung", betonte LAbg. Michaela Hinterholzer (ÖVP), Präsidentin des Hilfswerks Niederösterreich. Die Pflegekosten im Bundesland steigen - im vom Wifo angenommenen Hauptszenario bei gleichbleibendem Versorgungsmix - von 257 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 481 Millionen im Jahr 2030 und fast 1,2 Milliarden 2050, ein Plus von 365 Prozent über den gesamten Zeitraum. Der Ausbau mobiler Dienste könne die Kostensteigerung dämpfen. Steigt der Anteil der durch mobile Dienste betreuten Personen um zehn Prozent, sinken die Nettoausgaben um 51 Millionen Euro im Jahr 2030 im Vergleich zum Hauptszenario. Die Zahlen für ganz Österreich wurden bereits im Dezember präsentiert.

Es brauche mehr Mittel für den Pflegebereich, einen innovativen Ausbau mobiler Dienste und eine Stärkung der Angehörigen, sagte Hinterholzer. Der „Masterplan Pflege" und der Fokus der Bundesregierung auf Pflege zuhause sei „ein richtiger Schritt". Weiters gelte es, Systembrüche zu vermeiden. Hier begrüßte sie die Pläne des Landes, den Gesundheits- und Pflegebereich unter einem Dach zusammenzuführen. Außerdem forderte die Hilfswerk NÖ-Präsidentin eine Erhöhung des Pflegegeldes mit Zuschlägen für Demenz- und psychiatrischen Erkrankungen.

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Derzeit werden 47.000 pflegebedürftige Menschen in Niederösterreich betreut, 2050 werden es mehr als doppelt so viele sein.
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