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Corona-Impfstoff

Rege Debatte in Italien über Corona-Impfpflicht

Freiheit oder Zwang: In Italien, dem ersten europäischen Land, in dem die Coronavirus-Pandemie im Februar ausgebrochen ist, wird über eine Corona-Impfpflicht heftig diskutiert. Die Regierung in Rom hat zwar versichert, dass sie den Italienern Impffreiheit garantieren will, sollten sich jedoch wenige Personen zur Impfung melden, wird eine Impfpflicht für Beamte, Lehrer und das Gesundheitspersonal nicht ausgeschlossen.

red/APA

„Sollten in den nächsten Monaten nicht drei Viertel der Bevölkerung geimpft werden, müssten Gegenmaßnahmen ergriffen werden, zu denen auch eine Impfpflicht zählt“, sagte Vize-Gesundheitsminister Pier Paolo Sileri laut Medienangaben. Agostino Miozzo – Koordinator des wissenschaftlichen Komitees CTS, das die Regierung bei der Ergreifung der Anti-Covid-Maßnahmen berät – sprach sich für eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal, sowie für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenhäusern und Seniorenheimen aus. „In einem Krankenhaus darf es keine Zweifel geben. Wer in einem Spital arbeitet, muss geimpft sein“, meinte Miozzo. Dasselbe müsse für das Personal im Gesundheitswesen gelten.

Das Thema einer möglichen Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen scheidet in der Regierung die Geister. Die Ministerin für die öffentliche Verwaltung, Fabiana Dadone, wehrt sich gegen eine Impfpflicht für Beamte. „Die Regierung empfiehlt zwar die Impfung, lässt jedoch den Bürgern freie Wahl. Eine Impfpflicht ist meiner Ansicht nach nicht der richtige Weg, mit der Corona-Pandemie umzugehen“, erklärte Dadone.

Laut Amedeo Santosuosso, Professor für Recht, Wissenschaft und neue Technologien an der Universität der lombardischen Stadt Pavia, könnten Ärztinnen und Ärzte zur Impfung gezwungen werden. „Ärzten, die gegen das Covid-19 nicht geimpft werden wollen, könnte verboten werden, mit anfälligeren Personen wie Senioren zu arbeiten“, meinte Santosuosso.

Die italienische Ärztekammer hat indes über Disziplinarverfahren gegen einige Mediziner berichtet, die sich in den Medien als Impfgegner geoutet haben. Zehn der 13 Ärztinnen und Ärzte, gegen die Disziplinarverfahren eingeleitet wurden, hatten sich offen gegen die Anti-Covid-Impfung ausgesprochen, berichtete der Präsident der Ärztekammer Antonio Magi. Ermittlungen laufen auch gegen drei weitere Mediziner, die als Coronavirus-Leugner bezeichnet wurden.

Verzögerung bei Lieferung von Vakzine in Italien

In Italien haben Unwetter und Schnee im Norden die Lieferung der insgesamt knapp 470.000 Impfdosen verzögert, die das Land von Pfizer/Biontech im Rahmen seiner Anti-Covid-Impfkampagne erhalten soll. Die rund 200 Standorte, die die Vakzine bekommen sollen, werden voraussichtlich erst in den nächsten Tagen die Ampullen erhalten, berichteten italienische Medien.

Ganz Italien ist von einer Schlechtwetter-Front heimgesucht. In Norditalien kam es am Montag zu heftigen Schneefällen die auch Großstädte wie Mailand, Turin und Genua schwer belasteten. In Mittel- und Süditalien gab es heftige Regenfälle und Stürme.

Am Sonntag hatte eine 29-jährige Krankenschwester in Rom die erste Corona-Impfung anlässlich des europäischen Impftages verabreicht bekommen. Italien hatte die ersten knapp 10.000 Impfstoffe mithilfe des Militärs im gesamten Land verteilt. In einer ersten Phase rechnet die italienischen Regierung mit der Impfung von 1,7 Millionen Personen.