Coronakrise

Riesenprojekt Schulstart: Faßmann wünscht sich Toleranz

Die Rückkehr in den Präsenzunterricht an Österreichs Schulen ab Montag mit der Begleitung durch Corona-Selbsttests sei „ein Riesenprojekt“, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Donnerstagnachmittag in einem Hintergrundgespräch. Es brauche daher auch „Toleranz, wenn es nicht beim erstem Mal reibungslos funktioniert“. Kritik an der Genauigkeit der „Nasenbohrer“-Tests konterte der Minister damit, dass es ohne das Testen keine Öffnung geben könne.

red/Agenturen

Nach den Semesterferien dürfen Kinder nur nach regelmäßig an der Schule durchgeführten negativen Corona-Selbsttests am Unterricht teilnehmen. Volksschüler (und Sonderschüler der ersten vier Klassen) kehren an allen fünf Tagen der Woche in die Klassen zurück, alle anderen im Schichtbetrieb. Die mit den neuen Regeln aktualisierte Fassung der COVID-19-Schulverordnung 2020/21 wurde Donnerstagabend veröffentlicht.

Beim Neustart mit Anwesenheit an Schulen am Montag (8. Februar) in den ersten aus den Ferien zurückkehrenden Schulen in Wien und Niederösterreich gehe es darum, eine Perspektive zu geben, so der Minister. Angesichts von Berichten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder aus der Bildungspsychologie, die auf deutlich negative Auswirkungen der Schul-Absenz hinweisen, sowie vielfach stark belasteter Eltern, sei die Rückkehr „dringend notwendig“.

Die Kritik etwa von Virologen an den Öffnungsschritten könne er zwar nachvollziehen, „ich muss aber das große Ganze im Auge behalten“. Die Voraussetzung für den Neubeginn seien die einfach durchzuführenden Antigen-Schnelltests mit Probenentnahme im vorderen Nasenbereich - vulgo „Nasenbohrertests“. Es stimme, dass deren Genauigkeit nicht perfekt sei, es würden aber etwa immerhin drei Viertel der symptomatisch Covid-19-Infizierten erkannt, wie eine Überprüfung der AGES gezeigt habe, auf die der Minister vertraut. „Wäre es besser gar nicht zu testen?“, fragte Faßmann. Man führe hier in Österreich etwas durch, „das seinesgleichen sucht“.

PCR „von den Laborkapazitäten unmöglich“

Niemand könne ernsthaft verlangen, dass die deutlich genaueren PCR-Tests bei Kindern zwei Mal in der Woche durchgeführt werden. Es handle sich österreichweit um rund 1,1 Millionen Schüler. Das sei logistisch und von den Laborkapazitäten her unmöglich. Beim Blick auf den „Übungstag“ am Montag bat der „ein bisschen aufgeregte“ Minister um Nachsicht, da dann noch nicht alles perfekt ablaufen könne. Der „Gewinn durch die Präsenzlehre übersteigt aber mit Sicherheit Investition“.

Man habe alle Schulleitungen kontaktiert, die Bildungsdirektionen Wien und Niederösterreich würden die Standorte derzeit mit Videokonferenzen vorbereiten, Schulärzte würden sich beteiligen und Gemeinden Personal für Fragen abstellen. Eltern, die dem Ablauf skeptisch gegenüberstehen, können beim ersten Termin dabei sein. Ist das etwa in einer Klasse sehr oft der Fall, soll das Prozedere nach Möglichkeit ins Freie verlegt werden, so Faßmann. Es werde auch möglich sein, dass Schulen einen zeitlich gestaffelten Start durchführen, „damit nicht zu viel sozusagen 'Traffic' in der Schule ist“.

Der Montag sei in gewissem Sinne auch ein Übergangstag. Das gelte vor allem für Volksschulen, wo wahrscheinlich noch nicht alle Kinder mit den notwendigen Einverständniserklärungen ausgestattet sein werden. Falls die Eltern mitkommen, könnten diese dann auch gleich vor Ort ausgefüllt werden. Ist dem nicht so, können die Kinder, die den Test nicht mitmachen, am Montag noch in einem eigenen Raum unter Aufsicht oder ausnahmsweise mit Nasen-Mundschutz in der Klasse bleiben, hieß es aus dem Ministerium. In den Tagen danach gelte: Kein Aufenthalt in der Schule ohne negativem Test.

Fast Lane mit Gesundheitsbehörden

Nach einem positiven Testergebnis sollen die Schüler ebenso in einen eigenen Raum gebracht werden. Die Schulen melden dies dann den an den Bildungsdirektionen eingerichteten Kontaktstellen, die diese Informationen über eine „Fast Lane“ an die Gesundheitsbehörden weitergeben. Diese entscheiden über das weitere Vorgehen, erklärte Faßmann. Es folgt ein Abklärung mittels PCR-Test. Ist auch dieses Resultat positiv, geht die Meldung ins EMS. Das Bildungsministerium werde die Daten zu Fällen an Schulen aggregiert zugänglich machen, hieß es.

Die Alternative zu dem Prozedere, das laut dem Minister bald zur Normalität werden wird, ist letztlich, dass das Kind weiter im „Homeschooling mit einer gewissen pädagogischen Begleitung“ bleibt. Hier werde es sich allerdings um eine geringe Zahl handeln, die erwartungsgemäß abnehmen werde, „wenn klar ist, wie harmlos die Tests sind“. Ersparen könne man sich die Testerei sonst nur mit einen ärztlichen Attest, in dem bestätigt wird, dass das Kind eine Covid-19-Infektion in den vergangenen sechs Monaten durchgemacht hat.

Die Logistik hinter dem Unterfangen sei eine große Herausforderung. Nach Problemen bei den ersten Auslieferungen von Testkits an Schulen habe man mit der Post einen neuen Logistikpartner. Faßmann: „Ich höre, es funktioniert sehr viel besser.“ Bei Unklarheiten gebe es auch hier Hotlines für die Schulen, die in den nächsten Wochen insgesamt 20 Millionen Einheiten bekommen sollen.

 

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