Omikron

Schweiz: 20.000 Ansteckungen täglich und volle Intensivstationen

Eine Verdoppelung der Coronavirus-Ansteckungszahlen bis etwa 20.000 täglich, volle Intensivstationen, eine Überlastung der Testkapazitäten und Ausfälle in wichtigen Arbeitsbereichen auch ausserhalb des Gesundheitswesens: Mit diesen Szenarien rechnet die wissenschaftliche Taskforce der Schweiz für die kommenden Wochen.

red/Agenturen

Corona-Taskforce-Chefin Tanja Stadler erwartet demnächst um die 20.000 Coronavirus-Ansteckungen pro Tag in der Schweiz, wie sie am Dienstag vor den Medien in Bern erklärte. Grund für diese rasche Zunahme in den ersten Januar-Wochen ist demnach die hochansteckende Omikron-Variante, die bald nahezu alle Ansteckungs-Fälle ausmachen dürfte.

R-Wert von Omikron bei 2

Dabei liege bei den meisten Prognose-Szenarien der Reproduktionswert von Omikron bei etwa 2 im Vergleich zur Delta-Variante, bei welcher der Wert deutlich unter 1 liegt, so Stadler. Der sogenannte R-Wert gibt an, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt.

Stadler warnte davor, die Annahme, die Omikron-Variante führe zu weniger schweren Krankheits-Verläufen, auf die leichte Schulter zu nehmen. Nach wie vor entscheidend sei bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, wie schnell sich weite Teile der Bevölkerung impfen lassen - auch ein drittes Mal, also mit einem sogenannten Booster.

Impfen schütze vor Ansteckung, allerdings nicht vollständig und auch nicht allzu lange, sagte Stadler. Wichtig bleiben Impfen, Testen, Maskentragen, das Lüften von Innenräumen und die Einschränkung von Kontakten, wie sie betonte.

20- bis 29-Jährige am stärksten betroffen

Am stärksten betroffen von Corona-Infektionen sind neu die 20- bis 29-Jährigen. Und für mehr als die Hälfte aller Ansteckungen ist unterdessen die Omikron-Variante verantwortlich, wie Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), sagte.

336 Patienten müssten derzeit auf einer Intensivstation versorgt werden. Dies entspreche fast 40 Prozent der verfügbaren Plätze. Eine optimale Versorgung der Patienten sei nicht mehr gewährleistet. Bald drohten weitere Engpässe und ein hoher Druck auf die Spitäler, so Mathys.

62 Prozent der über 65-Jährigen in der Schweiz seien „geboostert“. Bezogen auf die gesamte Bevölkerung hätten 23 Prozent der Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten.

In einzelnen Spitälern sind die Kapazitätsgrenzen erreicht, wie Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Ärzte (VKS), sagte. Die Koordination und Verlegung von Patienten funktioniere aber gut.

Triage auf Luzerner Intensivstationen

Auf Luzerner Intensivstationen allerdings dürften bald einzelne Patientinnen und Patienten wegen knapper Ressourcen nicht mehr aufgenommen werden können. Die Triage sei absehbar, sagte der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (Mitte-Partei) am Dienstag. Er forderte den Bund auf, schärfere Massnahmen zu ergreifen.

Die Luzerner Spitäler haben auf diese Situation schon reagiert. Der Operationsbetrieb am Kantonsspital Luzern wurde um 30 Prozent reduziert, Wahleingriffe werden verschoben. Dort wird auch die Zahl der Intensivbetten reduziert, um mehr Covid-Erkrankte beatmen zu können.

Über 13.000 neue Ansteckungen

13.375 neue Coronavirus-Ansteckungen erfasste das BAG am Dienstag in der Schweiz und in Liechtenstein innerhalb von 24 Stunden, ausserdem 17 neue Todesfälle und 124 Spitaleintritte. Die Auslastung der Intensivstationen beträgt zurzeit 78,6 Prozent. 38,9 Prozent der verfügbaren Betten werden von Covid-19-Patienten belegt. Auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden in den vergangenen zwei Wochen 1.450,95 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet.

Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag vor rund zehn Tagen bei 1,10.

67,08 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind mittlerweile vollständig geimpft. Von den über 12-Jährigen sind es 76,34 Prozent. Ausserdem haben 22,49 Prozent der Gesamtbevölkerung und 62,08 Prozent der über 65-Jährigen eine sogenannte Booster-Impfung (Auffrischungsimpfung) erhalten.