| Aktualisiert:

Spitäler sollen schrittweise geöffnet werden

Die erste Lockerung der Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie in Österreich wird nun auch die Spitäler und Arztpraxen einbeziehen. Krankenhäuser sollen schrittweise wieder geöffnet werden. Auch Arztpraxen sollen langsam in einen „Normalbetrieb" übergehen, kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag bei einer Pressekonferenz an.

red/Agenturen

Es werde aber „sicher noch länger keine Normalsituation in den Spitälern geben“, betonte der Minister. „Alle Krankenanstalten haben Planungsarbeiten begonnen“, wie der normale Betrieb wiederhergestellt werden soll, sagte Michael Binder, der Medizinische Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) und Mitglied des Beraterstabs der Coronavirus-Taskforce. Künftig sollen nicht mehr nur akute Operationen, sondern auch planbare wieder stattfinden. In verschiedenen Krankenanstalten werden bereits jetzt Operationen durchgeführt, sagte der KAV-Direktor.

Es müsse jedenfalls darauf geachtet werden, dass die Patienten keine Covid-Erkrankungen in die Krankenhäuser einschleppen werden. „Das geht mit einer Teststrategie“, sagte Binder. Auch mit der geplanten Öffnung sei „der Schutz des Systems erste Priorität“, betonte Anschober. Deswegen bleiben die restriktiven Regelungen im Besucherbereich aufrecht, betonte Anschober.

In Arztpraxen soll nun weiterhin auf telefonische Voranmeldung und effizientes Wartezimmermanagement gesetzt werden. Ziel ist, dass Patienten im Wartezimmer einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Eine Verpflichtung - analog zum Handel - erachtet Anschober als nicht notwendig.

Trends geben weiter Anlass zu Optimismus

Unterdessen geben die aktuellen Daten weiter Anlass für Optimismus: Immer mehr Menschen in Österreich haben sich nach einer SARS-CoV-2-Infektion erholt. 9.704 sind wieder genesen, wie es am Freitag aus dem Innenministerium (Stand 9.30 Uhr) heißt. Weit unter 1.000, nämlich 909 liegen noch wegen einer Infektion im Spital. Das heißt, dass in den letzten 24 Stunden 58 Menschen als gesund entlassen werden konnten.

Der 24-Stunden-Anstieg der Infektionen lag laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei 0,8 Prozent. Seit Tagen liege die Zunahme bei durchschnittlich einem Prozent. „Das ist einmalig in Europa“, so der Minister bei einer Pressekonferenz. Auch der effektive Reproduktionsfaktor verbessere sich laufend und liege derzeit bei 0,63. Das bedeutet, dass 4.431 Menschen in Österreich „aktiv“ mit dem Virus infiziert sind. Das sind um 632 bzw. um 12,5 Prozent weniger als noch tags zuvor.

Angestiegen ist leider die Zahl jener Menschen, die mit oder an einer Infektion gestorben sind. 431 Opfer waren bis Freitag zu beklagen. Die meisten Todesfälle gab es laut Gesundheitsministerium weiterhin in der Steiermark, in Wien, Tirol und in Niederösterreich.

Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, präsentierte eine Prognose zur Entwicklung der Coronavirus-Situation in Österreich. Demnach werde die Zahl der jemals positiv getesteten Menschen bis nächsten Freitag, dem 24. April, auf 15.400 ansteigen.

Keine kulturellen Großevents bis 31. August

Nach der schrittweisen Öffnung der Geschäfte gekommen ist, soll auch das Kulturleben in den kommenden Wochen langsam wieder anlaufen. Konkret sollen Mitte Mai Museen und „Orte der Präsentation im künstlerisch-kulturellen Bereich“ wieder öffnen können, sagte Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler (Grüne) am Freitag.

Ein genauer Tag für die Öffnung, die auch für Bibliotheken, Büchereien und Archive gelten wird, soll noch bekannt gegeben werden. Nicht möglich sein werden allerdings weiterhin Großveranstaltungen wie Stadtfeste oder Musikfestivals, bei denen viele Menschen stehend auf engem Raum zusammenkommen. Das bereits bis Ende Juni geltende Veranstaltungsverbot wurde für diese Bereiche bis 31. August verlängert.

Noch immer gibt es rückkehrwillige Österreicher im Ausland. Das Außenministerium bezifferte deren Zahl am Freitag mit 650. Es handelt sich dabei großteils um Einzelpersonen oder Kleinstgruppen, die in mehr als 70 Ländern der Welt festsitzen. Sie werden von den Vertretungsbehörden betreut. Die noch gestrandeten 650 Österreicher werden von den Behörden bei der Organisation von Rückreisen mit Flügen der europäischen Partner unterstützt, oder - wenn dies nicht (mehr) möglich sein sollte - durch intensive konsularische Hilfe an Ort und Stelle.

Kärntens Ärztekammer-Chefin will „komplett neue Abläufe"

„Ich glaube nicht, dass man voll hochfahren kann. Man wird immer eine gewisse Kapazität vorhalten wird müssen.“ Das erklärte Kärntens Ärztekammerpräsidentin Petra Preiss am Freitag zum angekündigten, schrittweisen Hochfahren der Spitäler nach dem Coronavirus-Notbetrieb. Wichtig ist aus ihrer Sicht nun auch, die Abläufe in den Krankenhäusern und in den Arztpraxen neu zu organisieren.“

Man wird entflechten und ausdünnen müssen“, sagte die Standesvertreterin im APA-Gespräch. Krankenhäuser seien von ihrer Bauweise auf zentrale Abläufe ausgerichtet - „Das ist genau das Gegenteil von dem, was man jetzt braucht.“ Auch in Ordinationen werde man auf punktgenaue Termine setzen müssen, die weiter auseinanderliegen, man werde in gewissen Bereichen vielleicht mehr Personal benötigen. Dass Patienten einmal beim Hausarzt zwei Stunden im Wartezimmer sitzen, das werde man in Zukunft nicht mehr machen können. „Es wird komplett andere Abläufe brauchen. Das ist auch im Krankenhaus nicht anders.“

Der Rückstau bei den Eingriffen sei umso größer, je weniger dringlich sie sind, sagte Preiss. In lebensbedrohenden Bereichen wurde weiter operiert - die Tumorchirurgie etwa wurde weiter gemacht, auch die Herzchirurgie hatte fast jeden Tag eine Operation, Halsschlagader-Operationen wurden auch in hohem Ausmaß gemacht, weil das sonst ein Schlaganfallrisiko bedeute. Es seien aber alle Bereiche der Spitäler vom Notbetrieb betroffen gewesen, so sei etwa die Dermatologie als Abteilung zugunsten eines Covid-19-Bereichs geschlossen worden, ein paar Dermatologie-Betten wurden andernorts bereitgestellt.

Dass die Infektionen in Kärnten relativ niedrig geblieben sind, rechnet Kärntens Ärztekammerpräsidentin auch der „ausgezeichneten Triage durch die Kabeg“ zu - also das Trennen von möglichen Coronafällen und Patienten, die nicht infiziert sind, in den Landeskrankenanstalten (Kabeg). „Das hat wirklich bewirkt, dass uns kein einziger Coronafall ins Haupthaus hineingerutscht ist.“

Die Kärntner Krankenanstalten werden in den nächsten Tagen Pläne entwerfen, um Ende April, Anfang Mai damit anzufangen, wegen des Coronavirus vorsichtshalber aufgeschobene Behandlungen abzuarbeiten. Die für Covid-19-Patienten reservierten, stationären und Intensivbetten werden langsam reduziert. Erneut gab es einen Appell an Menschen mit Beschwerden anderer Art, sich ins Krankenhaus zu trauen.

Der Planungshorizont beträgt vorerst sechs Wochen, hieß es bei einer Video-Pressekonferenz am Freitag. „Intensivkoordinator“ Rudolf Likar, Primarius am Klinikum Klagenfurt, erklärte, dass 35 Intensivbetten für Covid-19-Patienten am Klinikum bereitstanden, von denen bisher maximal 13 gleichzeitig belegt waren. Im Notfall hätte man 180 Patienten in Kärnten beatmen können. Aktuell habe man noch eine Intensiv-Einheit für 17 Patienten reserviert. Wenn keine neuen Fälle nachkommen, werde man langsam auf den Routinebetrieb mit zehn Betten für Infektionskranke am Klinikum und fünf weiteren Betten in den anderen Krankenhäusern zurückfahren. Aktuell gibt es in Kärnten neun Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden.

 

WEITERLESEN:
Zweite Dunkelziffer-Studie startet
Stillleben Arzt
In Arztpraxen soll nun weiterhin auf telefonische Voranmeldung und effizientes Wartezimmermanagement gesetzt werden. Ziel ist, dass Patienten im Wartezimmer einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Pixabay