Stadt-RH empfiehlt Auflösung von Wiener Krebsforschungsfonds

Der Fonds sei seinem satzungsmäßigen Zweck „lediglich zum Teil“ nachgekommen, hieß es. Kritik gab es etwa an der Nichterfüllung des Zwecks und am mangelnden Interesse von Bewerbern. Auch wurden Ungereimtheiten bei Fördervergaben festgestellt.

red/Agenturen

Die Stadt Wien hat im Jahr 2000 einen Fonds für innovative interdisziplinäre Krebsforschung, mit dem Forschungsvorhaben gefördert werden sollen, ins Leben gerufen. Der Stadt-Rechnungshof nahm die Gebarung des Fonds in Augenschein und empfahl in einem am Freitag veröffentlichen Bericht, eine Auflösung anzudenken.

Kritik an Nichterfüllung des Zwecks und am mangelnden Interesse von Bewerbern

Der Fonds war zunächst mit 1,1 Millionen Euro dotiert worden. 2009 kam es zu einer Nachdotierung in der Höhe von drei Millionen Euro. Zusätzlich flossen auch Zuwendungen Dritter. Im Vorstand sitzen fünf Mitglieder, darunter der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Ziel ist, dass der Fonds wissenschaftliche Bemühungen im Bereich der Krebsforschung mit einem „Forschungsentwicklungspreis“, einem „Förderungspreis“ und einem „Großen zentraleuropäischen Preis“ würdigt.

Doch die Prüfer des Stadtrechnungshofes - untersucht wurde der Zeitraum von 2015 bis 2017 - haben festgestellt, dass das Interesse an diesen Auszeichnungen rückläufig ist. So gab es im Jahr 2015 noch 26 Bewerbungen für die Auszeichnungen, im Jahr 2017 langten nur mehr vier Bewerbungen ein.

Ungereimtheiten bei Fördervergaben

Die Anträge werden an zwei unterschiedliche Gutachter weitergereicht. Ziel ist, dass jedes Projekt von zwei Experten bewertet wird. Auf Basis dieser Benotungen wird schließlich eine „Shortlist“ erstellt, die als Entscheidungshilfe für die Fördervergabe dient.

Bei der Einsicht in die Bewerbungsakten bemerkte der Rechnungshof einige Ungereimtheiten. In einem Fall seien beispielsweise die Bewertungen der Gutachter nicht korrekt in die „Shortlist“ übertragen worden. Aufgrund dessen wurde das Projekt besser gereiht und erhielt auch einen „Forschungsentwicklungspreis“ in der Höhe von 30.000 Euro. Eine korrekte Übertragung hätte zu einer schlechteren Platzierung und zur Auszeichnung eines anderen Projekts geführt, hieß es in dem Bericht.

In Anbetracht des mauen Interesses an den Auszeichnungen empfahl der Stadt-Rechnungshof, eine Auflösung des Fonds bei gleichzeitiger Übertragung des Vermögens auf einen anderen medizinischen Wissenschaftsfonds anzudenken. Daraus könnten sich Synergieeffekte ergeben bzw. das von der Stadt finanzierte medizinisch-wissenschaftliche Förderungsangebot übersichtlicher gestaltet werden. Andernfalls, so rieten die Prüfer unter anderem, gebe es Optimierungspotenzial im Bereich der Förderungsvergaben. In einer Stellungnahme, die in den Prüfbericht eingearbeitet worden war, ließ der Fonds wissen, dass man die Empfehlung einer Auslösung und Vermögensübertragung prüfen werde.Kritik an der Stadt und ihrem Umgang mit dem Fonds gab es vonseiten der Oppositionsparteien. Die FPÖ rief zum raschen Handeln auf, „um Verluste in der Forschung und damit in Folge für betroffene Patienten zu vermeiden“, wie die nicht amtsführende Stadträtin Veronika Matiasek in einer Aussendung mahnte. Auch ÖVP-Gemeinderatsmandatar Wolfgang Ulm ärgerte sich in einer Aussendung: „Die Stadt Wien hat ihren Fonds zur Krebsforschung stark vernachlässigt, was sich vor allem an einem massiven Rückgang der Bewerbungen zeigt.“

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Mit 206 Studien sei die Onkologie weiterhin der am intensivsten erforschte Bereich in Österreich gewesen.
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