Ärztemangel

Startprämien sollen Mediziner auf steirische Kassenstellen locken

Vor allem in ländlichen Regionen sind hausärztliche Kassenpraxen, aber auch Planstellen für Kinder- und Jugendheilkunde oder Gynäkologie kaum nachbesetzbar. Mit Startprämien für Kassenstellen soll die Versorgung in der Steiermark gesichert werden.

red/Agenturen

Insgesamt werden in der Steiermark für die Jahre 2019 bis 2021 Mittel in der Höhe von 3,85 Millionen Euro in die Hand genommen. Sie sollen das Problem der Nachbesetzung von Kassenstellen in strukturschwachen Regionen lösen helfen, schilderte Josef Harb, Obmann der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse am Mittwoch im Pressegespräch. Mit bis zu 70.000 Euro werden die Übernahme von Einzelordinationen oder auch Jobsharing-Gruppenpraxen gefördert. Eine Startprämie von 35.000 Euro gibt es für eine Übergabepraxis, für eine neu gegründete Gruppenpraxis können bis zu 105.000 Euro für je zwei Planstellen und zusätzlichen 35.000 Euro für jede weitere Kassenstelle gefördert werden, erläuterte Andrea Hirschenberger, die Generaldirektorin der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse.

Um den Beruf wieder attraktiv zu machen, müsse „an mehreren Stellen gedreht werden", betonte der steirische Ärztekammerpräsident, Herwig Lindner. „Vor allem junge Ärztinnen und Ärzte brauchen Impulse, um sich für Kassenpraxen zu bewerben." Die Startprämien seien "ein wichtiger Beitrag, um die Bereitschaft der Ärztinnen und Ärzte, in die Kassenpraxis zu gehen, zu erhöhen". Als „absolut notwendig" bezeichnete Norbert Meindl, Obmann der niedergelassenen Ärzte in der steirischen Ärztekammer, die Einführung der Förderung. Er hielt es für „bedenklich", dass es mittlerweile auch schon Probleme bei der Nachbesetzung von Facharztstellen gibt.

Prämie an Praxisführung von fünfjähriger Mindestdauer geknüpft

Der Betrag könne für die Praxisräume, die medizinische Einrichtung oder die Ausbildung von Ordinationsmitarbeitern verwendet werden. An die Vergabe ist die Bereitschaft geknüpft, dass die Praxis mindestens fünf Jahre geführt wird, führte Hirschenberger weiter aus.

Beginnend mit März werden in der Steiermark 16 Planstellen im überwiegend ländlichen Raum ausgeschrieben, die bisher trotz intensiver Bemühungen nicht zu besetzen waren, wie sie steirischen STGKK-Generaldirektorin ausführte. Dazu gehören neun Stellen für Allgemeinmediziner, drei Planstellen für Kinder- und Jugendmedizin und vier Gynäkologie-Planstellen.

Gesundheitslandesrat Christopher Drexler (ÖVP) begrüßte das vorgestellte Modell der Startprämie für schwer zu besetzende Kassenstellen: „Angesichts einer Vielzahl an Pensionierungen in den kommenden Jahren sowie der zunehmenden Schwierigkeit, Kassenarztstellen in bestimmten Regionen zu besetzen, kann ein finanzieller Anreiz dazu beitragen, Lücken in der Versorgung mit niedergelassenen Kassenärzten zu verhindern oder zu schließen", formulierte er. Ein ähnliches System sei bereits für die Gesundheitszentren etabliert worden. Hier würden bestimmte Leistungen, die über den Gesamtvertrag der Betreiber der Gesundheitszentren mit der Kasse nicht gedeckt sind - wie etwa zusätzliche Personalausstattung oder Maßnahmen zur Gesundheitsförderung - abgegolten. Die Bemühungen im Bereich der Gesundheitszentren müssten noch weiter verstärkt werden: „Wir haben aktuell fünf, bis 2025 sollen es 30 sein", so der Gesundheitslandesrat.

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