Startschuss für Salzburger Projekt gegen Übergewicht bei Kindern

Bewegungsmangel, ungesundes Essen, zu viel Zucker: In Salzburg ist rund ein Drittel der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen vier und 14 Jahren von Übergewicht betroffen. In absoluten Zahlen sind das etwa 20.000 Personen. Um hier entgegen zu wirken, haben die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) und das Land Salzburg das Abnehmprojekt „easykids“ ins Leben gerufen.

red/Agenturen

Im Idealfall können bis zum Schuljahr 2026/2027 jedes Jahr 200 betroffene Kinder betreut werden - ohne dass für die Eltern Kosten anfallen. „60 Prozent der Menschen, die bereits vor der Pubertät übergewichtig waren, bleiben es auch im Erwachsenenalter. Mit chronischen Folgeerkrankungen wie Diabetes, Fettleber oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagte am Montag der Kinderarzt Holger Förster bei der Projektpräsentation. Förster ist zugleich Präsident der Gesellschaft für Vorsorgemedizin in Salzburg (AVOS), die „easykids“ umsetzt. Am Dienstag starten die ersten Kurse.

Mit dem langfristig ausgerichteten und laut Initiatoren österreichweit einzigartigen Projekt sollen dicke Kinder und Jugendliche ihren Lebensstil hin zu mehr Bewegung und gesünderer Ernährung verändern. „easykids dauert 30 Wochen, also ein Schul- oder Kindergartenjahr lang“, erklärte Projektleiterin Angelika Bukovski von AVOS. Jede Woche außerhalb der Ferien ist eine Kurseinheit vorgesehen. „Das sind entweder Bewegungseinheiten, Ernährungseinheiten oder psychosoziale Einheiten, die bei der Verhaltensänderung helfen sollen.“

Wo es schwierig ist, zu den Kursorten zu kommen, kann ein gratis Taxidienst in Anspruch genommen werden. Die regulären Kurseinheiten werden durch Outdoor-Events oder Kochworkshops für die ganze Familie ergänzt. Auf Wunsch können auch Besuche etwa von Diätologen in der Familie angefordert werden.

Handlungsbedarf bestehe auch, weil die Corona-Pandemie mit Homeschooling und fehlendem Schul- und Vereinssport das Problem noch verstärkt habe, erklärte Kinderart Förster. „Wir züchten Generationen für die Zukunft, die zu dick sind - und die damit auch ein größeres Risiko haben, an Corona und anderen Virusinfekten zu erkranken.“ Allerdings sei es oft schwierig, die Eltern davon zu überzeugen, dass ihr Kind betreut werden müsse. „Das Problem muss erst einmal als Problem akzeptiert werden.“

Komplett von der ÖGK finanziert

Die ÖGK hat in Salzburg darum alle Eltern von Kindern angeschrieben und über das Projekt informiert. Jüngere Kinder können zudem über Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen noch gut erreicht werden, bei älteren sei das aber schon deutlich schwieriger. „easykids“ will auch gezielt Menschen mit Migrationshintergrund und aus schlechteren sozio-ökonomischen Verhältnissen ansprechen. Die seien stärker betroffen - aber keineswegs ausschließlich.

Finanziert wird „easykids“ komplett von der ÖGK. Wie Bundesobmann Andreas Huss erklärte, sei das Projekt vier Millionen Euro schwer und eines von fünf Salzburger Präventionsprojekten, die als Folge des 2018 beschlossenen Zusammenschlusses der Gebietskrankenkassen vertraglich mit dem Land abgesichert wurden. Von den 177 Millionen Euro an allgemeinen Rücklagen, die nach Wien gewandert sind, fließe so zumindest ein Teil für Salzburger Projekte zurück.

Voraussetzung für die Teilnahme am Programm ist eine Eingangsuntersuchung durch Kinderärzte, welche Betroffene den „easykids“ zuweisen. Bei extrem adipösen Fällen - dieser Kreis wird in Salzburg auf rund 2.000 Kinder und Jugendliche geschätzt - müssen allerdings andere Projekte greifen.