Spitäler

Steirischer Rechnungshof zerpflückte obersteirischen Spitalsverband

Die Pläne für ein zentrales Leitspital im Bezirk Liezen haben nun auch Rückenwind vom steirischen Landesrechnungshof (LRH) bekommen: Dieser hat am Donnerstag einen Prüfbericht zum Krankenanstaltenverbund Rottenmann-Bad Aussee vorgelegt - zwei Spitäler, die neben Schladming wegen des neu geplanten Zentralspitals geschlossen werden sollen. Der LRH hält den Betrieb in Bad Aussee für ineffizient und empfiehlt sogar noch vor dem Bau eine Verlegung von Einheiten nach Rottenmann.

red/Agenturen

„Geprüft wurde der Zeitraum von 1. Jänner 2015 bis 31. Dezember 2018. Es wurde aber auch Bezug auf den weiter zurückliegenden Neubau des Spitals in Bad Aussee genommen, das 2013 fertiggestellt worden war. Schon dieser Bau sei aus Sicht des LRH nicht nachvollziehbar gewesen. Damals bereits vorgeschlagene Empfehlungen sei man nicht nachgekommen. Der komplette Bau müsse nun in Frage gestellt werden, so die Kritik.

Der Bericht über den 2010 eingegangenen Verbund zeige laut LRH ein ähnliches Bild wie jener über das Schladminger Diakonissenkrankenhaus aus dem Jahr 2019: „Die Leistungsdaten sind rückläufig, gleichzeitig liegen die Kosten pro Patient bzw. pro Belagstag deutlich über dem KAGes-Schnitt (Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft, Anm.).“ Zusätzlich warnten die Prüfer vor einem eklatanten Fachärztemangel, der sich bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen weiter verschärfen werde.

„Angespannte personelle Situation“

Schon seit Jahren könne der Verbund genehmigte Ärzte-Dienstposten nicht besetzen. Zwar behelfe man sich mit Konsiliarverträgen mit niedergelassenen oder pensionierten Fachärzten sowie mit zusätzlichen Diensten durch Primarärzte, die nicht unter die Einschränkungen des Arbeitszeitgesetzes fallen. Dennoch seien im Prüfzeitraum 2015 bis 2018 immer wieder die gesetzlich zulässigen Höchstarbeitszeiten überschritten worden.

„Die angespannte personelle Situation bei der Ärzteschaft hat insbesondere Auswirkungen auf die chirurgische Vollversorgung, die aus Sicht des LRH an beiden Standorten parallel nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Deshalb wird empfohlen, die Allgemein- und Viszeralchirurgie als Übergangslösung am Standort Rottenmann zu zentralisieren, bis das geplante Leitspital im Bezirk Liezen umgesetzt ist.“ Ähnliches gelte auch für die geburtshilflich-gynäkologische Versorgung an den Krankenhäusern Schladming und Rottenmann. „Der Betrieb eines Krankenhauses ist nicht primär aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. In erster Linie geht es uns um eine hohe Behandlungsqualität, gepaart mit einer hohen Patientensicherheit“, sagte LRH-Direktor Heinz Drobesch.

FPÖ will „Aufwertungsprozess“

Im vierjährigen Prüfzeitraum gingen innerhalb des Verbundes die Aufnahmen und Belagstage um rund 6,5 Prozent zurück. Diese rückläufigen Leistungsdaten hätten auch eine geringe Auslastung zur Folge: So lag die Bettenauslastung 2019 mit 66,85 Prozent deutlich unter der Soll-Auslastung von 85 Prozent und jener der gesamten KAGes mit 73,82 Prozent. Auch die OP-Auslastung blieb mit 63,87 Prozent laut LRH weit hinter dem KAGes-Gesamtwert von 93,13 Prozent zurück. Überhaupt sei im internen Vergleich der Betrieb des Standortes Bad Aussee sowohl aus ökonomischen Aspekten als auch aus Versorgungssicht weniger effizient als jener in Rottenmann.

Der Bericht wurde am Donnerstag von den Parteien unterschiedlich interpretiert: Während sich ÖVP-Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß im eingeschlagenen Kurs mit dem Bau eines neuen Leitspitals - Krankenanstalt Ennstal wird es heißen - bestätigt sieht, will FPÖ-Gesundheitssprecher Marco Triller die Kritik in einen „Aufwertungsprozess“ der drei bestehenden Spitäler einfließen lassen. Die Aufgaben der drei Standorte müssten nur effizient aufgeteilt werden, so seine Ansicht.

 

 

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