Coronavirus

Test gleich am ersten Schultag: Semesterstart in Wien und NÖ

Für knapp 450.000 Schüler in Wien und Niederösterreich hat am Montag nach den Semesterferien wieder die Schule begonnen. Rund 280.000 von ihnen hatten nach Wochen des Distance Learning wieder die Möglichkeit, den Präsenzunterricht zu besuchen. Voraussetzung dafür war grundsätzlich ein Corona-Selbsttest an der Schule. Nach ersten Einschätzungen dürfte der Großteil davon Gebrauch gemacht haben.

red/Agenturen

Dementsprechend groß war rund um den Schulbeginn um 08.00 Uhr der Andrang an vielen Volksschulen, wie einige APA-Lokalaugenscheine zeigten. Die Schüler wurden meist nur im Gänsemarsch mit kleinem Abstand eingelassen - dementsprechend war dann auch für kurze Zeit der Rückstau im Freien.

An den Volksschulen haben getestete Schüler an allen fünf Tagen der Woche Präsenzunterricht. An den anderen Schulen gibt es dagegen eine Teilung der Klassen in zwei gleich große Gruppen: Gruppe A hat am Montag und Dienstag Unterricht, Gruppe B am Mittwoch und Donnerstag (und in der Woche darauf umgekehrt). Für die Tage, an denen man nicht in der Schule ist, gibt es Arbeitsaufträge oder Hausübungen. Manche Schulen streamen aber in einigen Fächern auch den Unterricht für die Schüler daheim.

Gleich am Anfang des ersten Schultags vor Ort stand der Test: Da beim ersten Durchlauf auch die Eltern dabei sein dürfen, hatten manche Schulen eigene Teststationen im Schulhof aufgebaut. Kinder ohne Begleitung machten die Tests dagegen in den Klassen.

Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) machte sich ein Bild von den Tests an einer Schule in Wien-Leopoldstadt. "Wir haben uns eingesetzt, dass die Schule als sozialer Ort wieder existent ist", so der Minister vor Journalisten. Angesichts der Inzidenzzahlen könne man aber "nicht blauäugig und naiv einfach aufmachen". Er sei überzeugt, dass sich die Tests in den Routine-Ablauf an den Schulen einfügen - wobei er gleichzeitig warnte: "Sicherheit ist nur für eine gewisse Zeit gegeben." Allerdings werden laut eine AGES-Studie bei anterio-nasalen Tests nur drei Viertel der Getesteten mit leichten Symptomen und bei Symptomfreien nur 41 Prozent erkannt. Die Tests würden aber durch die Maskenpflicht, Abstandsregeln sowie bei älteren Schülern mit dem Schichtbetrieb ergänzt, so Faßmann.

"Anterio-Nasal-Tests" 

Die Entscheidung zur Schulöffnung verteidigte der Minister: Natürlich habe man Respekt vor der Situation. Wenn man allerdings auf den Rückgang der Sieben-Tage-Inzidenz wie von manchen Experten gefordert auf eine viel geringere Zahl gewartet hätte, hätte man vermutlich erst irgendwann vor Pfingsten wieder mit dem Präsenzunterricht beginnen können.

Zum Einsatz an den Schulen kommen sogenannte "Anterio-Nasal-Tests". Mit diesen erfolgt ein Abstrich mit einem Tupfer im vorderen Nasenbereich. Nach der Abnahme wird dieser in einem Faltkarton mit einer Flüssigkeit beträufelt, der Karton anschließend zugeklappt. Innerhalb weniger Minuten erscheint dann das Ergebnis auf der Vorderseite.

Mittlerweile hat das Bildungsministerium 24 Mio. Tests geordert, die per Charterflügen nach und nach aus China ankommen. Pro Woche werden rund 2,2 Mio. Stück davon an die Schulen ausgeliefert - das entspricht etwa 25 Sattelschleppern.

"Im Wesentlichen hat dieser erste Schultag gut funktioniert", betont ein Sprecher der Wiener Bildungsdirektion gegenüber der APA. Nur in Einzelfällen habe es an Schulen zu wenige Testkits gegeben, die dann allerdings nachgeliefert wurden. Das bestätigt auch Wiens oberster Pflichtschullehrer-Personalvertreter Thomas Krebs (FCG). An so manchen Standorten hätten einige Eltern die Möglichkeit genutzt, bei der ersten Testung dabei zu sein. Den Ablauf hätten die Schulen allerdings gut organisiert, auch wenn es da und dort zu Gedränge gekommen sei.

Testung selbst wie ein kleines kollektives Experiment

Faßmann glaubt nicht, dass viele Kinder bzw. deren Eltern den Test verweigern werden. Im Lauf des Tages soll stichprobenartig abgefragt werden, wie oft dies der Fall ist - wobei der heutige Montag noch ein "Vorbereitungstag" sein soll: Kinder, die noch keine unterschriebene Einverständniserklärung der Eltern haben, dürfen trotzdem in die Schule und werden extra betreut.

"Der Großteil der Eltern ist aber sicher kooperativ", so Krebs. Es sei in den vergangenen Tagen Direktoren durchaus noch gelungen, skeptische Eltern vom Nutzen der Testungen zu überzeugen. Auch die Möglichkeit, dass Eltern beim ersten Mal dabei sein können, werde zur Beruhigung beitragen, so seine Hoffnung im Gespräch mit der APA. Ihm sei nur von einzelnen Fällen berichtet worden, in denen Eltern angekündigt haben, ihre Kinder wegen der Testung daheimzulassen. Konkretes Beispiel: An einer großen Wiener Ganztagsschule seien von den 300 Schülern heute 15 beim ersten Test begleitet worden, drei oder vier werden der Schule wegen der Tests fernbleiben.

Auch an den AHS-Oberstufen dürfte es am ersten Testtag keine gröberen Probleme gegeben haben. Der logistische Aufwand sei zwar enorm, erzählt AHS-Direktorensprecherin Isabella Zins, die das BORG Mistelbach leitet. Die Testungen selbst seien jedoch kein Problem gewesen, die Oberstufenschüler an ihrem Haus hätten damit auch schon davor Erfahrungen gesammelt. Unter den insgesamt 300 Schülerinnen und Schülern habe nur eine einzige nicht mitgemacht. "Ihnen ist es so wichtig, dass sie wieder Schule haben, dass sie das in Kauf nehmen." Die Testung selbst sei wie ein kleines kollektives Experiment, "für die Jugendlichen ist das gar kein Problem". Von AHS-Unterstufen, wo die Testung nur bei Einverständnis der Eltern möglich ist, lagen vorerst noch keine Rückmeldungen vor.