Coronavirus

USA beklagen „mangelnde Transparenz“ Pekings

Angesichts der ständig steigenden Infektions-und Todeszahlen durch das neuartige Coronavirus haben die USA der Führung in Peking „mangelnde Transparenz" vorgeworfen. Es stelle sich die Frage, ob „das Politbüro wirklich ehrlich uns gegenüber ist", sagte US-Präsidentenberater Larry Kudlow am Donnerstag (Ortszeit).

red/Agenturen

In China stieg die Zahl der Infizierten auf knapp 64.000, fast 1.400 Menschen starben bereits. Unter den Opfern sind zunehmend Ärzte und Pfleger, denen die richtige Schutzausrüstung fehlt. Die von Kudlow geäußerten Zweifel standen im Kontrast zu Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der in einem Radiointerview die Zusammenarbeit mit China lobte und der Regierung einen „professionellen" Umgang mit der Epidemie bescheinigte. Er halte Chinas Präsidenten Xi Jinping für „extrem fähig", fügte Trump hinzu.

Dagegen sagte der für Wirtschaftsfragen zuständige Präsidentenberater Kudlow, Xi habe Trump zwar Offenheit und die Annahme von Hilfe versprochen. Die USA seien „mehr als bereit" für Hilfe, „aber sie lassen uns nicht", sagte Kudlow mit Blick auf die chinesische Führung. „Ich weiß nicht, was die Motive dahinter sind."

Schlecht ausgerüstete Ärzte und Pfleger in China erkranken immer öfter

In der Volksrepublik sind die gegen das Virus kämpfende Ärzte und Pfleger zunehmend betroffen. Es seien mehr als 1.700 Angehörige des medizinischen Personals an der Atemwegserkrankung Covid-19 erkrankt, teilte der Vize-Chef der staatlichen Gesundheitskommission, Zeng Yixin, am Freitag mit. Sechs von ihnen seien gestorben. Zeng hob die großen Risiken hervor, denen Ärzte und Krankenpfleger angesichts der Engpässe bei Schutzanzügen und Atemschutzmasken ausgesetzt seien.

Die Zahlen zum betroffenen medizinischen Personal wurden genau eine Woche, nachdem der junge Augenarzt Li Wenliang an dem Erreger gestorben war, veröffentlicht. Li hatte als einer der ersten vor dem Virus gewarnt. Nach seiner Schilderung versuchte die Polizei jedoch, ihn mundtot zu machen. Sein Tod löste in chinesischen Onlinediensten große Bestürzung aus, vielfach wurde der Ruf nach Meinungsfreiheit laut.

Angesichts der Entwicklungen setzt die Lufthansa alle Flüge zum chinesischen Festland bis zum Ende des Winterflugplans am 28. März aus. Bis dahin werden nun die Flüge von Lufthansa sowie der Lufthansa-Gesellschaften Swiss und Austrian Airlines von und nach Peking und Shanghai gestrichen, wie das Unternehmen mitteilte. Diese Flüge waren zuvor bereits bis zum 29. Februar gestrichen worden.

Gute Nachrichten für Passagiere des US-Kreuzfahrtschiffs

Nach Angaben der Internationalen Luftverkehrsvereinigung (ICAO) haben derzeit 70 Airlines alle Flüge von und nach China eingestellt; 50 weitere Fluggesellschaften reduzierten ihren Flugverkehr mit der Volksrepublik. Die UN-Organisation erwartet Umsatzeinbußen von bis zu fünf Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) für Fluggesellschaften weltweit.

Gute Nachrichten gab es dagegen für die Passagiere des US-Kreuzfahrtschiffs „Westerdam". Nach tagelanger Irrfahrt und Zurückweisungen durch mehrere asiatische Länder lief das Schiff am Freitag im kambodschanischen Hafen Sihanoukville ein. Die ersten der mehr als 2000 Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden von Regierungschef Hun Sen persönlich begrüßt, sie wurden mit Blumen und traditionellen Schals behängt.

Die „Westerdam" war am 1. Februar in Hongkong zu einer 14-tägigen Ostasien-Kreuzfahrt in See gestochen. Doch Japan, Guam, die Philippinen, Taiwan und Thailand wiesen das Schiff aus Angst vor dem neuartigen Coronavirus ab - obwohl an Bord kein Fall des Virus nachgewiesen wurde.

Auch von dem vom Virus betroffenen Riesen-Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess" durften erste Passagiere an Land. Die japanische Regierung erlaubte das Verlassen des Schiffes allerdings nur schwachen oder älteren Passagieren über 80 Jahren, die negativ getestet wurden. Auf dem Schiff sind 218 Menschen an Covid-19 erkrankt; insgesamt sitzen etwa 3.500 Menschen an Bord fest.
 

Coronavirus
Die chinesischen Behörden versuchen seit Wochen mit drastischen Maßnahmen, die Ausbreitung des neuartigen Virus 2019-nCoV in den Griff zu bekommen.
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